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Weltmeisterschaft in Kanada
Neids letzte WM wird die "größte Herausforderung"

Das ist Silvia Neid
Das ist Silvia Neid FOTO: afp, mp
Köln. Silvia Neid ist das Gesicht des deutschen Frauenfußballs. An allen zehn Titelgewinnen der Nationalmannschaft war die 51-Jährige beteiligt, Kanada wird nun ihre letzte WM.

Die Nachricht vom bevorstehenden Ende der Ära Silvia Neid schlug ein wie eine Bombe. Jede deutsche TV-Nachrichtensendung berichtete am 30. März ausführlich über die überraschende Ankündigung der Bundestrainerin, ihren im nächsten Jahr auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern.

"Auf das Echo war ich vorbereitet. Das soll nicht überheblich klingen, aber ich wusste, dass das nicht irgendeine Meldung ist", sagte Neid, deren Nachfolge die bisherige DFB-Direktorin Steffi Jones antreten wird. Neid bleibt, sollte die deutsche Elf bei der WM in Kanada nicht vorzeitig scheitern, bis Herbst 2016 an Bord und übernimmt dann die Leitung der neu geschaffenen Frauen-Scouting-Abteilung.

Die Erfolgsgeschichte des deutschen Frauenfußballs ist untrennbar mit dem Namen Silvia Neid verbunden. Seit 2005 betreut sie den zweimaligen Welt- und achtmaligen Europameister als Hauptverantwortliche. Unter der zweimaligen Welttrainerin des Jahres gewannen die Deutschen einmal den WM-Titel (2007) und triumphierten zweimal bei der EM (2009 und 2013). Zudem holte die Neid-Auswahl 2008 Olympia-Bronze.

Als einzige Bundestrainerin schaffte die 111-malige Nationalspielerin, die an allen zehn bisherigen deutschen Titelgewinnen als Spielerin, Co- oder Cheftrainerin beteiligt war, mehr als 100 Siege mit der deutschen Auswahl. Die anstehende Endrunde - ihre siebte WM und die erste mit 24 Teams, die zudem auf Kunstrasen gespielt wird - sieht Neid wegen der kurzen Vorbereitungszeit als ihre "bislang größte Herausforderung".

Den Tiefpunkt ihrer Amtszeit erlebte Neid vor vier Jahren. Nach dem bitteren Viertelfinal-Aus bei der Heim-WM gegen den späteren Weltmeister Japan (0:1 n.V.) war sie schwer angezählt. Ein Rauswurf oder ein Rücktritt lagen damals in der Luft.

Neid gestand rückblickend ein, dass die Lebenserfahrung nach dem Scheitern bei der WM und die folgende Kritik besonders "schmerzhaft" waren. Die Trainerin hatte rund um die Endrunde einige Fehler begangen. Vor allem der wenig souveräne Umgang mit der formschwachen Rekord-Nationalspielerin Birgit Prinz wurde ihr vorgeworfen.

Neids Status als Erfolgstrainerin war allerdings nur kurz angekratzt. Bei der EM 2013 in Schweden wurde deutlich, dass Neid aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Obwohl sechs Stammkräfte ausgefallen waren, holten die Deutschen zum achten Mal den Titel.

Gesellschaftliche Anerkennung genießt Neid, nach deren Ebenbild sogar eine Barbie-Puppe gestaltet wurde, ohnehin seit langer Zeit. 2008 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen. 2011 folgte der Verdienstorden Nordrhein-Westfalens, zwei Jahre später erhielt sie dieselbe Auszeichnung durch Baden-Württemberg. Kein Wunder also, dass die Öffentlichkeit auch die Nachricht vom Ende der Neid-Ära derart bewegte.

(sid)
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