| 22.47 Uhr

2:0 gegen Russland
Deutschland zieht glanzlos ins EM-Viertelfinale ein

Deutschland bezwingt Russland mit 2:0
Deutschland bezwingt Russland mit 2:0 FOTO: afp
Die deutschen Fußballerinnen haben ihre Pflicht erfüllt und sind wie erwartet ins Viertelfinale der EM in den Niederlanden eingezogen. Dank zweier verwandelter Foulelfmeter von Babett Peter (10. Minute) und Dzsenifer Marozsan (56.) setzte sich das Team von Bundestrainerin Steffi Jones zum Vorrundenabschluss mit 2:0 (1:0) gegen Russland durch. Von Gianni Costa

Utrecht Inka Grings schlendert durch die Innenstadt von Utrecht. Für sie ist die Endrunde der Frauenfußball-Europameisterschaft in den Niederlanden so eine Art Bildungsreise. Zur neuen Saison übernimmt sie die männliche B-Jugend des FC Viktoria Köln, zuvor hat sie bei den Damen den FCR Duisburg betreut.

"Es war immer mein Ziel, diesen Schritt zu gehen", sagt die mit 353 Treffern erfolgreichste Angreiferin im deutschen Vereinsfußball. Der Nationalmannschaft fehlt derzeit eine wie sie. Die Offensivabteilung ist noch immer nicht auf Betriebstemperatur bei dieser EM gekommen. Gegen Russland reichte es im letzten Spiel der Gruppe B am Ende zu einem 2:0. Im Viertelfinale trifft Deutschland am Samstag in Rotterdam nun auf Dänemark.

"Es ist eine junge, talentierte Mannschaft", befindet die 38-Jährige. "Sie braucht einfach noch Zeit, um sich zu finden. Diese EM kommt vermutlich noch etwas zu früh." In den ersten beiden Begegnungen gegen Schweden (0:0) und Italien (2:1) war vom angekündigten neuen Schwung im Spiel der DFB-Auswahl jedenfalls herzlich wenig zu sehen. Bundestrainerin Steffi Jones wollte mit Ballbesitzfußball nicht nur erfolgreich, sondern vor allem ansehnlich die Partien absolvieren.

Will Jones vielleicht zu viel auf einmal? Überfordert sie ihre Spielerinnen mit zu komplizierten taktischen Ausrichtungen? "Nein, das ist ja jetzt auch alles keine Zauberei", sagt die gebürtige Düsseldorferin. "Ich finde gut, dass Steffi Jones so viel persönlichen Ehrgeiz einbringt. Nicht einfach nur verwaltet, sondern neue Impulse einbringt. Wer in der Nationalmannschaft spielt, der sollte wissen, wie man mit Druck umgeht." Man kann das durchaus als Kritik an den sogenannten Führungsspielerinnen im Team verstehen, die bisher nicht mit Nachdruck in Erscheinung getreten sind.

Gegen die Russinnen hat sich Deutschland immerhin deutlich steigern können. Es war auch diesmal keine Offenbarung in der Offensive, aber die Versuche waren deutlich erkennbar, im Stadion Galgenwaard vor magerer Kulisse spielerische Lösungen zu finden. Doch auch diesmal mangelte es über weite Strecken an Effektivität, an Leichtigkeit und auch Glück. Jones hat personell nur leichtere Veränderungen vorgenommen. Die zuvor lange verletzte Mittelfeldakteurin Lena Goeßling rotierte für Verteidigerin Josephine Henning, der eine Gelbsperre drohte, in die Defensive.

Die bislang unglücklich agierende Stürmerin Mandy Islacker (FC Bayern München) bekam eine weitere Chance von Beginn an. Die Torjägerin hatte bislang viel Pech im Abschluss und konnte auch gegen Russland ihre Durststrecke nicht beenden – sie wurde nach dem ersten Durchgang ausgewechselt. Und auch Anja Mittag blieb ein Torerfolg verwehrt – ein Kopfballtreffer von ihr wurde wegen einer angeblichen Abseitsposition von der Schiedsrichterin fälschlicherweise abgepfiffen. "Bislang war die Offensive null effektiv. Da müssen die Führungsspielerinnen einfach mehr bringen", sagt Grings. "Anja Mittag, Dzsenifer Marozsán und Babett Peter müssen einfach noch ein, zwei Schippen drauf legen, sonst wird es ein kurzes Turnier."

Immerhin übernahmen Peter und Marozsán Verantwortung. Peter verwandelte den ersten Elfmeter sicher zur Führung (10.). Die russische Innenverteidigerin Daria Makarenko hatte etwas zu offensichtlich Islacker niedergerungen. Marozsán trat im zweiten Durchgang vom Punkt aus an und traf ebenfalls, nachdem Sara Däbritz im Strafraum am Trikot gehalten worden war. Es war fortan nicht so, dass Deutschland um den Erfolg zittern musste. Überzeugend war aber auch dieser Auftritt nicht. "Auf diesem Niveau darfst du dich nicht ausruhen", sagt Grings. "Es ist noch viel Luft nach oben."

 
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