| 13.27 Uhr

"Die Jungs interessiert nur Kompetenz"
Patrizia Panico – eine Frau im italienischen Männerfußball

Patrizia Panico trainiert die italienische U16-Nationalmannschaft
Patrizia Panico. FOTO: Twitter/FIFA.com
Düsseldorf. Eine Frau als Trainerin einer Profi-Mannschaft im Männerfußball? Die ehemalige Bundestrainerin Silvia Neid kann sich das vorstellen. In Italien leistet eine Frau bereits Pionier-Arbeit. 

Während Männer als Trainer einer Frauen-Mannschaft normal sind, ist gegensätzliches bislang im Fußball kaum denkbar. Da hilft selbst eine Vita wie die von Silvia Neid kaum etwas. Seit 2005 holte sie als Bundestrainerin der DFB-Frauen einen Weltmeistertitel, zwei Europameistertitel, drei Mal den Algarve-Cup und zuletzt die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Rio. 

Im Frauen-Fußball hat die mittlerweile zurückgetretene 52-Jährige alles erreicht. Automatisch kommen da die Fragen zu einer Position im Männer-Fußball. "Das wäre sicher reizvoll. Ich würde es mir zutrauen", sagte Neid jüngst dazu in den "Fränkischen Nachrichten", um gleich jedoch einzuschränken: "Frauen hätten keine Probleme damit. Ich glaube, dass die Profis eine Frau nicht akzeptieren würden. Noch nicht": 

Patrizia Panico leistet Pionierarbeit

Doch in Italien durfte sich nun eine Frau in der Männerdomäne beweisen. Oder zumindest der Jungen-Domäne. Patrizia Panico, die Neid als eines ihrer Vorbilder bezeichnet, stand für zwei Spiele in der Verantwortung für die italienische U16-Nationalmannschaft – als erste Frau im italienischen Männerbereich. Cheftrainer Daniele Zorrato verweilte in dieser Zeit bei der U19 im Trainingslager. 

"Ich hoffe, dass das nur der Anfang war", erklärte Panico gegenüber "Fifa.com". Sie hoffe, "dass Trainerinnen im Männer-Fußball bald ganz normal sind. Nicht weil Frauen die besseren Trainer sind oder andersherum, sondern weil es auf die Kompetenz ankommt und nicht auf das Geschlecht."

Ein Sieg und eine Niederlage

Die beiden Spiele an der Seitenlinie gegen Deutschland waren zumindest ordentlich. Einer 1:4-Niederlage folgte im zweiten Spiel ein 3:2-Erfolg. "Die Jungs interessiert eigentlich nur die Kompetenz. Sie wollen ein gutes Training und von ihren Trainern gefordert werden. Dass es dort einen Unterschied macht, ob ich eine Frau oder ein Mann bin, habe ich nie wahrgenommen", sagte die italienische Rekordspielerin über die Reaktionen in der Mannschaft. 

Dabei ist sie nicht die erste Frau im europäischen Männerfußball: Carolina Morace trainierte 1999 den A.S. Viterbese Calcio in der dritthöchsten italienischen Spielklasse - allerdings nur für zwei Spiele, danach trat sie aufgrund des Mediendrucks zurück. 

Für die Zukunft wünscht sich Panico, dass ihrem Beispiel gefolgt wird und der Fußball in Sachen Emanzipation aufholt. Vielleicht dann auch im Erwachsenenbereich. Ein großer Wunsch, aber ein Anfang wurde durch sie gemacht.

(dbr)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Patrizia Panico trainiert die italienische U16-Nationalmannschaft


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.