Der deutsche EM-Star: Inka Grings und das späte Glück
VON RALF GROSCHOPP - zuletzt aktualisiert: 11.09.2009 - 14:20Düsseldorf (RPO). Europameisterin 2009, Torschützenkönigin des Turniers und die Aufstellung eines neuen Torrekordes, beste Spielerin der Titelkämpfe in Finnland! Was für ein Fußball-Sommer für Inka Grings. Die Stürmerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angelangt. Wer ist diese Inka Grings, die ihre Karriere beim Düsseldorfer Klub TSV Eller 04 begann und nun die Fußballwelt ins Staunen versetzt?
Hinter dem spielerisch leichten Auftritt der vergangenen Wochen und Monate verbirgt sich ein steiniger Weg. Nicht immer spielte Grings auf der Sonnenseite des Lebens. Die 30-Jährige musste in ihrer immer neue Rückschläge verkraften. Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Ihr Weg führte sie von Eller zum Garather SV. 1995 unterschrieb sie dann beim FCR Duisburg, dem sie bis heute treu geblieben ist.
Dreierpack zur Premiere
1996, im Alter von nur 17 Jahren, absolvierte Grings beim 6:0 gegen Finnland ihr erstes Länderspiel im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Auf ihr erstes Tor im Dress mit dem Bundesadler musste sie allerdings noch zwei Jahre warten. Im Mai 1998 erzielte sie gegen Neuseeland (8:0) gleich ein Dreierpack und gehörte mittlerweile zum festen Stamm der deutschen Auswahl.
Doch während die Medaillen-Sammlungen ihrer Teamkolleginnen in den kommenden Jahren utopische Ausmaße annahm, musste Grings auf zahlreiche internationale Erfolge verzichten. Der Europameistertitel 2005 blieb für lange Zeit das einzige Highlight. Das Schicksal hatte es nicht immer gut mit ihr gemeint.
Rücktritt vom Rücktritt
Bei der EM 1997 war der deutsche Kader zu groß. Eine Spielerin musste zuhause bleiben - es traf Inka Grings. Bei der Weltmeisterschaft 1999 war sie dann wieder dabei, doch die deutsche Elf ging in den USA leer aus. Die EM 2001 sollte die Kehrtwende für die Angreiferin bedeuten. Aber Beginn einer nicht enden wollenden Verletzungsmisere setzte Grings außer Gefecht. Nach einer Meniskus-OP verpasste sie das Turnier im eigenen Land. Die WM 2003 musste sie wegen einer Verletzung während des Vorbereitungslehrgangs absagen.
Ihren bisher größten Rückschlag erlitt die Nationalspielerin im Jahr 2004. Im Vorfeld der Olympischen Spiele zog sie sich einen Kreuzbandriss zu und spielte schon mit dem Gedanken ihre Karriere zu beenden. Es folgte ein Zwist mit der Bundestrainerin Silvia Neid und ihr Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Doch Grings wagte den Rücktritt vom Rücktritt. Nach einem Friedensgipfel feierte sie im Februar 2009 nach mehr als dreijähriger Abstinenz ihr Comeback im deutschen Dress und erzielte gleich im ersten Spiel gegen China einen Treffer. Der Auftakt zum erfolgreichsten Jahr ihrer Karriere.
"Will noch eine Schippe drauf legen"
In der Bundesliga sicherte sie sich die Torjägerkanone. Im Mai holte sie mit dem FCR Duisburg 2001 innerhalb einer Woche den Uefa-Cup und anschließend den DFB-Pokal an den Rhein. Der Höhepunkt folgte allerdings erst jetzt mit dem EM-Titel in Finnland und einer sensationellen Turnierleistung von Grings. Die 30-Jährige erzielte so viele Endrundentreffer wie keine Spielerin zuvor. Sechs Mal setzte sie den gegnerischen Teams das Leder in die Maschen und wurde darauf hin zur besten Spielerin des Turniers in Finnland gekürt. Schon 2005 war sie Torschützenkönigin der EM geworden.
Mit der mehrfachen Weltfußballerin Birgit Prinz bildet sie nun eines der, wenn nicht das gefährlichste Sturm-Duo der Welt. Weitere Erfolge nicht ausgeschlossen! Grings will nun mehr: "Es lief alles sehr gut für mich nach meiner Rückkehr in die Nationalmannschaft. Wenn man alles zusammenzählt, lief es sogar noch nie besser für mich. Für mich ist das aber auch ein Ansporn für die WM 2011. Dort will ich noch eine Schippe drauflegen und diesen Erfolg bestätigen", sagte sie nach der EM im Gespräch.
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