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Finale der Frauen-WM
USA wollen gegen Japan den "Job zu Ende bringen"

Die US-Frauen feiern den Sieg über Deutschland
Die US-Frauen feiern den Sieg über Deutschland FOTO: afp, FF/dec
Vancouver. Die USA wollten das Rematch gegen Japan, sie haben es bekommen: Am Sonntag kommt es zur Neuauflage des Final-Dramas von Frankfurt 2011.

Die Dämonen von Frankfurt haben die US-Fußballerinnen vier Jahre lang verfolgt. Nichts hat Abby Wambach und Co. in dieser Zeit mehr angetrieben als das Final-Drama bei der WM 2011 gegen Japan. 1449 Tage später haben die US-Girls das, was sie wollten. "Es gibt nichts, was ich mehr will, als das in Ordnung zu bringen", sagte Kapitänin Carli Lloyd: "Ich will diesen Job zu Ende bringen."

Im WM-Endspiel am frühen Montagmorgen (1 Uhr, Liveticker) soll im BC Place von Vancouver die seit dem 17. Juli 2011 offene Rechnung beglichen werden, als der amerikanische Traum vom dritten Titel nach 1991 und 1999 kurz vor der Erfüllung platzte. Bis zur 81. Minute lagen die USA beim Stand von 2:1 auf Gold-Kurs, als Aya Miyama den Underdog in die Verlängerung rettete. Die Nadeshiko gewann 3:1 im Elfmeterschießen und gab ihrer von der Tsunami-Katastrophe gebeutelten Nation ein Stück Lebensfreude zurück.

Die stolze Frauenfußball-Nation USA hat das nie verwunden. Der Halbfinal-Sieg gegen Deutschland (2:0) war daher nur eine Zwischenstation in Kanada, wo die zahlreich mitgereisten Fans im Nachbarland jede Begegnung zum Heimspiel machen. "Ich bin nicht hier, um das Finale zu spielen, ich bin hier, um es zu gewinnen", sagte Lloyd schon nach dem Abpfiff in Montreal.

Letzte Chance für Abby Wambach

Zum dritten Mal in Folge treffen die Power-Fußballerinnen, die seit 513 Minuten ohne WM-Gegentor sind, im Endspiel eines Großereignisses auf die Filigran-Technikerinnen aus Japan - bei Olympia 2012 in London war den USA bereits eine erste Revanche gelungen. Wie besessen trainierte die Auswahl unter Trainerin Jill Ellis in den letzten Monaten auf das erhoffte märchenhafte Ende bei dieser WM hin. 14 Spielerinnen aus dem 2011er-Kader sind wieder an Bord (Durchschnittsalter 29 Jahre), um die Erlösung suchen.

Dabei ist es vor allem für Wambach, die unumstrittene emotionale Anführerin, auch eine ganz persönliche Mission. Die Weltrekordtorjägerin (183 Länderspieltore) hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt - doch ohne den WM-Titel würde sie als Unvollendete in die Geschichte eingehen.

Die 35-Jährige hält mit ihrem geschundenen Körper bei dieser Kunstrasen-WM nicht einmal mehr 90 Minuten am Stück durch. Vor Beginn der NWSL-Saison im April entschied sie sich, dass sie wegen der WM-Vorbereitung nicht für ihren Klub Western New York Flash spielen wolle - dieser verflixte Pokal rechtfertigt einfach alles.

Auf der Gegenseite betonte Japans Trainer Norio Sasaki nach dem glücklichen 2:1 (1:1) im Halbfinale gegen England, das durch ein Eigentor von Laura Bassett in der Nachspielzeit entschieden wurde, dass der größte Druck nun von seiner Mannschaft abgefallen sei: "Viele Spielerinnen wollten so sehr in dieses Endspiel, dass es ihre Mentalität beeinflusst hat. Aber dieser Druck ist jetzt weg." Keines seiner Spiele hat der Titelverteidiger mit mehr als einem Tor Unterschied gewonnen.

Das Team hat dabei stets auch für Kozue Ando gekämpft. Die Mittelfeldspielerin vom 1. FFC Frankfurt hatte sich gleich im ersten WM-Spiel gegen die Schweiz (1:0) das linke Sprunggelenk gebrochen. Seither hatte Japans Elf stets einen weißen Stoffbären mit Andos Trikot auf die Ersatzbank gesetzt. Die 32-Jährige hatte versprochen, zum Finale nach Vancouver zu kommen. "Ich denke, das hat für Extra-Motivation gesorgt", sagte Sasaki.

Alles rund um die Frauen-WM in Kanada finden Sie hier.

(sid)
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