| 16.52 Uhr

Frauenfußball-Nationalmannschaft
Endspiel für Steffi Jones – die Baustellen der Bundestrainerin

Das ist Steffi Jones
Das ist Steffi Jones FOTO: dpa, shp hae nic
Es ist "nur" ein Testspiel gegen Frankreich, doch für Steffi Jones geht es am Freitag (17.55 Uhr/ARD) in Bielefeld um ihren Job. Warum steht die 44-Jährige dreieinhalb Monate nach ihrer Vertragsverlängerung auf der Kippe? Die Kernprobleme der wackelnden Bundestrainerin.

Perspektive: Nach dem Viertelfinal-Aus bei der EM erhielt Jones eine zweite Chance. Doch der proklamierte Neustart führte schnurstracks in die Krise. Einem standesgemäßen 6:0 gegen drittklassige Sloweninnen folgte in der WM-Qualifikation ein erschreckend schwaches 1:0 in Tschechien. Durch die anschließende 2:3-Heimpleite gegen Island ist sogar die Teilnahme an der Endrunde in Gefahr geraten. Auch das 11:0 gegen den Fußball-Zwerg Färöer konnte DFB-Präsident Reinhard Grindel nicht von einem Ultimatum abbringen: Gegen den WM-Gastgeber Frankreich muss eine Leistungssteigerung her, denn der Vertrauensvorschuss ist aufgebraucht. Der zweimalige Welt- und achtmalige Europameister kann schlichtweg nicht mit Zweifeln ins kommende Jahr gehen. Die WM und damit auch Olympia zu verpassen, wäre für den deutschen Frauenfußball der Super-GAU.

Philosophie: Bei ihrem ersten Job als Cheftrainerin wollte Jones nach der langen Ära Silvia Neid ihre eigene Handschrift kenntlich machen. Offensiver Ballbesitzfußball war das ausgemachte Ziel, mehr Dominanz und Flexibilität - nach guten Ansätzen in den ersten Spielen unter Jones ist fast nichts mehr davon zu erkennen. Zunächst setzte Jones für ihre Spielidee in einem 4-4-2-System auf eine Mittelfeldraute, gab diese nach der missratenen EM aber auf. Ein roter Faden war in den letzten Spielen, ob mit flachem 4-4-2 oder dem Neid-typischen 4-2-3-1, nicht zu sehen. Im Gegenteil: Gegen Kontrahenten mit cleverem Pressing (Tschechien, Island) wirkte das DFB-Team mit all seinen kreativen und ballsicheren Spielerinnen verunsichert und planlos, dazu in der Defensive anfällig.

Personal: Mit ständigen Personaländerungen ohne Not brachte Jones ihr Team mit zahlreichen unerfahrenen Spielerinnen bereits bei der EM aus dem Rhythmus. Anschließend gelobte sie Besserung - um ausgerechnet im wichtigsten Qualifikationsspiel gegen Island im Tor zu rotieren. Statt der etatmäßigen Nummer eins Almuth Schult wurde Laura Benkarth für gute Leistungen belohnt. Die Freiburgerin patzte, Deutschland verlor erstmals seit 19 Jahren ein WM-Qualifikationsspiel. Für ihr Endspiel gegen Frankreich verzichtete Jones nun unerwartet auf die erfahrene Lena Goeßling. Die 31-Jährige, die als gebürtige Bielefelderin von den DFB-Werbeplakaten für das Länderspiel lächelt und beim deutschen Meister VfL Wolfsburg nach wie vor Leistungsträgerin ist, warf ihr daraufhin öffentlich Respektlosigkeit vor. Auch angesichts von akuten Verletzungssorgen im Mittelfeld dürfte Jones diesen Schritt mittlerweile bereuen.

Peitsche: Nicht erst seit ihrer Arbeit als OK-Chefin der Frauen-WM 2011 galt Jones als große Sympathieträgerin und Aushängeschild des deutschen Frauenfußballs. Auch als Chefin im Nationalteam setzte sie stets auf eine lockere Atmosphäre, gab ihren Spielerinnen vor der EM boulevard-wirksame Comic-Spitznamen, auch im Training wurde deutlich mehr gescherzt und gelacht als unter Neid. Nach der EM die Kehrtwende: Jones kündigte an, die "Leine künftig kürzer zu halten" und will notfalls noch härter durchgreifen ("Ich kann auch noch mehr Peitsche"). Authentisch kommt diese neue Tonart nicht rüber.

(sid)
 
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