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Frauenfußball
WM ohne Weltfußballerin: Keßler kämpft um ihre Karriere

Nadine Keßler zur Weltfußballerin des Jahres 2014 gekürt
Nadine Keßler zur Weltfußballerin des Jahres 2014 gekürt FOTO: afp, rc/tlr/mm
Ottawa/Wolfsburg . Während die DFB-Auswahl in Kanada nach dem dritten Stern greift, kämpft Weltfußballerin Nadine Keßler um die Fortsetzung ihrer Karriere.

Das Ziel ihrer Träume hatte Nadine Keßler sogar schon betreten. Im BC Place Stadium, der Final-Arena in Vancouver, bestritten die deutschen Fußballerinnen am 18. Juni 2014 einen Probelauf für die WM in diesem Sommer in Kanada. Doch statt wie erhofft um den dritten Stern kämpft die Weltfußballerin ein Jahr später um die Fortsetzung ihrer Karriere.

Mit der neunten (!) Operation an ihrem linken Knie vor drei Monaten war der Kanada-Traum für die 27-Jährige zerplatzt. Schlimmer noch: Nach dem Eingriff an der Kniescheibe steht in den Sternen, ob die Wolfsburgerin überhaupt je wieder auf dem Fußballplatz stehen wird. "Ich muss wirklich davon überzeugt sein, dass ich wieder spielen kann, und werde natürlich alles daran setzen, dass es klappt. Wenn mein Körper aber die Belastung nicht aushält, dann würde ich meine Karriere beenden", sagte "Kessi" dem kicker.

Die deutsche Mannschaft, allen voran ihre beste Freundin Josephine Henning, vermisst sie in Ottawa enorm: "Sie fehlt mir sehr. Einige schreiben ihr, sie ist noch sehr verbunden mit dem Team." Aber auch sportlich hinterlässt die torgefährliche, zweikampfstarke defensive Mittelfeldspielerin eine Lücke. "Das ist schon tragisch, eine Weltmeisterschaft ohne Weltfußballerin", sagte Bundestrainerein Silvia Neid. Und Kapitänin Nadine Angerer befand: "Sie fehlt absolut. Sie hat 2013 eine unglaubliche EM gespielt, die Erfolge mit Wolfsburg und die FIFA-Auszeichnung kamen auch nicht von ungefähr."

Keßlers Weg zur höchsten Einzel-Auszeichnung des Frauenfußballs ist aber gepflastert mit gesundheitlichen Rückschlägen. Dass eine Spielerin ihres Kalibers nur 29 Länderspiele vorzuweisen hat, spricht Bände. Einem Knorpelschaden folgten einst massive Komplikationen, Operation nach Operation, bis die gebürtige Pfälzerin nach einer Infektion sogar in Lebensgefahr schwebte.

Doch Keßler kämpfte sich zurück und spielte zwischen 2012 und vergangenem Sommer in der Form ihres Lebens. Die Auszeichnungen zur besten Fußballerin Europas und der Welt krönten die Erfolge, die sie als Kapitänin mit dem VfL Wolfsburg einheimste. Dass die Niedersachsen nach zuvor fünf Titeln in zwei Jahren in der abgelaufenen Spielzeit ohne sie "nur" den DFB-Pokal gewannen, spricht für die zentrale Bedeutung der Leitwölfin.

Statt wie noch bei der Fifa-Gala in Zürich im Januar mittendrin ist sie nun außen vor, wenn sich die besten Fußballerinnen des Planeten auf der größten Bühne präsentieren. Für Keßler ist die Rolle als TV-Zuschauerin schwer zu ertragen. "Wenn die WM losgeht, wird es mich bestimmt noch mal umhauen", sagte Keßler, die derzeit täglich sechs Stunden lang in der Reha schuftet, damit jenes unspektakuläre 2:1 im Vancouver nicht ihr letzter Auftritt im DFB-Trikot bleibt.

Wann auch immer sie anfangen mag - die studierte Fitnessökonomin rüstet sich für die zweite Karriere nach der aktiven. "Ich möchte gerne im Fußball bleiben, ich kann einfach nicht ganz ohne Fußball leben", sagte Keßler. Ihren Vertrag beim VfL hat sie jüngst um ein Jahr verlängert. Ihr Trainer Ralf Kellermann versprach: "Sie bekommt die Zeit, die sie benötigt, um auf den Platz zurückkehren zu können."

(sid)
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