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USA sind Weltmeister
Das gelobte Land des Frauenfußballs

Fotos: US-Kapitänin Carli Lloyd trifft von der Mittellinie
Fotos: US-Kapitänin Carli Lloyd trifft von der Mittellinie FOTO: afp, mw
Vancouver/Düsseldorf. 2011 hatten die USA das WM-Finale im Elfmeterschießen gegen Japan verloren. In Vancouver drehte das Team von Trainerin Ellis den Spieß um. Der 5:2-Erfolg machte den dritten Triumph nach 1991 und 1999 perfekt. Von Eckhard Czekalla

Barack Obama ließ sich diese Chance nicht entgehen. "Welch ein Sieg für das Team USA! Euer Land ist so stolz auf Euch alle!", twitterte der US-Präsident nach dem 5:2-Sieg gegen Japan im Finale der WM. Der 53-Jährige, ganz begeisterter Fan des Frauenfußballs, forderte die Auswahl von Erfolgstrainerin Jill Ellis auf: "Kommen Sie bald mit dem WM-Pokal ins Weiße Haus!" Der Triumph von Vancouver machte die Vereinigten Staaten, die 1991 die Premiere gewonnen und sich 1999 erneut durchgesetzt hatten, zum Rekordchampion vor Deutschland (2003, 2007), Norwegen (1995) und Japan (2011).

Fotos: Hope Solo knutscht Ehemann nach WM-Sieg FOTO: afp, FF/rix

Vor 53 341 Fans gelang Carli Lloyd ein "Sahnespiel". Drei Tore innerhalb von 13 Minuten, darunter das 4:0 mit einem Schuss von der Mittellinie über die zu weit vor ihrem Tor stehende Ayumi Kaihori, sorgten dafür, dass die Frage des Siegers schon nach 16 Minuten entschieden war. "Frau Lloyd tut uns das immer an", sagte Japans Trainer Norio Sasaki. Im olympischen Finale 2012 hatte die heute 32-Jährige beide Treffer beim 2:1 erzielt. Vor vier Jahren allerdings war Lloyd am Boden zerstört. Im Finale von Frankfurt/Main gehörte sie zu den drei Spielerinnen, die im Elfmeterschießen scheiterten und so Japan den Weg zum Titel ebneten.

Vorbei, vergessen, abgehakt. Vor einiger Zeit hatte die Kapitänin des US-Teams eine einsame Trainingseinheit in ihrer Heimat New Jersey nahe Philadelphia absolviert. "Da habe ich mir vorgestellt, wie ich ein WM-Finale spiele und vier Tore erziele", erzählte Lloyd. Es wurden "nur" drei, aber die Stürmerin ist überzeugt: "Du kannst körperlich stark sein, du kannst technisch alles drauf haben, aber wenn du mental nicht fit bist, kannst du nichts Großes schaffen." Trainerin Ellis schwärmte von Lloyd, aber nicht nur von ihr. "Meine Spielerinnen wurden für solch große Momente geboren. Je schwieriger der Gegner ist, desto besser wird dieses Team. So ist seine DNA", erzählte sie euphorisch. Dass auch Glück manchmal dazugehört, um Großes zu schaffen, wurde im Halbfinale deutlich. Da vergab Celia Sasic einen Elfmeter und die Chance zum 1:0. Wenig später nutzte Carli Lloyd einen unberechtigten Strafstoß zum 1:0. Am Ende hieß es 2:0 gegen Deutschland - völlig verdient.

Während Frauenfußball in Europa in den 1970er-Jahren noch um Anerkennung kämpfen musste, war Soccer jenseits des Großen Teichs an den Colleges auf Anhieb der Sport der Mädchen und Frauen. Echte Männer kämpften stattdessen beim Football oder Baseball. Frauenfußball wurde gespielt, man sah ihn sich aber nicht an. Und Fans machen eine Sportart, neben Erfolgen, populär. "Ich hoffe, dieser Erfolg bringt mehr Investoren und Sponsoren", sagte Alex Morgan. Die Stürmerin spielt mit der deutschen Torhüterin Nadine Angerer bei den Portland Thorns, einem von neun Teams in der Profiliga National Women's Soccer League (NWSL).

Im April 2001 hatte die Women's United Soccer Association (Wusa) als weltweit erste Profiliga im Frauenfußball den Spielbetrieb aufgenommen. Nach zwei Jahren war Schluss. Das Produkt war nicht gefragt. Women's Professional Soccer (WPS) hielt nur von 2009 bis 2011 durch. Seit 2013 versucht nun die NWSL ihr Glück.

Was die Erfolge anbelangt, können die Fußballer ihren Kolleginnen nicht das Wasser reichen. Dreimal Weltmeister, zweimal Olympiasieger, immer unter den Topmannschaften in der Welt - und dennoch sind die Zuschauerzahlen bei den Männern ein Vielfaches höher.

Unter Trainer Jürgen Klinsmann spielt sich das Team langsam in den Fokus. Als Gastgeber ist der Gewinn des morgen beginnenden Gold Cups, der Meisterschaft der Nord- und Mittelamerika-Staaten sowie der Karibik, fast schon Pflicht.

Am Montag aber drehte sich alles um Carli Lloyd und ihre Mitspielerinnen.

Quelle: RP
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