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Gesichter der Frauen-WM
Kulig und Künzer bringen Frauenpower ins TV-Studio

Nia Kulig und Kim Künzer bringen Frauenpower ins TV-Studio
Nia Künzer analysiert die WM-Spiele für die ARD. FOTO: ARD
Vancouver/Köln. Für Millionen Frauenfußball-Fans sind Kim Kulig und Nia Künzer die Gesichter der WM in Kanada. Sie unterscheiden sich stark, teilen aber eine gemeinsame Leidensgeschichte.

Nia Künzer spricht von einer "tragischen, fast schon unfassbaren Geschichte" - die ironischen Sprüche über ihr dramatisches Verletzungspech macht Kim Kulig jedoch selbst. "Man sollte nichts übers Knie brechen", sagte die Fußball-Nationalspielerin und WM-Expertin vor ihrem ersten Auftritt im ZDF keck und breit lächelnd.

Die 25-Jährige nimmt ihre Leidensgeschichte mit Humor. Was bleibt ihr auch anderes übrig? Das vermaledeite Kopfballduell in der dritten Minute des WM-Viertelfinales 2011 gegen Japan hat ihr Leben radikal verändert. Beinahe vier Jahre nach ihrem ersten Kreuzbandriss bei der Landung und vier Operationen weiß Kulig auch im Juni 2015 noch nicht, ob sie jemals wieder spielen können wird - geschweige denn, ob auf altem Niveau. Selbst Treppensteigen kann eine Qual sein.

"Hinter meiner Zukunft steht ein großes Fragezeichen", sagte sie im tz-Interview. Dennoch ist die Gegenwart "aufregend": Mit mühsam gebändigter Lockenmähne und schreiend rotem Lippenstift kommentiert sie mal recht flippig, mal sehr informativ jene deutschen WM-Spiele, in denen sie einst selbst um den Titel kämpfen wollte.

Aller Anfang ist schwer, besonders, wenn gleich mehr als sieben Millionen beim Debüt zusehen. Ihre Einzel-Interviews wirken manchmal noch etwas steif, aber wenn es Kulig gelingt, frühere Gefährtinnen aus der Reserve zu locken, wird es witzig. "Das ist alles neu für mich und macht mir enorm Spaß", berichtet sie.

Nia Künzer ist dagegen ja fast ein alter Hase, trotz jugendlicher 35 Jahre. Seit 2006 ist die Schützin des entscheidenden Tores zum WM-Titel gegen Schweden 2003 für die ARD bei großen Turnieren dabei. Auf ihrem Hotelzimmer in Vancouver sind ihre Kinder (7 Monate und 3 Jahre) im Hintergrund zu hören - Künzer aber ist keineswegs lautsprecherisch.

"Es gibt ja keinen Grund, auf die Kacke zu hauen", sagt sie, ihre Analysen sind stets von der Schlichtheit und Sachlichkeit einer erfahrenen Expertin geprägt. Ihre Kraft dafür zieht sie aus der Familie. "Früher habe ich schon mal gedacht: Gott, was hast du da bloß wieder verzapft?", erzählt sie, "heute aber bin ich in Gedanken schnell wieder woanders."

Ein bisschen wurmt sie nur, dass es im kanadischen Hotel kein deutsches Fernsehen gibt - wie sich Kim Kulig schlägt, hat sie "leider noch gar nicht gesehen".

Sie würde sehen, dass sich die deutschen Fernsehgesichter der WM in Kanada deutlich unterscheiden. Jedoch teilen sie ein Leid: Die beiden sind "Knieschwestern", wie Kulig es bei anderer Gelegenheit genannt hat. Nia Tsholofelo Künzer, als Kind von Entwicklungshelfern in Botswana geboren, ist 2006 nach insgesamt vier Kreuzbandrissen aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. "Ich weiß, wie Kim sich gerade fühlt", sagt sie, "und sie ist auf einem guten Weg, sich auch abseits des Sports etwas aufzubauen."

Wie Künzer selbst, die Pädagogik studiert hat. Die Fernsehjobs nimmt sie nebenbei mit. Einen Blick auf eine andere Weltmeisterin von 2003 hat sie bereits erhascht: Ariane Hingst, gelernte Bankkauffrau, später umgeschult auf Physiotherapeutin, sitzt in den Expertenrunde des US-Senders Fox.

Gewitzt, kompetent, klug parliert sie in bestem Englisch. Mal in gekünstelter Kaminzimmer-Atmosphäre, mal vor der Idylle der Bucht von Vancouver - während im Hintergrund Wasserflugzeuge landen.

(sid)
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