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Fortuna Düsseldorf
Ultras im Machtkampf mit Alt-Hooligans

Fortuna Düsseldorf: Ultras im Machtkampf mit Alt-Hooligans
Fortunas Vorsänger Niko wurde zusammengeschlagen und bedroht. FOTO: rpo, Falk Janning
Düsseldorf. Fortunas streitbare Fangruppe nimmt sich eine Auszeit, die Mannschaft soll aber weiter unterstützt werden. Von Bernd Jolitz und Peter Böttner

Kaum eine andere Fangruppe hat in den vergangenen Jahren die Stimmung in der Düsseldorfer Arena so geprägt wie die Ultras. Das müssen selbst diejenigen zugeben, die keine Freunde der streitbaren Bewegung sind. Deshalb macht die Meldung, die die Ultras jetzt auf ihrer Homepage veröffentlichten, viele Anhänger des Fußball-Bundesligisten Fortuna nachdenklich. Kernpunkt ist der Beschluss, "bis auf weiteres unsere organisierten Gruppenaktivitäten im Stadion einzustellen".

Dies sei ausdrücklich keine Fortsetzung des 12:12-Boykotts, mit dem die Ultras gemeinsam mit anderen Fangruppen gegen das Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball Liga protestierten. "Im Gegenteil: Selbstverständlich werden wir als Einzelpersonen und Fortunafans die Spiele unserer Mannschaft weiterhin besuchen und diese auch wieder bestmöglich - allerdings ohne Vorsänger - unterstützen", heißt es weiter. Auch die Ultras-Fahne wird vorläufig nicht mehr in der Arena zu sehen sein.

Wie unsere Redaktion aus Ultra-Kreisen erfuhr, steckt hinter der Auszeit ein Machtkampf in der Fankurve. In den vergangenen Monaten ist es immer wieder zu Konfrontationen zwischen den Ultras und älteren, oftmals gewaltbereiten Anhängern gekommen, die nach längerer Abwesenheit im Zuge des sportlichen Erfolgs ins Stadion zurückkehrten. Unter anderem wurde Ultras-Vorsänger Niko beim Auswärtsspiel in Mainz zusammengeschlagen und in der Folge mehrfach per SMS massiv bedroht, weshalb er das Megafon auch niederlegte.

Welche Folgen der zumindest zeitweilige Rückzug der lautstärksten Fangruppe für die Stimmung in der Arena haben wird, ist noch offen. "Wir sind gerade dabei, das gemeinsam mit den Ultras zu erörtern", sagt Fortunas Vorstandsmitglied Sven Mühlenbeck. "Nach unseren Informationen werden sie unsere Mannschaft weiterhin anfeuern, nur eben als Einzelpersonen und ohne Vorsänger." Ob sich damit die gleiche Intensität erzeugen lässt, de facto ein Anstoß für die ganze Arena gegeben werden kann, ist eher fraglich.

"Die Sache hat sich lange angebahnt", verrät ein Ultra-Mitglied. "Im Grunde hätten wir schon vor zwei Jahren handeln müssen. Es ist auch keine kurzfristige Geschichte, das kann dauern." Bei aller, sicher auch berechtigten, Kritik an manchen Ultra-Aktionen der Vergangenheit ist bedenklich, dass ausgerechnet Gewalt und Gewaltandrohungen von Alt-Hooligans die Umstrukturierung der Szene anregten. Die Auflösung der Ultras, die einige Beobachter für möglich hielten, steht nach ihrer eigenen Ankündigung nicht zur Debatte: "Wir hoffen, dass wir gestärkt aus unserer Schaffenspause hervorgehen und dass wir alle unser Team im wichtigen Spiel gegen Augsburg zum Sieg schreien können."

(can/csr/seeg/rm)
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