Krauss: "Ich bin kein Copperfield": Für BVB-Millionäre brechen schwere Zeiten an
zuletzt aktualisiert: 14.02.2000Dortmund (dpa). Bei Borussia Dortmund soll wieder zusammen wachsen, was zusammen gehört. Nach den vielbeachteten Geschehnissen vom Wochenende, als sich beim enttäuschenden 1:1 gegen den SSV Ulm eine Riesenkluft zwischen Team und Tribüne auftat, wirbt die geschockte Vereinsspitze um Nachsicht für das schwache Starensemble. Aus Angst vor einer weiteren Eskalation schwor Sportmanager Michael Zorc die verärgerten Fans mit eindringlichen Worten auf eine gemeinsame Linie ein: "Was bei uns passiert, grenzt an Selbstverstümmelung. Die Spieler haben mittlerweile Angst, ins Stadion zu fahren. Dagegen hilft auch kein Millionengehalt."
Nach Jahren der unkritischen Verehrung sind für die Fußball- Millionäre schwierigere Zeiten angebrochen. Verärgert über das Missverhältnis von gestiegenen Profigehältern und gesunkener Spielkultur verweigern immer mehr Fans ihrem Team nicht nur in Dortmund die Gefolgschaft. Selbst Bayern Münchens Uli Hoeneß Manager warnte von einer "dramatischen Gesamtlage" und regte in einem "Kicker"-Interview eine nüchterne Analyse der schädlichen Entwicklung an.
Die barsche Reaktion der BVB-Fans hält er allerdings für ungerecht: "Weil ich meine, dass die Dortmunder Mannschaft derzeit unheimlich hart arbeitet." Vielmehr sei der BVB dem psychologischen Druck nicht gewachsen, meint Hoeneß: "Die nervliche Verfassung der Spieler stabilisiert sich nicht proportional zu ihrem Gehalt."
Unverhoffter Zuspruch Den unverhofften und seltenen Zuspruch des Dauerrivalen aus München nahmen die Dortmunder wohlwollend zur Kenntnis. Händeringend wird nach einem Weg aus der Krise gesucht. Doch die großen spielerischen Defizite des Teams, dem es an System und Führungspersönlichkeiten mangelt, lassen wenig Gutes erwarten. "Alle stellen hohe Ansprüche. Aber ich bin nicht David Copperfield", klagte der desillusionierte neue Trainer Bernd Krauss, den die Zustände in Dortmund unangenehm überraschten: "Hier herrschen ja Neid und Missgunst, das ist Wahnsinn."
Angesichts der explosiven Stimmung erinnerte BVB-Rekordspieler Zorc an die unliebsamen Zustände der Saison 1983/84, als die Fans ihren Unmut nach einer 0:2-Heimniederlage gegen den Karlsruher SC mit einem Sitzstreik zum Ausdruck brachten. "Damals konnten wir uns erst in der Relegation gegen den Abstieg retten", mahnte der Sportmanager, der die Hoffnung auf bessere Zeiten trotz aller Schwierigkeiten noch nicht aufgegeben hat. "Im Gegensatz zu damals verfügen wir jetzt über ein intakte Mannschaft, die noch viel erreichen kann."
Besonders große Hoffnungen setzen die Dortmunder in die Rückkehr von Andreas Möller. Der ehemalige Nationalspieler macht nach einem Muskelbündelriss gute Fortschritte und soll dem ideenlosen Aufbauspiel der von den Europacup-Plätzen verdrängten Borussia ab Ende des Monats neue Impulse verleihen. Kurzfristige Abhilfe könnten Otto Addo und Victor Ikpeba schaffen. Beide Offensivspieler stehen dem BVB nach ihrem Einsatz beim Africa-Cup wieder zur Verfügung.
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