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Deutschland bei Frauen-WM im Halbfinale
Fußball-Krimi mit Überlänge

Deutschland jubelt über Sieg im Elfmeterschießen
Deutschland jubelt über Sieg im Elfmeterschießen FOTO: afp, FL
Montreal. Das WM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Frankreich bot selten Kost für Fußball-Feinschmecker. Aber es war ein spannendes Kampfspiel. Durch ein 5:4 im Elfmeterschießen zog die DFB-Auswahl ins Halbfinale ein. Von Christoph de Groot

Für zahlreiche Experten stand gestern das vorweggenommene Endspiel der Frauenfußball-WM auf dem Programm. Deutschland und Frankreich lieferten sich auf jeden Fall ein hartes Duell mit Überlänge. Erst nach Elfmeterschießen stand der Sieger im hart umkämpften Viertelfinale fest. Nach regulärer Spielzeit hieß es 1:1, in der Verlängerung fielen keine Tore. Torhüterin Nadine Angerer parierte den letzten Elfmeter der Französinnen, Deutschland gewann das Duell vom Punkt mit 5:4.

"Im Moment bin ich einfach nur glücklich, und die Mannschaft ist glücklich, dass wir heute weitergekommen sind. In der zweiten Halbzeit haben wir uns alle noch mal berappelt und den Spieß umgedreht", meinte Matchwinnerin Angerer. "Wir hatten heute nicht unseren besten Tag", gab Silvia Neid zu, nachdem sie ihren Spielerinnen noch auf dem Platz erleichtert gratuliert hatte. "Wir haben es uns in der ersten Halbzeit total schwer gemacht. Die Französinnen hatten einfach zu viel Raum."

Frankreich startete viel besser als die deutsche Mannschaft. Mit dem ersten Angriff hätten die Französinnen in Führung gehen müssen. Die deutsche Deckung bestaunte einen schnellen Angriff von Elodie Thomis über die rechte Seite, und Louisa Necib setzte den Ball aus bester Position am Pfosten vorbei.

Deutschland reagierte irritiert auf das Tempo der Blauen. Der Ball lief bei Frankreich deutlich besser und schneller als bei der DFB-Auswahl, die kaum einmal zu Ansätzen von Kombinationsfußball fand. Die wenigen erfolgversprechenden Aktionen entsprangen dem Zufall, und doch wäre die Führung vor der Pause möglich gewesen. Aber Celia Sasic kam nach einer Flanke von Leonie Maier beim Kopfballversuch nicht richtig über den Ball.

Eine Führung für die Deutschen hätte dem Spielverlauf im ersten Durchgang Hohn gesprochen. Frankreich verschwendete viele Torgelegenheiten im Ansatz, weil in Überzahl nicht kühl genug zu Ende gespielt wurde, und weil die Deutschen Nadine Angerer im Tor hatten. Sie vereitelte kurz vor dem Seitenwechsel die nächste dicke Chance von Necib, die sich mit dem Ball an Babett Peter vorbeidrehte und aus der Drehung schoss. Das Team von Trainerin Silvia Neid hatte zunächst kein Mittel gegen diesen fußballerisch überlegenen Gegner. Und wenn es mal den Ball eroberte, fehlte die Präzision beim Gegenangriff. Die beste Nachricht zur Pause der bis dahin höchst einseitigen Begegnung für die Deutschen: Es stand noch 0:0.

Neid reagierte auf die dürftige Vorstellung ihrer Mannschaft, indem sie Anja Mittag in der Pause auswechselte. Dzsenifer Marozsan war fortan die Hoffnung auf mehr Spielkultur. Tatsächlich dominierten die Französinnen jetzt nicht mehr wie vor dem Wechsel. Die deutsche Elf hatte eine Anspielstation mehr, und sie gestaltete die Partie ausgeglichen. Vor allem trug sie den Ball häufiger in die gegnerische Hälfte, und sie ging ziemlich herzhaft in die Zweikämpfe. Das hatte sie schon im ersten Durchgang versucht, da aber fehlte das Timing. Das führte zu Fouls und gefährlichen Standardsituationen. Internationale Härte bot auch der zweite Durchgang, nun mussten sich allerdings die Französinnen gelegentlich unsauberer Mittel bedienen.

Bei einem Freistoß nach einem Foul an Sasic scheiterte Marozsan an Frankreichs Torfrau Sarah Bouhaddi. Als die Deutschen dabei waren, dem Spiel endlich ihren Stempel aufzudrücken, ging der Gegner in Führung. Die deutsche Innenverteidigung servierte Necib den Ball, und sie traf bei ihrer dritten dicken Torgelegenheiten zum 1:0. Aber durch einen umstrittenen Handelfmeter glich Sasic für die wütend angreifenden Deutschen zum 1:1 aus.

Quelle: RP
 
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