| 16.32 Uhr

"Dieses Tor nimmt mir keiner mehr"
Ein Treffer für die (Futsal-)Geschichtsbücher

Deutsches Futsal-Team besiegt England
Deutsches Futsal-Team besiegt England FOTO: dpa, dbo kde
Hamburg. Beim 5:3-Sieg gegen England hat Timo Heinze (Futsal-)Geschichte geschrieben: Der Mannschaftskapitän erzielte das erste Tor der deutschen Futsal-Historie. Von Phillip Oldenburg

"Ein schönes Tor war es nicht, aber ich hoffe, dass da nachher keiner mehr nach fragt", sagte der Torschütze über seinen historischen Treffer. "Dieses Tor nimmt mir keiner mehr." Stefan Winkel (Hamburg Panthers) hatte sich mit einer schönen Einzelaktion auf der linken Seite durchgesetzt und den Ball scharf vor das Tor der Engländer gespielt. Heinze stand da, wo man beim Futsal zu stehen hat – am zweiten Pfosten. Der Mann von den Futsal Panthers Kölner drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie.

Heinze riss nach dem Treffer die Arme hoch und ließ sich anschließend am Boden liegend von seinen Teamkollegen und den 2092 Zuschauern in der ausverkauften Inselparkhalle in Hamburg-Wilhelmsburg, unter ihnen auch DFB-Präsident Reinhard Grindel, Vizepräsident Rainer Koch und der langjährige U-21-Coach Horst Hrubesch, feiern. "Damit geht er in die Annalen ein", sagte Koch.

Die Namen und Gesichter der Nationalspieler, die ihren Sport allesamt als Hobby betreiben, kannten bis zur Premiere nur die wenigsten Anhänger. Ausgerechnet der Name des ersten Torschützen dürfte allerdings schon vor dem Länderspiel nicht nur in der Futsal-Szene bekannt gewesen sein.

Der 30-Jährige ist mit seiner Geschichte der unvollendeten Fußballkarriere berühmt geworden. 2012 erschien sein Bestseller "Nachspielzeit: Eine unvollendete Fußballkarriere", für den Thomas Müller das Vorwort verfasst hat. In seiner Jugend durchlief Heinze nahezu alle Juniorenmannschaften des FC Bayern München, rückte in die Nationalkader der U16, U17 und U19 und spielte sogar für die Bayern-Amateure in der Dritten Liga. Doch der Sprung in den Profifußball blieb ihm verwehrt.

Durch den Futsal hat der Psychologiestudent es nun doch zum Nationalspieler geschafft. Lobende Worte gab es hinterher sogar von einem Fußball-Weltmeister. "Glückwunsch zum ersten Länderspiel und zum ersten Länderspieltor", sagte Mats Hummels vom FC Bayern München in Richtung seines einstigen Weggefährten. Beide liefen in jungen Jahren gemeinsam für die Amateure des Rekordmeisters auf.

Noch vor der Pause durfte das Nationalteam einen zweiten Treffer bejubeln. Timo di Giorgio erzielte nach einer Freistoßablage des Hamburgers Winkel das 2:0. Zwei Unachtsamkeiten bestrafte der Engländer Douglas Reed aber per Doppelschlag noch vor der Pause (19./20.) mit dem Ausgleich.

Deutschland dominiert nach der Pause

Doch auch nach dem Seitenwechsel war von einem Klassenunterschied, den Nationaltrainer Paul Schomann vor der Partie immer wieder herbeiredete, nichts zu sehen. Im Gegenteil: In der zweiten Halbzeit war das DFB-Team den Engländern, die schon seit 2003 Futsal betreiben, deutlich überlegen. Acht Minuten vor dem Ende (32.) erhöhte der Futsal-Neuling durch den starken Michael Meyer auf 5:2.

Meyer, der wie Winkel bei den Hamburg Panthers spielt, konnte sich vor allem dank seiner feinen Technik und Schnelligkeit immer wieder im eins gegen eins durchsetzen und so für Gefahr sorgen. "Das war der Wahnsinn. In der eigenen Stadt, dann auch noch gegen England, das erste offizielle Länderspiel zu absolvieren, und am Ende 5:3 zu gewinnen – besser geht's nicht", sagte Meyer. Und auch Heinze war zufrieden mit dem Debüt. "Wir stehen trotz des verdienten Sieges erst am Anfang. Aber das war schon ein Meilenstein für uns.

Am Dienstag (18 Uhr/Live bei Sport1) fordert das DFB-Team die Briten an gleicher Stelle erneut heraus. Heinze wird dann allerdings nicht im Kader sein. Ein Magen-Darm-Infenkt setzt den Kapitän außer Gefecht. Schon beim Debüt musste der gebürtige Rosenheimer vorzeitig vom Platz. "Eigentlich wollte ich bis zur Halbzeit durchhalten, aber kräftemäßig ging bei mir nicht mehr viel." Sein Stellvertreter Nils Klems von den Holzpfosten Schwerte wird dann wohl seinen Part übernehmen und die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen.

Für die deutsche Mannschaft sind die beiden Partien gegen die Nummer 30 der europäischen Rangliste eine erste Standortbestimmung auf dem Weg zur ersten EM-Qualifikationsrunde im Januar 2017 in Riga/Lettland. Dort treffen die Schützlinge von Schomann auf den Gastgeber, Estland und Armenien - nur der Gruppensieger erreicht die zweite Ausscheidungsrunde.

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