| 08.17 Uhr

Frauen-WM
DFB-Team hat beste Chancen auf den Gruppensieg

Deutschland und Norwegen trennen sich remis
Deutschland und Norwegen trennen sich remis FOTO: dpa, cs
Ottawa/Winnipeg. Nach dem 1:1 gegen Norwegen bei der Fußball-WM in Kanada wird der letzte Spieltag wohl zum Wettschießen.

In Winnipeg wollten die deutschen Fußballerinnen erst einmal baden gehen. Nach dem zweieinhalbstündigen Flug von Ottawa gen Westen stand die Regeneration im Schwimmbad des Team-Hotels an. Die Abkühlung hatten sich die Spielerinnen nach der Hitzeschlacht beim 1:1 im zweiten WM-Spiel gegen Norwegen verdient. Erst zeigten die Spielerinnen von Bundestrainerin Silvia Neid 45 Minuten lang Power-Fußball, dann schalteten sie in der zweiten Hälfte, wie Nadine Angerer monierte, "einen Gang zurück". Der erste Erklärungsversuch der Spielführerin: "Unser Spiel ist sehr kraftraubend, und auf so einem Boden doppelt und dreifach." Der mit schwarzem Granulat bestreute "stumpfe und harte" Kunstrasen wurde bei Temperaturen über 20 Grad "übertrieben warm", klagte auch Stürmerin Alexandra Popp: "Irgendwann fangen deine Füße an zu glühen." Und weil viele toll herausgespielte Torchancen ins Leere liefen, geriet das laufintensive Pressing der ersten Hälfte zum Verhängnis.

Die Führung durch Anja Mittag (6.) glich Maren Mjelde (61.), die eineinhalb Jahre beim Bundesligisten Potsdam spielte, vor 18 987 Zuschauern mit einem direkt verwandelten Traum-Freistoß aus 17 Metern in den Winkel aus. "Den macht sie so aber auch nur einmal im Jahr", sagte Popp. Torhüterin Angerer verteilte Lob: "Ich dachte mir: Der ist nicht schlecht. Springen kann ich mir sparen. Das wäre verschwendete Energie gewesen. Der war einfach grandios geschossen."

Silvia Neid betonte, den Power-Fußball könne das Team auch über 90 Minuten durchziehen, "aber man muss mental stark bleiben, braucht gute Aktionen und muss hart arbeiten". Die 51-Jährige zog ein positives Fazit: "Ich fand uns insgesamt besser als Norwegen." Statistiker zählten 27:4 Torschüsse zugunsten des DFB-Teams.

Auch im Fernduell besser sein als die Norwegerinnen - das ist die Marschroute für das abschließende Gruppenspiel am Montag (22 Uhr/ZDF und Eurosport) gegen Außenseiter Thailand. Denn da sich die Skandinavierinnen zur selben Zeit gegen die Elfenbeinküste auch keine Blöße geben werden, entscheidet bei Punktgleichheit als erstes Kriterium die Tordifferenz - und da hat das Neid-Team ein Plus von sechs. Norwegens Trainer Even Pellerud machte sich vor dem zu erwartenden Wettschießen keine Illusionen: "Es ist unrealistisch, dass wir das aufholen", sagte er .

Den Weg der DFB-Auswahl verfolgen immer mehr Fußballfans in Deutschland. Saßen beim 10:0 gegen die Elfenbeinküste am Montag rund 5,13 Millionen vor den Fernsehapparaten, waren es gegen Norwegen sogar 7,09 Millionen (Marktanteil: 33,9 Prozent). Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov gaben allerdings auch 39 Prozent der Deutschen an, keinerlei Interesse am Frauenfußball zu haben. Nur elf Prozent outeten sich als Fans, und 15 Prozent wollten sich so viele WM-Spiele wie möglich im Fernsehen anschauen.

Quelle: RP
 
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