| 19.31 Uhr

Frauen-WM
Angerer warnt vor "angeschossenen Hunden" aus Schweden

Porträt: Nadine Angerer: Weltfußballerin, Weltenbummlerin, Hutträgerin
Porträt: Nadine Angerer: Weltfußballerin, Weltenbummlerin, Hutträgerin FOTO: afp, CHRISTOF KOEPSEL
Ottawa. In der Neuauflage des Klassikers gegen Schweden müssen die deutschen Fußballerinnen bereits im Achtelfinale aufpassen, dass der Titeltraum nicht erneut vorzeitig platzt.

Ab jetzt kann jedes Spiel das letzte sein, für manche sogar das allerletzte: Mit dem Kracher im WM-Achtelfinale gegen Schweden starten die deutschen Fußballerinnen in die heiße Alles-oder-Nichts-Phase der Titel-Mission in Kanada. "Wir müssen von der ersten Minute an präsent sein. Schweden wird uns keine Fehler verzeihen", warnte Nadine Angerer vor dem ersten K.o.-Spiel am Samstag (22 Uhr/ARD und Eurosport) in Ottawa.

Nach dem souveränen Gruppensieg steht der zweimalige Welt- und achtmaligen Europameister vor einem denkbar harten Brocken. Der WM-Dritte von 2011 und Fünfte der Weltrangliste konnte mit drei Unentschieden in der "Todesgruppe" D noch nicht überzeugen und zitterte sich als einer der vier besten Gruppendritten weiter. "Angeschossene Hunde beißen", warnte Angerer im Bild-Interview. "Jetzt fängt alles bei Null an. Sie sind eine sehr gute Mannschaft, ich erwarte ein 50:50-Spiel", so die Torhüterin.

So hübsch sind die Spielerinnen der WM

Für die 36 Jahre alte Spielführerin beginnt wie für Bundestrainerin Silvia Neid nun eine spezielle Situation. Angerer hatte jüngst eröffnet, dass sie nach dem Turnier aus dem Nationalteam zurücktreten wird. Jedes Spiel könnte ihr letztes mit dem Adler auf dem Trikot sein. "Natze" blendet das (noch) aus. "Ich denke da überhaupt nicht dran - wenn ich nicht ständig von der Presse darauf angesprochen werden würde. Ich bin total auf das Turnier fokussiert", sagte Angerer dem SID.

Neid hatte im März ihren Rückzug für 2016 angekündigt und kurz vor Turnierbeginn angedeutet, dass im Fall eines frühen Scheiterns in Kanada die Staffelübergabe an ihre Nachfolgerin Steffi Jones sogar schneller über die Bühne gehen könnte. Großes Ziel neben dem dritten Stern ist die Qualifikation für Olympia 2016 - für Rio muss Deutschland unter die besten drei europäischen Teams kommen. "Ab jetzt heißt es, auf den Punkt alles abzurufen, Leidenschaft zu zeigen und alles zu geben", forderte die 51-Jährige.

Die geklärte Zukunft scheint Neid zu beflügeln. "Ich genieße jeden Tag, auch weil es die letzte WM ist", betonte die 51-Jährige seit Turnierbeginn immer wieder. Vier Jahre nach dem Viertelfinal-K.o. bei der Heim-WM hat sie nun oft ein Lächeln auf den Lippen oder scherzt sogar während des Trainings mit den früher oft gemiedenen Medienvertretern.

Das Vorrunden-Fazit

Mit besonderer Motivation gehen auch die offensivstarken Schweden in das Spiel gegen den Angstgegner. Bislang stehen aus 24 Duellen 17 deutsche Siege und sieben Niederlagen zu Buche. Trafen die beiden Frauenfußball-Nationen bei großen Turnieren in der K.o.-Runde aufeinander, gewann jedes Mal die DFB-Auswahl.

Wie beim ersten deutschen WM-Triumph 2003, als Nia Künzer im Endspiel in der Verlängerung per Golden Goal für die Entscheidung sorgte. Vor zwei Jahren brachte Deutschland den Schweden mit dem 1:0 im Halbfinale der Heim-EM eine schmerzhafte Niederlage bei. "Die haben mit uns noch eine Rechnung offen und kommen mit viel Wut im Bauch ins Spiel", vermutete Angerer.

Die Skandinavierinnen versuchten sich in psychologischer Kriegsführung. "Deutschland hat starke Spielerinnen, aber ihr Schwachpunkt ist die etwas langsame Defensive. Auch sie haben schlechte Tage", sagte Caroline Seger. Angerer wich der Provokation mit einem Augenzwinkern aus: "Dann werden sie uns wohl zeigen, wie schnell ihre Angreiferinnen sind. Ich finde, unsere Verteidigung ist stark und clever."

(sid)
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