Interview vor dem großen Finale: Grings: "Unser Team hat Charakter"
zuletzt aktualisiert: 10.09.2009 - 13:08Tampere (RP). Inka Grings, 30, Angreiferin der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, spricht vor dem heutigen EM-Finale gegen England über die Dominanz der DFB-Auswahl und Trost für Birgit Prinz.
Frau Grings, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist seit 25 Partien bei einer EM ungeschlagen. Ist die DFB-Auswahl so stark oder die europäische Konkurrenz so schwach?
Grings Von beidem vermutlich ein wenig. Die Entwicklung in Deutschland ist wirklich beeindruckend. Es gibt überall in den Bundesligavereinen immer professionellere Strukturen. Das spiegelt sich dann auch in den Leistungen der Nationalmannschaft wider. Das alles spricht für den deutschen Frauen-Fußball. Woanders sieht es offensichtlich ein wenig anders aus. Ein paar Nationen sind einfach noch nicht so weit. Das ist natürlich für den Sport unglücklich.
Im Halbfinale gegen Norwegen geriet Deutschland erstmals im Turnier überhaupt in einen Rückstand. Gab es zwischendurch Gedanken, diesmal könnte es vielleicht nicht mit dem Finaleinzug klappen?
Grings Nein. Du stehst da draußen auf dem Platz mit der Überzeugung, das Ding möglicherweise noch in der Schluss-Sekunde zu drehen. Glücklicherweise hat es ja schon etwas früher geklappt. Es war sicher nicht unser stärkstes Spiel, aber ich muss schon den Hut vor der Mannschaft ziehen, was sie für einen Charakter gezeigt hat. Wenn alle davon ausgehen, dass du gewinnst, ist es nicht immer so einfach, die Erwartungen zu erfüllen. Auf der anderen Seite stehen keine Pappkameraden. Niemand verliert bei einer EM freiwillig.
Für Sie läuft ebenfalls alles nach Plan – mit vier Treffern sind Sie bislang die erfolgreichste Torschützin.
Grings Ich würde mich auch nicht dagegen wehren, wenn das so bleibt. Ich konnte den Schwung von meinem Heimatverein FCR Duisburg zur Nationalmannschaft mitnehmen. Ich habe einfach einen Lauf. Solche Phasen musst du als Stürmerin genießen und versuchen, das Beste rauszuholen.
Birgit Prinz, Ihre Arbeitskollegin in der Offensivabteilung, wartet noch auf ihren ersten Treffer. Sind Sie derzeit vor allem auch als Seelentrösterin gefragt?
Grings Klar versuche ich Birgit Zuspruch zu geben, aber es ist jetzt nicht so, dass sie in meinen Armen liegt und nur den ganzen Tag traurig ist. Birgit arbeitet unheimlich hart für das Team. Ich würde ihr einfach wünschen, wenn sie im Endspiel einen Treffer macht.
Im Team gehören Sie mit Ihren 30 Jahren zu den "erfahrenen" Spielerinnen.
Grings (lacht) Sie können ruhig sagen zu den älteren Spielerinnen.
Okay, führen Erfahrung und Alter denn manchmal dazu, dass Sie sich fragen, über was kichern die Jüngeren denn gerade?
Grings So alt bin ich jetzt aber auch noch nicht. Nee, also wir haben wirklich eine gute Mischung in der Mannschaft. Es ist eigentlich noch nie vorgekommen, dass wir uns angesehen haben und nichts zu quatschen hatten. Sie können also ganz beruhigt sein, bei uns gibt es keinen Generationenkonflikt.
Was sind noch die Karriereziele der Fußballerin Inka Grings?
Grings Im Prinzip geht es darum, in jedem Spiel optimale Leistung abzuliefern. Mein ganz großes Ziel ist die Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land. Dazu müssen aber alle Voraussetzungen stimmen und ich muss absolut topfit sein. Sie haben es ja angesprochen, ich bin eben nicht mehr die Jüngste. Das wäre dennoch ein grandioser Abschluss für mich.
Wie bereiten Sie sich aufs Finale vor? Haben Sie bestimmte Rituale?
Grings Definitiv, ich bin ein verdammt abergläubischer Mensch. Ich ziehe immer den gleichen Sport-BH an, sitze immer auf dem gleichen Platz im Bus und höre immer Musik. Kleine Macken hat doch jeder.
Gianni Costa führte das Gespräch.
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