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| 14.35 Uhr

Takashi Usami und Genki Haraguchi
Fortunas japanische Flügelzange wirbelt die Liga auf

Takashi Usami und Genki Haraguchi: Die Japanische Flügelzange von Fortuna Düsseldorf
Takashi Usami und Genki Haraguchi im Fortuna-Trikot. FOTO: Imago
Düsseldorf. Takashi Usami und Genki Haraguchi wirbeln als Düsseldorfer Außenstürmer die 2. Bundesliga ordentlich auf. Die Japaner sind sehr populär, aber beide sind nur Leihgaben - und selbst im Falle des Aufstiegs kaum zu halten. Von Bernd Jolitz

Vor ein paar Wochen hat Fortuna Düsseldorf eine Autogrammstunde ausgerichtet. Ganz normales Tagesgeschäft bei einem Profifußballklub, doch an diesem Nachmittag war nicht wirklich alles ganz normal. Die Fans rannten Fortuna die Bude ein, füllten nicht nur den reservierten Raum im Me-and-all-Hotel, sondern standen Schlange bis auf die Immermannstraße, dem geschäftlichen Zentrum der japanischen Gemeinde in der Landeshauptstadt. Ein gut gewählter Ort, denn hinter dem Autogrammtisch saßen Genki Haraguchi und Takashi Usami, Fortunas japanische Profis, die derzeit als Flügelzange die Abwehrreihen der Zweitligisten durcheinanderwirbeln.

Seit Jahrzehnten versucht Fortuna immer wieder, die Mitbürger aus Fernost enger an den Verein zu binden. Auf der Ebene von Fans und Sponsoren hat Gengo Seta, Leiter des Japan-Desks im Verein, auch schon lange beachtliche Erfolge - doch rein sportlich wollte es trotz mehrerer Anläufe nie richtig glücken. Sanshiro Matsumoto, Kozo Yuki oder Genki Omae, sie alle wurden nie der von vielen erträumte neue Shinji Kagawa. Obwohl sportlich nur noch ein Schatten vergangener Tage, blieb der Dortmunder Star unerreicht. Bis jetzt.

Großer Andrang bei Fortuna-Autogramstunde FOTO: Falk Janning

Haraguchi und Usami sind zwar auch keine Kagawas, doch sie sind im Grunde viel mehr als das: Sie sind eigene Persönlichkeiten, die in der Düsseldorfer Fanszene äußerst beliebt sind. Zwar waren an jenem Nachmittag Ende Februar die allermeisten Anhänger, die mehr als eine Stunde lang geduldig auf einen Schriftzug der beiden und den des daneben sitzenden Nachwuchsspielers Justin Kinjo warteten, selbst Japaner. Doch beileibe nicht alle.

Das Duo überzeugt durch Leistung. "Die beiden tun uns unheimlich gut", sagt Trainer Friedhelm Funkel, und Torjäger Rouwen Hennings ergänzt: "Taka und Genki sind so gefährlich, dass sich die gegnerischen Abwehrreihen sehr auf sie konzentrieren müssen. Das schafft Räume für uns alle." Auszuschalten sind die Asiaten trotz oft doppelter Bewachung dennoch nicht. Usami war in den jüngsten vier Ligaspielen jedes Mal unter den Torschützen, und seine bislang sechs Saisontreffer waren bereits für neun Punkte gut. Weitere sollen morgen hinzukommen, wenn Fortuna um 18.30 Uhr Arminia Bielefeld in der Arena empfängt. Und unabhängig vom Ergebnis wird anschließend wieder eine ganze Schar japanischer Journalisten die beiden Stars belagern.

Dabei galt Usami bis vor kurzem noch als ewiges Talent, als schlampiges Genie, das aus seinen starken Anlagen viel zu wenig macht. "Dass Taka beim FC Bayern München nicht den Durchbruch schaffte, ist normal", erklärt Funkel. "Das war für ihn einfach eine Nummer zu groß. Aber in Hoffenheim und Augsburg hätte er es packen müssen. Es lag an ihm, dass es nicht geklappt hat." Auch Funkel bemängelte oft Usamis mangelnden Trainingsfleiß, den fehlenden Willen, unbedingt Großes erreichen zu wollen.

Fortuna trainiert Spiel über die Flügel FOTO: Falk Janning

Bis Haraguchi kam. "Es war ganz wichtig, dass wir die Möglichkeit ergriffen haben, uns in der Winterpause mit Genki noch einmal zu verstärken", betont der Trainer. "Wir sind dadurch in der Offensive noch schwerer auszurechnen. Wenn Genki an den Ball kommt, hat man immer das Gefühl: Gleich kann etwas passieren." Vor allem mit Usami. Seit sein 26-jähriger Landsmann auf Leihbasis von Hertha BSC nach Düsseldorf kam, blüht der fast auf den Tag genau ein Jahr jüngere Rechtsaußen auf. "Ich bin sicher, dass Genki dafür verantwortlich ist", sagt Funkel.

Dabei ist es nicht einmal so, dass die beiden bei Fortuna eine geschlossene Gesellschaft bilden. "Die Jungs sind irre gut und voll integriert", versichert Kapitän Oliver Fink, und das spürt man auch im Umfeld der Spiele. Als Haraguchi gegen St. Pauli ausgewechselt war, sprang er angesichts der knappen 2:1-Führung vor der Bank herum wie das bekannte "HB-Männchen", feuerte alle an. Und als die Mannschaft am Sonntag nach dem Derbysieg in Duisburg zum Feiern in die Gästekurve ging, lief Usami erst einmal zu dem ausgepumpt auf dem Rasen sitzenden Davor Lovren und drückte den 19-jährigen Kroaten herzlich. "Davors Vorlage", sagte Usami hinterher, "war einfach unglaublich."

Im Sommer wollen Haraguchi und er gemeinsam für Japan bei der WM in Russland spielen. Die Chance darauf ist größer als ein gemeinsamer Verbleib bei Fortuna, denn beide sind nur bis Ende Juni ausgeliehen. Am Donnerstag kamen beide ihrem großen sportlichen Traum ein Stückchen näher. Das Duo wurde in den Kader der Nationalmannschaft berufen. Am 23. März trifft Japan auf Mali und am 27. März auf die Ukraine.

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Bei Usami darf Fortuna hoffen, da ein großer japanischer Reifenhersteller bei seinen Transferrechten ein Wörtchen mitredet und der abgebende Verein FC Augsburg nicht gerade ein Global Player ist. Aber Haraguchi und Hertha BSC?

Da muss Robert Schäfer, Fortuna Düsseldorfs Vorstandsvorsitzender, schon sehr kreativ werden. Versuchen wird er es gewiss.

Quelle: RP
 
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