Kampf um Deisler: Für Hertha beginnt das "Hauen und Stechen"
zuletzt aktualisiert: 25.06.2001 - 16:05Berlin (rpo). Für Hertha BSC Berlin hat am Montag die Saisonvorbereitung begonnen. Mit der laut Manager Dieter Hoeneß "personell besten Mannschaft" ist für die Hauptstädter mindestens Platz drei Pflicht. Trainer Jürgen Röber stellte klar, dass jeder Spieler mit diesem Druck leben muss.
"Es wird ein Hauen und Stechen wie noch nie um die Plätze", läutete Kapitän Michael Preetz bei Hertha eine neue Zeitrechnung ein. "Wir wollen da oben hin, fünf andere Mannschaften auch", erwartet auch Röber in seiner siebten Saison in Berlin eine harte Serie wie noch nie. Bisherigen Stammkräften wie Michael Hartmann, Rene Tretschok, selbst Top-Torjäger Preetz droht die Bank. Dariusz Wosz ist bereits auf der "Flucht" zu einem weniger anspruchsvollen Verein.
Über 31 Millionen Mark hat Hertha für Marcelinho (14 Millionen), Bart Goor (12,5 Millionen), Denis Lapaczinski (4,5 Millionen), Roberto Pinto und Andreas Neuendorf (beide ablösefrei) sowie Nderim Nedzipi (700 000 Mark) investiert - so viel wie noch nie vor einer Saison. Dazu kommt "als weiterer Neuzugang" (Röber) der genesene Stefan Beinlich, der nach seinem Wechsel aus Leverkusen wegen einer Fersenverletzung erst nur unter größten Schmerzen und dann ein halbes Jahr gar nicht an den Ball getreten hatte. Nun prescht "Paule" am weitesten vor: "Ich will Meister werden."
70 Jahre nach dem letzten Meister-Triumph muss Hertha in der 3,5- Millionen-Einwohner-Stadt Berlin genau mit diesem Titel-Anspruch leben, auch wenn sich Hoeneß nur "Platz drei wünscht". Denn in der kommenden fünften Saison nach dem Wiederaufstieg 1997 werden auch entscheidende Zukunfts-Weichen gestellt. Die wichtigste: Bleibt Deutschlands Hoffnungsträger Nummer eins, Sebastian Deisler, in Berlin oder wechselt er im Sommer 2002 für eine Ablöse von unter 20 Millionen Mark zum Branchenführer FC Bayern. "Wenn er sich noch nicht entschieden hat, was ich hoffe, hängt es wesentlich davon ab, welche Entwicklung Hertha nimmt", ordnet Röber den sportlichen Erfolg als größtes Faustpfand im Kampf um den 21-jährigen Deisler ein.
Der Hauptschwäche der Vorsaison, als 52 Gegentore die Champions League-Chance verbauten, will Röber nicht mit neuem Defensiv- Personal, sondern mit einer weiteren Orientierung nach vorn begegnen. Mit Nebenschauplätzen - Abwehrchef Dick van Burik soll bis Ende Juni noch eine Option auf einen Vereinswechsel haben - will sich Röber nicht mehr beschäftigen: "Ich werde den Druck an die Mannschaft weiter geben." Das hört sich in der Tat nach Hauen und Stechen an.
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