1. Bundesliga 16/17
| 11.54 Uhr

Trainer-Rauswurf bestätigt
HSV beurlaubt Labbadia – übernimmt Gisdol?

Twitter-Reaktionen auf Labbadias Entlassung
Twitter-Reaktionen auf Labbadias Entlassung
Hamburg. Der Hamburger SV hat sich von Trainer Bruno Labbadia getrennt. Das bestätigte der Klub am Sonntag. Markus Gisdol soll als Nachfolger bereits bereitstehen.

"Dieser Schritt ist angesichts unseres sportlichen Trends notwendig", sagte Klub-Chef Dietmar Beiersdorfer: "Ich bin der Überzeugung, dass wir jetzt eine Veränderung auf der Trainerposition vornehmen müssen, um nach dem enttäuschenden Saisonstart den sportlichen Turnaround zu schaffen."

Nach der langen Vorbereitung und den bisherigen Spielen müsse er konstatieren, "dass unsere fußballerische Entwicklung insgesamt nicht unseren Vorstellungen entspricht", sagte der Vorstandsvorsitzende.

Labbadia äußerte sich versöhnlich und übernahm die Verantwortung für die sportliche Talfahrt. "Es ist schade, dass wir jetzt zu Beginn der Saison nicht die nötigen Ergebnisse erzielen konnten", teilte der Coach auf der Facebook-Seite des HSV mit und sprach von einer "wahnsinnig intensiven" Zeit: "Es hat mir sehr viel bedeutet, Trainer des HSV sein zu können. Ich habe mich jeden Tag mit dieser Aufgabe identifiziert."

Beiersdorfer dankte Labbadia für dessen Arbeit in den vergangenen Monaten. "Ich möchte mich im Namen des gesamten HSV bei Bruno für seine geleistete Arbeit bedanken. Es bleibt unvergesslich, was er in einer sehr herausfordernden und schwierigen Zeit erreicht hat."

Der HSV-Vorstandschef hatte am Samstag nach der 0:1-Heimniederlage gegen Meister Bayern München und nach nur einem Punkt aus fünf Spielen erneut ein klares Bekenntnis zu Labbadia verweigert und interne Gespräche über dessen Zukunft angekündigt. Gisdol war zuletzt Trainer bei 1899 Hoffenheim.

Der 50-Jährige Labbadia hat den Rückhalt von Klub-Chef Beiersdorfer verloren und auch Geldgeber Klaus-Michael Kühne soll vom Helden der Relegation von 2015 abgerückt sein.

"Diese völlig unzureichende Leistung müssen wir jetzt erst einmal verdauen", sagte Beiersdorfer, der sich nach den Millionen-Investitionen im Sommer viel mehr erwartet hat, nach der Partie knallhart und kündigte an, die Situation "analysieren" zu wollen. Ob Labbadia nächste Woche in Berlin gegen Hertha BSC noch auf der Bank sitzen werde? "Das kann ich noch nicht sagen", meinte Beiersdorfer bei Sky.

Labbadia kennt das Geschäft natürlich nur zu gut, der Trainer gab sich wegen seiner Zukunft auch keinen Illusionen hin. "Was kommen wird, tangiert mich wenig", sagte er tapfer. Doch der einstige Stürmer spürt natürlich, dass seine Verdienste aus dem Vorjahr und die Rettung vor der Zweitklassigkeit nun nichts mehr wert sind.

Und Labbadia gab sich auch durchaus selbstkritisch. "Wir haben nur einen Punkt – das ist unterm Strich einfach zu wenig", sagte Labbadia, der den Pflegefall HSV am 15. April 2015 übernommen hatte und dann noch vor dem sicher geglaubten Abstieg retten konnte.

Doch Labbadia hat es in diesem Sommer nicht geschafft, der neuformierten Mannschaft eine Spielidee zu geben, Identität zu stiften. Auch gegen die Bayern war der HSV zwar bissig, aber es mangelt am Kombinationsspiel, am Fußballerischen. Dass sich das Team trotz des hohen Aufwandes nicht belohnt, nimmt er "auf meine Kappe", sagte Labbadia, nachdem ihm Joshua Kimmich (88.) mit seinem späten Treffer den ersehnten Punkt weggeschnappt hatte.

Und auch wenn sich die Spieler wie Torwart René Adler oder Kapitän Johan Djourou ("Der Verein braucht Stabilität. Labbadia ist der richtige Mann für die Situation.") für einen Verbleib Labbadias ausgesprochen haben, ist dessen Zeit in Hamburg abgelaufen.

(dpa)
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