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Fortuna Düsseldorf
Wann reißt der Geduldsfaden?

Kramer tröstet enttäuschten Bebou
Kramer tröstet enttäuschten Bebou FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Fortuna Düsseldorf ist siegloser Letzter der 2. Bundesliga. Kein schöner Anblick in der zweiwöchigen Länderspielpause – für Fans, Vorstand, Aufsichtsrat und Sponsoren. Trotzdem wird offenbar niemand nervös. Von Matthias Goergens

Der Schulterschluss von Fortunas Fans mit der Mannschaft nach dem 0:1 beim 1. FC Nürnberg war durchaus bemerkenswert. Aber was ist er wert, wenn nach der Länderspielpause in anderthalb Wochen keine wirkliche Verbesserung eintritt beim Fußball-Zweitligisten? Niemand mag wohl festlegen, ob die Situation nach dem achten, neunten oder zehnten Spieltag bewertet werden sollte, ob Trainer Frank Kramer bis zur Winterpause Zeit bekommt. Aber wie strapazierfähig ist der Geduldsfaden tatsächlich? Wir haben eine (Zer-)Reißprobe gemacht:

  • Trainer

 "Ich bin ein ungeduldiger Mensch und muss mich da selbst ein wenig einfangen", sagt Fortuna-Trainer Frank Kramer. Schließlich soll sich die Mannschaft für die tägliche Arbeit endlich auch belohnen, den Fans Siege schenken und nicht nur gute Leistungen, die "honoriert" werden. Er sei weit davon entfernt, die Geduld zu verlieren, sagt Kramer. "Aber wir müssen die Sinne bei allen schärfen und an der Situation wachsen."

  • Vorstand

 Die bittere Realität mit der Platzierung am Tabellenende schmeckt auch dem Fortuna-Präsidium nicht. "Am Ende ist Fußball ein Ergebnissport", sagt Präsident Dirk Kall. Ausreichend Geduld sei aber nach wie vor vorhanden, sagt Kall: "Wenn wir jetzt eine Frist setzen würden, wäre das doch der Anfang vom Ende. Wir glauben an den Weg des Umbruchs, auch wenn er im Moment schwieriger erscheint, als gedacht."

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  • Aufsichtsrat

Im neunköpfigen Gremium wird die sportliche Situation mit Trainer und Vorstand regelmäßig besprochen. "Wir fänden es alle schöner, wenn der personelle Umbruch einfacher laufen würde", sagt Aufsichtsratschef Marcel Kronenberg. Dass der Geduldsfaden irgendwann reißt, denkt er nicht. "Den sehe ich als sehr stabil an." Zumal die jüngere Vergangenheit gezeigt habe, dass hektisches Handeln nicht zu nachhaltigem Erfolg geführt hatten. "Wir haben volles Vertrauen in das Trainerteam und gehen davon aus, dass sie mittelfristig das Team in die Spur bringen."

  • Fans

Der Beifall nach den Niederlagen war kein Zufall. Kramer und Manager Rachid Azzouzi hatten verschiedenen Fangruppen ihre Pläne für die Zukunft vor der Saison erläutert. "Dem neuen Team wollen die Fans eine faire Chance geben", sagt Dominik Hoffmeyer, "Leiter Fanangelegenheiten". Dass mit den Ergebnissen niemand zufrieden ist, sei klar. "Aber wenn die Zuschauer auf den Rängen spüren, dass die Mannschaft kämpft und den Erfolg will, dann haben sie auch Geduld."

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  • Sponsoren

 Wer Geld gibt, möchte Leistung und Erfolge sehen. Trotz des miserablen Starts herrscht in den Reihen der Sponsoren offenbar noch Gelassenheit. So wie im "Club95", in dem bei der Fortuna rund 100 klein- und mittelständische Unternehmer pro Saison jeweils einen hohen vierstelligen Betrag leisten - irgendwo zwischen Fan und Sponsor also. "Jetzt haben wir in Frank Kramer mal einen Konzepttrainer, und jetzt müssen wir ihm Zeit geben", sagt ein Mitglied, das namentlich nicht genannt werden möchte. "Was soll ein schneller Trainerwechsel danach auch besser machen?"

Quelle: RP
 
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