1. Bundesliga 16/17
| 14.58 Uhr

Kaiser "todunglücklich"
Beckenbauer hat keine Hoffnung mehr für den HSV

Bundesliga: Die Chancenverwertung der Klubs
Bundesliga: Die Chancenverwertung der Klubs FOTO: afp, cs/dg
Die Politik sorgt sich, die Wirtschaft warnt - Franz Beckenbauer sieht schwarz: Der erste Bundesliga-Abstieg des Hamburger SV hätte gravierende Folgen.

Für einen kurzen Augenblick verlor Olaf Scholz seine hanseatische Zurückhaltung. Als DOSB-Präsident Alfons Hörmann zu einem Abgesang auf den taumelnden Hamburger SV anzusetzen drohte, fiel ihm Hamburgs Erster Bürgermeister entschlossen ins Wort. "Noch ist es nicht gelaufen, es wird noch gut gehen", rief Scholz bei der Hamburger Soiree.

Während die Politik um ihr sportliches Aushängeschild zittert, rechnet die Wirtschaft bereits die möglichen Folgen des Horror-Szenarios durch: Der erste Abstieg des Bundesliga-Gründungsmitglieds würde die Elbmetropole empfindlich treffen. Und auch eine Ikone des deutschen Fußballs mit Hamburger Vergangenheit würde erheblich leiden.

Von 1980 bis 1982 trug Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer das Trikot des HSV. Nun stellte der 69-Jährige seinem Ex-Klub ein vernichtendes Zeugnis aus. "Ich sehe keinen Punkt, der Hoffnung macht", sagte der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft beim Camp Beckenbauer am Dienstag. Er sei "todunglücklich", aber "wenn ich mir den HSV jetzt anschaue, dann sehe ich überhaupt keine Anhaltspunkte, wie diese Mannschaft in der Liga bleiben kann".

Bundesliga: Das Restprogramm der Abstiegs-Kandidaten FOTO: dpa, Carmen Jaspersen

Mit dem bitteren Gang ins Unterhaus des deutschen Fußballs ginge ein erheblicher Image-Verlust einher. "Eigentlich muss der Verein erstklassig sein und regelmäßig europäisch spielen, um ein internationaler Botschafter der Stadt Hamburg zu sein", sagte Jörn Arfs von der Handelskammer Hamburg dem SID. Unmittelbare Einbußen befürchten die Experten vor allem in Merchandising, Gastronomie, Einzelhandel und Hotelgewerbe. Laut einer im Hamburger Abendblatt veröffentlichten Rechnung des Hamburger WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) könnten der Stadt bis zu 50 Millionen Euro netto im Jahr verloren gehen, wenn der HSV und auch noch der ebenfalls gefährdete Zweitligist FC St. Pauli absteigen würden.

Auch der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 ist die schwere Krise des einstigen Vorzeigeklubs HSV wenig zuträglich. Die Präsenz von Profisportvereinen habe für die nachhaltige Vermarktung als Sportstandort eine wichtige Bedeutung, erklärte HWWI-Direktor Henning Vöpel dem Blatt: "Hamburgs mutmaßlicher Konkurrent Boston etwa wird im Zusammenhang mit Sport stark über die Celtics, die Bruins und die Red Sox wahrgenommen." Der HSV droht dagegen vom internationalen Fernsehbild zu verschwinden. Für die 2. Liga interessieren sich in China, den USA oder am Persischen Golf nur absolute Freaks.

Kein Wunder, dass auch DOSB-Präsident Hörmann dem Traditionsklub aus der deutschen Kandidatenstadt für 2024 die Daumen drückt und die Entwicklung "durchaus mit Schmerzen" verfolgt. Der 54-Jährige verwies bei der Soiree aber auch auf die "Chance, einfach mal eine Zäsur zu vollziehen und mal ganz vieles grundsätzlich infrage zu stellen. Aus der Krise kann ja oftmals auch die große Chance entwickelt werden", so Hörmann bei der Abendveranstaltung.

An ein mögliches Untergangsszenario mag in der Hansestadt jedoch noch kaum jemand denken. Die 1. Liga gehört zu Hamburg wie der Fischmarkt, der Michel oder die Alster. Doch angesichts des Sturzes auf den letzten Tabellenplatz und der großen Unruhe rund um das Team von Acht-Spiele-Trainer Peter Knäbel nimmt die Hoffnung von Tag zu Tag ab. Das Nordderby am kommenden Sonntag (15.30 Uhr/Sky) bei Werder Bremen ist richtungweisend.

"Es ist eine Frage an den Verein und vor allen Dingen an die Spieler, jetzt Charakter zu zeigen", sagte Hamburgs Innen- und Sportsenator Michael Neumann. Und sprach vielen Hanseaten aus der Seele: "Ich kann und will mir Hamburg ohne den HSV in der Bundesliga nicht vorstellen."

(sid)
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