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Nationalmannschaft im Fokus
Fußballmuseum öffnet nach drei Jahren Bauzeit seine Pforten

Nationalmannschaft im Fokus: Fußballmuseum öffnet nach drei Jahren Bauzeit seine Pforten
Am 25. Oktober öffnet das Museum nach drei Jahren Bauzeit seine Pforten für die Öffentlichkeit - mit knapp einem Jahr Verspätung, denn drei Baufirmen gingen Pleite, was zu Zeitverzögerungen führte. FOTO: RPO
Das Deutsche Fußballmuseum öffnet am 25. Oktober seine Pforten. Die Versprechen sind groß, die Eintrittspreise hoch.

Noch birgt das Deutsche Fußballmuseum viele Geheimnisse. Wieso heißen beispielsweise die Gastronomiebereiche auf dem 7000 Quadratmeter Nutzfläche umfassenden Neubau gegenüber dem Dortmunder Hauptbahnhof "N11 Bar and Restaurant", "N11 Fan-Bistro" und "N11 Fan-Garten"? Geschäftsführer Manuel Neukirchner schmunzelt: "Ein Fußball-Fan mit Fantasie kommt rasch drauf. N11 steht für Nationalelf."

Logischerweise nimmt die Nationalmannschaft den Großteil der Ausstellungsfläche ein. Neukirchner: "Sie ist unser zentraler Baustein. Deshalb haben wir auch den Koch der Nationalmannschaft, Holger Stromberg, dafür gewonnen, jene Gerichte auf die Speisekarte zu setzen, die die Nationalspieler 2014 in Brasilien genossen haben."

Natürlich kommt auch der Vereinsfußball ausführlich zu seinem Recht, aber, so gibt Neukirchner zu bedenken: "Viele Vereine haben ja ihre eigenen Museen. Die behalten ihre wertvollsten Erinnerungsstücke natürlich für sich."

Jupp Heynckes, Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel haben fünf "Elf des Jahrzehntes" zusammen gestellt, deren Leistung auch in Bewegtbildern zu bewundern ist. Überraschung: Uli Hoeneß, Stan Libuda, Willi Schulz oder Mehmet Scholl sind gar nicht dabei.

Aber interessieren die Schuhe von Fritz Walter 1954, das Trikot von Oliver Bierhoff beim EM-Gewinn 1996, irgendwas von Gerd Müller noch wirklich? Neukirchner: "Wir wissen natürlich, dass wir keine Mona Lisa haben. Wir wollen kein Vitrinen-Museum sein. Der Besucher wird erstaunt sein, wie viele Bewegtbilder er geboten bekommt, denn Fußball ist ja dynamisch. Und dann werden die rund 1600 statischen Exponate fast lebendig."

Am 25. Oktober öffnet das Museum nach drei Jahren Bauzeit seine Pforten für die Öffentlichkeit - mit knapp einem Jahr Verspätung, denn drei Baufirmen gingen Pleite, was zu Zeitverzögerungen führte. Die Verantwortlichen des DFB und der Stadt Dortmund hatten meistens den billigsten Anbieter ausgewählt, der - wie sich herausstellte - oft zu knapp kalkuliert hatte, um den Auftrag zu schnappen. Immerhin sind die Kosten im kalkulierten Rahmen von 36 Millionen Euro geblieben und nicht wie beim Flughafen in Berlin oder der Elbphilharmonie in Hamburg explodiert.

Allerdings erscheint der Eintrittspreis mit 17 Euro am Wochenende an der Tageskasse nicht gerade Fußballfan-freundlich. Zwar werden für Schulklassen und Jugendmannschaften Ermäßigungen gewährt, aber das Familienticket (zwei Erwachsene, zwei Kinder) schlägt immer noch mit 55 Euro zu Buche. Wer dann nach zwei Stunden Museumsbesuch den Kleinen noch ein Eis oder eine Cola spendieren möchte und selber ein Bier des DFB-Sponsors genießen will, hat einen wahrscheinlich schönen, aber auch teuren Tag hinter sich - selbst wenn bei Online-Vorbuchung zwei Euro Rabatt gewährt werden und die Eintrittskarte zur kostenlosen Nutzung der Züge und Busse im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr berechtigt.

Neukirchner verteidigt seiner Aufgabe entsprechend die Preispolitik: "Wir sind kein staatliches Museum und erhalten demnach keine Zuschüsse. Wir müssen kostendeckend arbeiten. Was glauben Sie, was die Stadt Dortmund und der DFB uns sagen würden, wenn das Museum Verluste einfährt? Außerdem: 17 Euro entsprechen in etwa dem Preis einer Stehplatzkarte bei einem Bundesliga-Spiel."

Nur, dass das Museum ja nicht nur eingefleischte Fans anziehen soll, sondern auch Besucher von Amateurspielen, oder Neugierige, die Fußball bislang nur bei einer WM am Bildschirm betrachten.

260.000 Besucher braucht das Museum pro Jahr, um kostendeckend zu arbeiten; mit 280.000 wird vorsichtig gerechnet. In der ersten Saison dürften es sogar mehr werden, weil die Neugierde groß ist.

Vor allem die multimediale Aufbereitung macht neugierig. So besteht je nach Lust und Laune die Möglichkeit, Ausschnitte großer Spiele und Ereignisse individuell zu betrachten oder aber sogar drei Minuten lang selber ein Fußballspiel zu kommentieren; der Mitschnitt kann dann erworben werden.

Jede halbe Stunde gibt es dreidimensionale Bewegtbilder im Raum, was zu einem magischen Gemeinschaftserlebnis führen soll - eben wie bei einem großen Spiel live im Stadion. Man darf gespannt sein.

(sid)
 
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