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Trauer um Fortuna-Legende
"Matthes" Mauritz, ein sportliches Multitalent

Trauer um Fortuna-Legende: "Matthes" Mauritz, ein sportliches Multitalent
Matthias "Matthes" Mauritz war ein sportlicher Tausendsassa. In der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (links oben) debütierte er noch als 34-Jähriger. Außerdem war er Leichtathlet, Hockey- und Tennisspieler (links unten). Bei Fortuna Düsseldorf war er der Spieler mit den meisten Einsätzen für die erste Mannschaft und gehörte 71 Jahre als Mitglied dem Verein an. FOTO: Horstmüller
Düsseldorf. "Matthes" Mauritz ist tot. Die Klub-Legende von Fortuna Düsseldorf verstarb am Montag im Alter von 92 Jahren. Eine persönlich gefärbte Würdigung von Ulf May.

Als sich Matthias Mauritz vor wenigen Tagen für die Glückwünsche zum 92. Geburtstag bedankte, da sprudelte es aus ihm heraus. Wie immer. Ereignisse aus seinem schier endlosen Sportlerleben sprach er an, die er niemandem anvertraut hatte; das Zuschaufeln von Bombenkratern, um Fußball spielen zu können, und andere lesenswerte Geschichten wollte er mir erzählen.

Die Redaktion war begeistert, wir wollten uns treffen, "irgendwo gemütlich sitzen und Kaffee trinken", schlug er vor. Obwohl er seit Jahren Pflegefall war, den seine Frau Marianne mit liebevoller Zuwendung und starker Logistik stemmte, kümmerten sich viele Freunde immer noch intensiv darum, dass er nicht ans Haus gefesselt blieb. Matthias Mauritz, den jeder immer nur "Matthes" nannte, hätte sich – so der Plan – noch einmal in einer sicher wieder umfangreichen Geschichte hier wiedergefunden. Dass nun statt dessen der Nachruf erscheint, tut allen weh, die ihn kannten. Nicht nur bei der Fortuna, mit der ihn die meisten Schlagzeilen verbanden. Deren Zweitliga-Heimspiel gegen Dresden erlebte er noch live mit; der Freitagbesuch war geplant, am Montagabend starb er.

FOTO: HORSTMÜLLER GmbH

In den letzten Tagen sei es ziemlich schnell bergab mit ihrem "Matthes" gegangen, erzählt seine Ehefrau, mit der er 55 Jahre verheiratet war. Nach einem Sturz zu Hause begann er ein wenig die geistige Orientierung zu verlieren. Das fiel um so mehr auf, als er sich bis dahin eine bewundernswerte Frische bewahrt hatte. Seine Weggefährten und Freunde schätzten seine Gesellschaft, mochten ihn wegen seiner Aufrichtigkeit, gepaart mit Herzlichkeit und Humor. Sie kannten und liebten seine Geschichten, hörten gern zu, wenn er Witze erzählte.

Sie alle wussten, dass solche sportlichen Talente wie Mauritz nur alle Jubeljahre geboren werden. Mit 16 war er mit dem DSC 99 Deutscher Jugendmeister im Hockey geworden, seine erste wahre Leidenschaft wurde Tennis. Vom Titel des Verbandes Niederrhein bis zur Europameisterschaft bei den Senioren lieferte seine lange Laufbahn Höhepunkte ohne Ende. Und ja – der Fußball! Und die Fortuna!

FOTO: HORSTMUELLER GmbH

Mauritz spielte noch mit Größen aus Fortunas 1933er Meistermannschaft zusammen und schaffte es schließlich sogar noch ins Nationalteam, wo er mit 34 Jahren über seinen Tod hinaus der älteste Debütant war. Der Einsatz beim A-Länderspiel gegen Polen im Mai 1959 war Sepp Herbergers Dank für Mauritz' Dienste in der Amateurmannschaft des DFB bei Olympia 1952 in Helsinki und 1956 in Melbourne.

Amateur war Bäckermeister Mauritz geblieben, weil er sonst mit dem Profi-Status an Tennisturnieren und -meisterschaften nicht mehr hätte teilnehmen dürfen. Ja, Tennis war mal Amateursport. Offiziell zumindest. Es war auch so ein Thema, zu dem "Matthes" Mauritz manche Anekdote erzählen konnte. Sein prall gefülltes (Sportler-)Leben gab schon immer mehr als nur eine lesenswerte Geschichte her. Ich hätte gerne nochmal zugehört.

Ulf May war Sportredakteur der Rheinischen Post von 1963 bis 2003.

Quelle: RP
 
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