Wieder Eintracht in Frankfurts Präsidium: Führungskrise scheint überwunden
zuletzt aktualisiert: 20.01.2000Frankfurt/Main (dpa). Die Führungskrise bei Eintracht Frankfurt scheint überwunden. Nach einer gemeinsamen Sitzung von Präsidium und Verwaltungsrat unter Einbeziehung des Ehrenrats-Vorsitzenden Helmut Weintraud wurden «vorhandene Spannungen und Missverständnisse» beigelegt.
Präsidium und Verwaltungsrat des Fußball-Bundesligisten sind nach der am Donnerstag veröffentlichten Erklärung bereit zur «verantwortungsvollen Zusammenarbeit». Man wolle die schwierigen Probleme gemeinsam lösen. Gestärkt ging vor allem Schatzmeister Rainer Leben aus der Versammlung hervor. Die Gremien sahen die gegen ihn intern und öffentlich erhobenen Vorwürfe als gegenstandslos an.
Leben war vor allem für Präsident Rolf Heller zuletzt ein «rotes Tuch» gewesen. Der Eintracht-Chef hatte dem seit einem Vierteljahr Schatzmeister vorgeworfen, den Abschluss eines Zehn-Millionen-Mark- Vertrages mit der Deutschen Städte-Medien (DSM) verhindert zu haben. Außerdem sah sich Heller von Leben zum alleinigen Sündenbock für das aktuelle Minus in der Club-Kasse von mehr als zehn Millionen Mark abgestempelt. Leben dagegen monierte, dass er von den Verpflichtungen der Spieler Thomas Reichenberger und Dirk Heinen von Bayer Leverkusen erst nach Vertragsabschluss informiert worden wäre.
Bei der Stadt Frankfurt besaß Heller nicht nur wegen der Gespräche mit der DSM keine guten Karten. Sportdezernentin Sylvia Schenk warf dem Vereinschef Inkompetenz vor und wollte nicht mehr mit Heller oder seinem «Vize» Peter Lämmerhirdt verhandeln, weil «ich kein Vertrauen mehr habe». Schenk klagte, der am Mittwoch beschlosse Neubau des Waldstadions wäre bei einem Abschluss mit der DSM gefährdet gewesen.
Auch das Verhältnis des Präsidenten zum Verwaltungsrat war zuletzt aus den Fugen geraten. Im Machtkampf zwischen dem Aufsichtsgremium unter Führung von Bernd Ehinger sowie dem mittlerweile aus dem Amt geschiedenen Erst Maul und dem Präsidium artete immer weiter aus, zumal der neue Schatzmeister vom Verwaltungsrat installiert und dessen Vorgänger Gaetano Patella aus dem Amt gedrängt worden war. Höhepunkt der Eskalation war Hellers Ankündigung, zurückzutreten, sobald er einen Nachfolger gefunden hat, der «den Verein in meinem Sinne weiterführt». Lämmerhirdt wollte dann dem Präsidenten folgen. Heller hielt das Ansehen der gesamten Eintracht-Spitze inklusive des Verwaltungsrates durch die öffentlich ausgetragenen Scharmützel für derart beschädigt, dass keiner mehr zu Erfolg versprechenden Verhandlungen mit möglichen Investoren fähig sei.
Die Entscheidung der Stadt Frankfurt zum Bau eines komplett neuen Waldstadions, das von der International Management Group (IMG) Hamburg betrieben und vermarktet werden soll, war schließlich das entscheidende Signal für einen Neuanfang, der auf Initiative des Verwaltungsrats-Sprechers Ehinger zu Stande kam. «Es ist mehr als fünf vor zwölf», hatte Sportdezernentin Schenk dem Bundesligisten ermahnt. IMG soll nach ihren Worten bereit sein, sich im Rahmen eines langfristigen Konzepts bei der Eintracht zu engagieren, womit die finanzielle Basis des Vereins auf Dauer gesichert werden könne.
«In der Sache besteht wieder Einigkeit. Wir müssen aus der Vergangenheit lernen und uns auf die Zukunft konzentrieren. Und die heißt für uns IMG», sagte Leben, der die Eintracht nach dem klärenden Gespräch auf einem guten Weg sieht. «Die überholten Vereinsstrukturen müssen dem moderne Profigeschäft angepasst werden. Dazu haben wir mit der gemeinsamen Sitzung von Präsidium und Verwaltungsrat den ersten wichtigen Schritt getan.» Leben sieht den Verein zwar in einer angespannten finanziellen Lage, doch «die Eintracht ist liquide und nicht überschuldet». Zahlen will der Schatzmeister erst am 31. Januar auf der Jahreshauptversammlung nennen. Spätestens dann wird sich zeigen, ob bei der Eintracht wirklich wieder Eintracht herrscht.
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