Nationalspielerin nutzt ihre Chance: Grings empfiehlt sich für weitere Aufgaben
zuletzt aktualisiert: 06.07.2011 - 16:58Düsseldorf/Wolfsburg (RPO). Mit zwei Toren und einer Vorlage gewann Inka Grings beim 4:2 gegen Frankreich die Auszeichnung zur "Spielerin des Spiels" - und das Vertrauen der Bundestrainerin zurück.
Den Schub für ihr Selbstvertrauen nahm Inka Grings mit, die Trophäe ließ die Torjägerin in Düsseldorf. Die eingerahmte Urkunde für die "Spielerin des Spiels" wollte die 32-Jährige lieber nicht im Reisegepäck für Wolfsburg verstauen, sondern übergab sie vor der Abreise noch schnell ihrer Mutter.
"Die wird sich freuen, denn sie ist für die Auszeichnungen und Trophäen zuständig", sagte eine abgekämpfte, aber glückliche Grings nach ihrem gelungenen Auftritt beim 4:2 (2:0) im letzten WM-Gruppenspiel gegen Frankreich.
Viel wichtiger als die Auszeichnung war für die Stürmerin des FCR Duisburg, sich bei ihrem ersten WM-Einsatz von Beginn an mit zwei Toren und einer Vorlage für die kommenden schweren Aufgaben zu empfehlen. Bundestrainerin Silvia Neid hatte Grings für die formschwache Birgit Prinz im Sturm auflaufen lassen - und Grings nutzte ihre Chance.
"Steine vom Herzen gefallen"
"Mir sind einige Steine vom Herzen gefallen", sagte eine gelöst wirkende Grings nach dem Abpfiff in Mönchengladbach. Mit hohem läuferischen Einsatz, aber auch mit stetigen Anfeuerungen trieb sie die DFB-Auswahl an. "Ich wollte ein Zeichen setzen, dass ich in die Mannschaft rein will. Und ich denke, dass ist mir fantastisch gelungen", so Grings. Dem schloss sich Neid an: "Inka hat ein klasse Spiel gemacht."
Nach zwei wenig überzeugenden Siegen war es vor allem Grings zu verdanken, dass das kränkelnde Offensivspiel deutlich belebt wurde. "Sie hat genau das umgesetzt, was wir wollten, ist vorne weite Wege gegangen", lobte Neid. Worte, die nach Stammplatz klingen, sind Balsam für die geschundene Stürmerseele. Denn nur Ergänzungsspielerin zu sein, war für die Spielerin, die vor zwei Jahren noch mit sechs Toren maßgeblichen Anteil am EM-Triumph gehabt hatte, schwer zu verdauen: "Die letzten Tage waren auch nicht einfach für mich."
Sich nach diesem Auftritt noch einmal mit der Rolle als Ergänzungsspielerin anzufreunden, sei jetzt "natürlich schwierig", sagte Grings, "alles andere wäre gelogen". Mit überzeugenden Trainingsleistungen will sie darum kämpfen, dass es "der Trainerin schwer fällt, mich wieder auf die Bank zu setzen".
Sportlich und menschlich gereift
Und wenn Grings in ihrer langen Karriere etwas gelernt hat, dann das Kämpfen. Sei es nach schweren Verletzungen, Schicksalsschlägen wie dem Tod ihres Vaters oder dem Zerwürfnis mit der Bundestrainerin, nach dem sie bis 2009 fast dreieinhalb Jahre lang auf eine Nominierung warten musste: Immer kam sie zurück, immer war sie sportlich und menschlich gereift.
Diese Reife kam dem "Schlitzohr", wie Neid Grings gerne bezeichnet, auch bei diesem für sie so wichtigen Spiel bei ihrer letzten WM zugute. Als ihre Teamkollegin Fatmire Bajramaj im Strafraum von Torfrau Berangere Sapowicz gefällt wurde, legte sich Grings den Ball zum fälligen Strafstoß bereit.
Doch es vergingen mehrere Minuten, bis Ersatztorfrau Celine Deville bereit war. Grings ließ das kalt. Im 93. Länderspiel verwandelte sie souverän zum 64. Treffer. "Ich habe mich so sicher gefühlt, ich hätte noch 'ne Stunde warten können", sagte Grings schulterzuckend. Auch das hat Grings längst gelernt: Geduld zahlt sich aus.
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