DFB-Frauen zählen auf Psychologen: Das letzte Wort hat ein Mann
zuletzt aktualisiert: 03.09.2009 - 10:03Lahti (RPO). Die taktische Route bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Frauen gibt mit Trainerin Silvia Neid eine Frau vor. Die letzten Worte vor der Partie gehören aber einem Mann. Arno Schimpf schwört die Fußballerinnen auf jede Partie ein. So auch am Freitag in Lahti, wenn es gegen Italien um den Einzug ins EM-Halbfinale geht (15 Uhr/Live-Ticker)
"Er hält vor den Spielen die Ansprache in der Kabine bevor wir rausgehen. Das macht er unglaublich gut", sagt DFB-Trainerin Silvia Neid und beschreibt einen entscheidenden Teil der Arbeit des Psychologen, der aus dem Betreuerstab des Welt- und Europameisters mittlerweile nicht mehr wegzudenken ist.
"Es fühlt sich gut an, dass er dabei ist", sagt Spielmacherin Linda Bresonik über den Sport- und Trainingswissenschaftler, der für die 25-Jährige und ihre Teamkolleginnen immer ein offenes Ohr hat: "Man kann sich einfach locker mit ihm unterhalten. Es gibt manchmal eben Dinge, die man nicht mit der Trainerin besprechen will. Da ist Arno der bessere Anprechpartner, denn das sind einfach andere Gepräche als mit der Cheftrainerin."
Die Trainerin selbst hat mit dem Vertrauensverhältnis zwischen ihren Schützlingen und Schimpf keine Probleme. Ganz im Gegenteil. "Ich bitte ihn selbst darum, mit der ein oder anderen Spielerin zu sprechen, wenn mir etwas auffällt", äußert Neid: "Er kann Ratschläge geben, er ist absoluter Spezialist. Und ich brauche Spezialisten in meinem Team, denn eine Person kann das nicht mehr alles alleine machen."
Die Arbeit von Spezialisten im mittlerweile stark erweiterten Betreuerteam spielt für Neid ohnehin eine große Rolle. "Es ist mir wichtig, den Spielerinnen das Bestmögliche zu bieten. Nur so können sich die Spielerinnen weiterentwickeln und nur so kann ich auch das Optimum von ihnen einfordern", erklärt die 45-Jährige.
Um bei der Europameisterschaft das Optimale zu erreichen und den Titel erfolgreich zu verteidigen, hatte Schimpf bereits in den zwei Monaten der EM-Vorbereitung großen Einfluss auf die Arbeit mit den Spielerinnen. Der Psychologe war für die Planung und Durchführung der im Fußball mittlerweile zum Standard gehörenden teambildenden Maßnahmen zuständig.
Ob Spinning auf dem Fahrrad, Fechten in Tauberbischofsheim oder gemeinsames Kochen - all diese im EM-Vorfeld durchgeführten Gemeinschafsaktivitäten hält Schimpf im Mannschaftssport für extrem wichtig. "Durch diese Aktionen sollen die Spielerinnen lernen, dass sie sich auf die anderen verlassen können", erläutert der in Edingen wohnende Kurpfälzer.
Der Erfolg gibt Schimpf recht. Schließlich betreut der Doktor auch die deutschen Hockey-Olympiasieger und den achtmaligen Weltmeister Thomas Lurz (Langstreckenschwimmen). Ob Schimpf bei seiner Arbeit mit den deutschen Fußballerinnen eine ähnlich erfolgreiche Wirkung erzielen kann, will der Psychologe aber nicht prognostizieren.
"Das variiert von Fall zu Fall", sagt Schimpf, der auch im Hinblick auf die WM 2011 in Deutschland selbst auf die Ergebnisse gespannt ist. Sollten die Resultate positiv ausfallen, wird der Wissenschaftler die DFB-Frauen bis zur Weltmeisterschaft im eigenen Land begleiten.
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