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Frauen-EM 2017
Jones nimmt Mannschaft in Schutz

Das ist Steffi Jones
Das ist Steffi Jones FOTO: dpa, shp hae nic
Sint-Michielsgestel. Hält die Offensivschwäche der deutschen Fußball-Frauen bei der EM auch in der K.o.-Phase an, wird es kaum etwas mit dem erhofften Titel. Vor dem Viertelfinale gegen Dänemark am Samstag blockt Bundestrainerin Steffi Jones die aufkommende Kritik erst mal ab.

Mit Druck kann Steffi Jones umgehen. "Ich bin 1,80 m groß und habe 80 Kilo. Ihr könnt davon ausgehen, dass ich ein dickes Fell habe", gab die Fußball-Bundestrainerin auf der Pressekonferenz zwei Tage vor dem EM-Viertelfinale gegen Dänemark lässig zu Protokoll. Viel mehr als die öffentliche Erwartungshaltung wurmt die 44-Jährige bei ihrem ersten großen Turnier als Chefin der Blick in die Zeitungen.

Vor der im EM-Teamcamp versammelten Presse nahm die frühere Innenverteidigerin ihr Team gegen "sehr schwarz-weiße" Kritik an der schwächelnden Offensive in Schutz und wehrte sich gegen Schönfärberei-Vorwürfe. "Wir liegen nicht da, umarmen uns ständig, sonnen uns, haben die rosarote Brille auf und glauben, dass alles schön ist", sagte Jones sachlich, aber bestimmt, "sondern wir analysieren die Spiele und nehmen uns für das nächste Spiel vor, es besser zu machen und aus den Spielen zu lernen."

Ihr runderneuertes Team zeige im bisherigen Turnier einen "ganz klaren Entwicklungsprozess und ich finde, dass es teilweise widersprüchlich ist, was ich da lese." Ganz klar angebracht sei Kritik daran, "dass wir Tore schießen müssen, dass wir teilweise zu viel durch die Mitte spielen und mehr über die Außen kommen müssen", führte Jones aus. Es werde in der öffentlichen Bewertung der bisherigen Spiele aber gleichzeitig nicht ausreichend dargestellt, "dass wir spielerisch Dominanz ausstrahlen, dass wir sehr viel Präsenz zeigen und uns viele Chancen herausspielen", betonte sie: "Da kommt wenig Positives."

Der achtmalige Europameister und Titelverteidiger Deutschland hat die Runde der letzten Acht nach Siegen gegen Russland (2:0) und Italien (2:1) sowie einem 0:0 gegen Schweden als Gruppensieger erreicht - allerdings ohne Torerfolg aus dem Spiel heraus. Drei von vier Turniertoren erzielte das DFB-Team nach Elfmetern, einen Treffer nach einem Freistoß dank eines Torwartfehlers. An der Ladehemmung arbeitet Jones mit ihren Schützlingen im Training. "Es bringt nichts, ständig draufzuhauen", sagte Jones: "Sie laufen, wollen und tun alles, aber das Ding geht einfach nicht rein. Sie können es aber, sie müssen einfach an sich glauben."

Sie selbst geht in Sachen Selbstbewusstsein mit gutem Beispiel voran: "Ich werde mir und meiner Linie immer treu bleiben. Aber ich lerne und entwickle mich auch jeden Tag." Ihren Job im Fokus der Öffentlichkeit genießt die ehemalige WM-OK-Chefin und DFB-Direktorin jeden Tag: "Es ist die schönste Aufgabe, die ich machen darf. Und wenn wir uns belohnen, ist das die schönste Reifeprüfung, die ich mir vorstellen kann." Welche Spielerinnen es gegen Dänemark richten sollen, hat Jones bereits für sich entschieden.

Anders als in der Gruppenphase, in der schon alle 20 Feldspielerinnen zum Einsatz kamen, will sie nun weniger rotieren lassen. Den Gegner um "Schlüsselspielerin" Pernille Harder vom deutschen Meister VfL Wolfsburg erwartet sie "etwas offensiver" als Italien und Russland, doch trotzdem: "Aggressivität und Geschwindigkeit werden wieder gefragt sein."

(dpa/sid)
 
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