Frauen-Bundesliga nach der WM: Zwanziger: Kein Boom und kein Geld
zuletzt aktualisiert: 18.07.2011 - 15:54Frankfurt/Main (RPO). Theo Zwanziger traut seinem liebsten Kind nun doch keine große Karriere zu. Einen nachhaltigen WM-Effekt für die Frauen-Bundesliga schließt er aus - und wählt bei seiner Erklärung nicht von ungefähr drastische Worte.
Es klang ein bisschen nach Liebesentzug, was der oberste Frauenfußball-Fan Theo Zwanziger zum Abschluss der WM in Deutschland von sich gab. "Wenn jemand ernsthaft glaubt, dass dieses nationale Event Frauen-WM auf die Bundesliga zu übertragen ist und dort einen Hype auslöst, der hat vom Fußball keine Ahnung", sagte der DFB-Präsident. Schon jetzt ist klar, dass der Verband kaum einen Beitrag leisten wird, um den Frauenfußball abseits der Nationalmannschaft aus dem Status einer Randsportart zu verhelfen: Von einem möglichen WM-Gewinn sehen die Bundesligisten keinen einzigen Cent.
Nur 847 Zuschauer im Schnitt
847 Zuschauer kamen in der vergangenen Saison im Schnitt zu einem Spiel in die Liga-Stadien. Und voraussichtlich werden die Zuschauer auch in der im August beginnenden neuen Saison nicht in Scharen Sonntagsmorgens um 11 Uhr zum Frauenfußball rennen. Die DFB-Strategie lautet nun: Druck erhöhen und Selbstheilungskräfte aktivieren, statt zuzuschießen.
"Damit die Frauen-Bundesliga überhaupt mal auch nur in die Nähe der 3. Liga der Männer kommen kann, müssen in den Vereinen andere Strukturen geschaffen werden. Zudem muss Gemeinsamkeit vor egoistisches Denken gestellt werden", sagte Zwanziger.
Auch DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach geht nicht davon aus, dass die Frauen-WM einen großen, nachhaltigen Hype auslösen wird. Der Frauenfußball in der Bundesliga bleibt für den Verband vielmehr ein großes Zuschussgeschäft. Und auch von einem möglichen WM-Gewinn werden die mit Ausnahme des 1. FFC Frankfurt zumeist finanziell strauchelnden Bundesligisten nicht profitieren.
Keine Vereinsförderung aus WM-Gewinn
"Mit Sicherheit wird es keine gezielte Vereinsförderung geben, wenn wir einen WM-Gewinn erwirtschaften sollten. Wir werden das Geld in die Eliteförderung der jungen Mädchen und die weitere Entwicklung der Frauen-Nationalmannschaft stecken. Der Frauenfußball erhält 2,67 Millionen Euro aus den Fernsehgeldern. Das ist bereits ein sehr hoher Betrag, der auch der Frauen-Bundesliga zugute kommt", sagte Niersbach dem Sport-Informations-Dienst (SID). Die Männer-Bundesliga hatte 2006 noch gewaltig vom wirtschaftlichen Gewinn der Heim-WM profitiert - mit insgesamt 50 Millionen Euro.
Niersbach und Zwanziger untermauerten, dass die Frauen-Klubs zunächst professionelle Strukturen aufbauen müssen, ehe es vonseiten des Verbandes zu einer weiteren finanziellen Unterstützung kommen kann. "Wir haben den 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam, danach kommt erst einmal nichts. Die Vereine müssen bundesweit professionell aufgestellt sein, damit der Frauenfußball in der Breite auch in der Bundesliga richtig interessant ist. Es braucht 12 oder 16 Standorte, die richtig Zuschauer ziehen, damit die Bundesliga auch für das Fernsehen richtig interessant ist", sagte Zwanziger. ARD und ZDF haben bereits ausgeschlossen, im Anschluss an die WM vermehrt Frauen-Bundesliga zu zeigen.
Frankfurt hofft auf Boom
Dennoch glaubt Manager Siegfried Dietrich vom Branchenführer 1. FFC Frankfurt, dass sich die WM für die ambitionierten Bundesligisten auszahlen wird. "Der Frauenfußball wird mit der neu gewonnenen Popularität in neue Dimensionen vorstoßen. Das wird sich in die Liga übertragen. Wir werden am ersten Spieltag gegen die SG Essen-Schönebeck einen großen Andrang haben", sagte Dietrich, der nicht mehr länger mit rund 1500, sondern mit bis zu 5000 Zuschauern rechnet.
"Wichtig ist, dass die großen Vereine wie Bayern München und der Hamburger SV die Frauenabteilungen nicht mehr nur aus der Portokasse bezahlen, sondern ihnen eigene unternehmerische Strukturen geben", sagte Dietrich, der unter anderem auch als Liga-Sprecher tätig ist: "Dieses Umdenken ist ein schwieriger Prozess, der dauern wird."
Dagegen glaubt Trainer Bernd Schröder vom deutschen Meister Turbine Potsdam, dass durch das vorzeitige Scheitern der DFB-Auswahl bei der WM ein aufkommender Hype im Keim erstickt wurde. "Das ganze Theater und Gerede von einer Euphorie und einem Boom, der sich auch auf die Bundesliga auswirken wird, ist jetzt erst einmal verstummt. Auf das Ausscheiden der deutschen Mannschaft war niemand vorbereitet. Jetzt herrscht Erklärungsnot", sagte Schröder dem SID.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







