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US-amerikanische Nationaltorhüterin
Prügel-Vorwürfe gegen Hope Solo

Die Sport-Skandale des Jahres 2014
Die Sport-Skandale des Jahres 2014 FOTO: afp, Christopher Polk
Winnipeg/Ottawa. Die 33 Jahre alte US-Amerikanerin soll in einem Familienstreit aggressiver gewesen sein, als es zunächst hieß. Von Jana Lange

Alle Augen waren auf Hope Solo gerichtet. Wieder einmal. Doch die skandalumwitterte Torhüterin der US-Fußballerinnen hielt dem Druck stand. Beim 3:1-Sieg gegen Australien bewahrte die 33-Jährige den Titelkandidaten mit gleich mehreren starken Paraden vor einem WM-Fehlstart - obwohl vor dem Auftakt erschreckende neue Details über ihre Eskapaden abseits des Sports für heftige Schlagzeilen gesorgt hatten. Wieder einmal.

Es geht noch immer um einen Vorfall aus dem vergangenen Jahr, den Solo und der US-Verband doch so gerne hinter sich gelassen hätten. Nach einem Familienstreit war Solo wegen des Vorwurfs häuslicher Gewalt kurzzeitig sogar hinter Gittern gelandet, ein halbes Jahr später aber war das Verfahren eingestellt worden. Nun aber veröffentlichte der US-Fernsehsender ESPN just vor Turnierbeginn Informationen, nach denen Hope Solo anders als behauptet nicht Opfer, sondern Hauptaggressor der Auseinandersetzung mit ihrer Halbschwester und deren Sohn gewesen sein soll.

Details darüber, wie sie unter Alkoholeinfluss ihren Neffen brutal attackiert und die herbeigerufenen Polizisten aufs Übelste beschimpft und sich gegen die Festnahme gewehrt haben soll, wurden publiziert. Die Staatsanwaltschaft geht offenbar schon gegen die Einstellung des Verfahrens vor.

Doch in Winnipeg, dem Auftakt der Titel-Mission der US-Girls in Kanada, schien der dreimaligen Olympiasiegerin das alles nichts auszumachen. "Ich bin vollkommen fokussiert", sagte Solo der Zeitung "USA Today", nachdem sie in einer schwachen ersten Hälfte ihrer Mannschaft gleich drei hochkarätige Chancen der Matildas, wie das Team Australiens genannt wird, entschärft hatte. "Hope hat uns großartig im Spiel gehalten. Das waren drei Paraden, die sonst niemand auf der Welt drauf hat", schwärmte Megan Rapinoe, die nach ihrem Doppelpack (12./78.) als "Spielerin des Spiels" ausgezeichnet wurde.

Dass die ohne Frage herausragende Torhüterin überhaupt noch Teil des Teams sein darf, wird und wurde leidenschaftlich diskutiert. Der US-Verband und Nationaltrainerin Jill Ellis hielten trotz aller Eskapaden zu ihr - bis Solos Ehemann Jerramy Stevens während eines Trainingslagers mit Solo auf dem Beifahrersitz wegen Trunkenheit am Steuer eines US-Teamvans festgenommen wurde. Solo wurde für 30 Tage gesperrt, musste Auflagen erfüllen. Nach eigener Aussage kehrte sie gereift und geläutert ins Team zurück, das auf dem Weg zum dritten WM-Titel nach 1991 (2:1 gegen Norwegen) und 1999 (5:4 im Elfmeterschießen gegen China) keinerlei Ablenkung gebrauchen kann.

Solo, bei der Weltmeisterschaft vor vier Jahren in Deutschland als beste Keeperin ausgezeichnet, hat immer wieder abseits des Fußballfeldes für brisanten Gesprächsstoff gesorgt. In ihrer Biografie gab sie Details über ihre verkorkste Kindheit sowie intime Geständnisse preis und sorgte mit Nacktfotos, Tanz-Show-Auftritten, der Hochzeit mit einem vorbestraften Ex-NFL-Profi sowie Zickereien innerhalb des Teams und bei Twitter für Aufsehen.

Sie hat mit all den heftigen Nebengeräuschen einige Sponsoren verloren - aber nicht ihre Konzentration auf den Sport. Trainerin Ellis dankte es ihr auf ihre Weise: "Ich habe sie umarmt und ihr gesagt: Du hast dir eine Umarmung verdient. Hope ist seit Monaten komplett fokussiert, und sie hat heute den Unterschied gemacht." Auf eine Solo in dieser Form will und kann sie auf der Titel-Mission nicht verzichten.

(sid)
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