Neue Form des Ballsports: Fußball 2.0! Mit zwei Bällen zum Durchbruch
zuletzt aktualisiert: 10.11.2011 - 20:10Kiew (RPO). 22 Spieler, zwei Tore und gleich zwei Bälle. Ukrainische Studenten haben mit dem "Footdoubleball" eine neue Form des Fußballs kreiert. Spätestens die Heim-EM im kommenden Jahr soll als effektive Werbefläche dienen.
Die Szenerie auf dem holprigen Rasenplatz irgendwo in Kiew gleicht einem wenig ansehnlichen Trainingsspiel. Eine Handvoll lustlos dreinblickender Zuschauer neben dem Feld, 22 orientierungslos wirkende Fußballer darauf. Keine klaren Laufwege, wenig Spielübersicht und schlechtes Stellungsspiel. Dazu die trostlose Umgebung mit grauen Hochhäusern und einer kaum befahrenen Straße. Nein, zum Verweilen lädt das Geschehen in der ukrainischen Hauptstadt auf den ersten Blick nicht ein - von Fußball-Euphorie im EM-Land keine Spur.
Doch bei genauerem Hinsehen erschließt sich doch das Besondere: ein zweiter Ball ist im Spiel. Die ukrainischen Kicker machen nämlich nicht ihre ersten Gehversuche im Fußball, sondern frönen ihrer neuen Leidenschaft, dem "Footdoubleball". Mit 22 Spielern, zwei Toren, aber auch zwei Schiedsrichtern und vor allem zwei Bällen soll spätestens bei der Heim-EM 2012 der Durchbruch gelingen.
"Mit zwei Bällen ist das Spiel besonders im Angriff viel interessanter. Es erfordert eine bessere Koordination. Zudem ist es spektakulärer und schneller als der klassische Fußball", sagt Aleksander Moros. Er gehört zu den Studenten, die den neuen Fußball ins Leben gerufen haben und ihm zur öffentlichen Bekanntheit verhelfen sollen. Bereits 2007 gab es die ersten zaghaften Versuche, im Winter soll in Kiew die zweite offizielle Saison starten.
"Wir betrachten das Ganze nicht als komplett neues Spiel, sondern als einen Trend im Fußball, wie etwa Futsal oder Beach-Soccer", heißt es auf der Homepage des Verbandes. Mit der erhöhten Komplexität durch den zweiten Ball sollen zudem die Nachwuchsfußballer taktisch und technisch besser geschult werden.
Die Regeln sind nahezu mit denen des klassischen Fußballs identisch. Allerdings gibt es für jeden der zwei Bälle, die entsprechend den ukrainischen Landesfarben blau und gelb sind, einen eigenen Schiedsrichter. Zwei Assistenten an der Seitenlinie unterstützen sie im teils unübersichtlichen Spielgeschehen. Landet einer der beiden Bälle im Tor, wird die Partie mit dem zweiten so lange fortgesetzt, bis er ins Aus rollt oder von einem Torwart kontrolliert wird. Hektisch und mitunter unübersichtlich wirkt das Geschehen. Zeit zum Ausruhen haben die Spieler kaum. Doch ein Mehrwert des neuen Trends ist unverkennbar.
"Jeder Spieler hat die Möglichkeit, im Spiel ein Tor zu erzielen", sagen die Verantwortlichen. So sind Ergebnisse wie 15:8 oder 12:11 keine Seltenheit, sondern die Regel. "Das könnte besonders für Kinder den Anreiz erhöhen." Die Schiedsrichter erkennen einen weiteren Vorzug. "Wegen der zwei Bälle ist das Pfeifen zwar schwieriger, aber die Spieler haben auch viel weniger Zeit zum Diskutieren und Meckern", sagt Taras Tschepilko.
Unterstützt von einigen Profiklubs wie Dynamo Kiew nahmen 16 Mannschaften an der ersten Meisterrunde teil. Derzeit spielen sie zweimal im Monat auf einem Platz in Kiew vor überschaubarer Besucherzahl. Doch spätestens durch die EM im eigenen Land in acht Monaten erhoffen sich die Amateurfußballer den Sprung ins Zuschauerinteresse. Auf großer Bühne wollen sie ihr Schauspiel ins rechte Licht rücken. Torarme Partien bei den Profis würden den Werbewert für den "Footdoubleball" dabei immens erhöhen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







