| 11.26 Uhr

Deutschland nach Elfer-Krimi im Halbfinale
Angerer hält ihren letzten großen Traum am Leben

Angerer wird im Spiel gegen Frankreich zur Heldin
Angerer wird im Spiel gegen Frankreich zur Heldin FOTO: dpa, crj fpt
Montreal. Nach der WM in Kanada beendet Nadine Angerer ihre Karriere in der Frauen-Nationalmannschaft. Im Viertelfinale gegen Frankreich wurde die Torhüterin noch einmal zur Heldin im Elfmeterschießen und hielt ihren letzten großen Traum am Leben: Den Triumph bei der WM. Von Stephan Seeger

Bei vier Elfmetern war Angerer machtlos. Doch dann traf Claire Lavogez an. Die Französin pustete kurz vor dem Elfmeter noch einmal die Backen auf, lief dann per Trippel-Schritt an. Die Zuschauer am Fernseher hatten in diesem Moment die große Hoffnung, dass Lavogez scheitern würde, denn die Nervosität war ihr anzusehen. Lavogez entscheidet sich für die von ihr aus gesehen rechte Ecke, schießt den Ball flach. Angerer ahnt, was die Schützin vorhat und taucht ab. "Natze", so ihr Spitzname, wird in diesem Moment zur "Katze" und pariert den Ball. Schluss. Aus. Vorbei. Deutschland steht dank Angerer im Halbfinale. "Die letzte Schützin hat ein bisschen ängstlich gewirkt. Ich dachte: Ich bleibe einfach ganz, ganz lange stehen. Und dann hab ich mich auf meine Intuition verlassen und bin in die richtige Ecke gehüpft", erklärt Angerer die Momente ihrer Heldentat. Nach der nervenaufreibenden Partie wurde Angerer zur Spielerin des Spiels ausgezeichnet.

Eigentlich hatte Bundestrainerin Silvia Neid von Angerer verlangt, gleich zwei Elfmeter zu parieren. "Ich habe am Ende "Natze" eine klare Ansage gegeben: 'Du musst zwei Elfmeter halten.' Sie sagte: 'Gleich zwei? Alles klar", sagte Neid nach der Partie im ZDF: "Ich hatte ein gutes Gefühl, weil wir uns so reingekämpft und es ins Elfmeterschießen geschafft hatten."

Schon 2007 und 2013 stellte Angerer ihre Qualitäten als Elfmeter-Killerin unter Beweis. Im WM-Finale hielt sie einen Strafstoß gegen Brasiliens Superstar Marta, im EM-Endspiel vor zwei Jahren parierte sie gleich zwei Strafstöße gegen Norwegen, beide in der regulären Spielzeit. Für die DFB-Damen war es das erste Elfmeterschießen bei einer WM – doch der Nervenkrimi vom Punkt liegt deutschen Nationalmannschaften offenbar. Die Männer gewannen alle ihre vier Elfmeterschießen bei Weltmeisterschaften.

In den 90 Minuten zuvor sowie in der Verlängerung gehörte Angerer zu den besten deutschen Spielerinnen. Sie strahlte im Gegensatz zu ihren Vorderleuten viel Ruhe aus und war immer dann zur Stelle, wenn sie gebraucht wurde. So wie gegen Louisa Necib in Halbzeit eins, als "Ziza", wie Necib in Anlehnung an den großen Zinedine Zidane aufgrund ihres Werdegangs genannt wird, aus der Drehung abschloss und Angerer parierte.

Im Halbfinale trifft Deutschland nun auf die USA. Auch dort erwartet den zweimaligen Weltmeister wieder ein "dicker Brocken", wie Angerer angkündigt. Sollte es wieder ins Elfmeterschießen gehen, ist Deutschland nicht gerade Außenseiter – auch dank Angerer. Celia Sasic verriet: "Natze hat vor dem Spiel gesagt: Wir dürfen auf keinen Fall nach Hause fahren, weil ihr Shampoo noch nicht leer ist." Für zwei Spiele reicht das Haar-Waschmittel noch.

Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Frauen-WM: Nadine Angerer wird zur deutschen Heldin


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.