1. Bundesliga 16/17
| 13.23 Uhr

Krise beim Hamburger SV
Nach dem Fehlstart reagiert Labbadia ratlos und gereizt

Porträt in Bildern: Das ist Bruno Labbadia
Porträt in Bildern: Das ist Bruno Labbadia FOTO: dpa, awa hae jhe
Hamburg. So viele Pfiffe und Empörung hat es lange nicht gegeben im Volksparkstadion. Die Anhänger waren nach dem 0:4 des HSV gegen Leipzig und dem Fehlstart in die Saison bedient. Trainer Labbadia wirkte hilflos bei der Suche nach einem Ausweg aus der Krise.

Auf Fragen zu seiner Zukunft hatte Bruno Labbadia nun wirklich keine Lust. Dünnhäutig und verärgert brach der Trainer des Hamburger SV ein TV-Interview ab. Die Krise des Bundesliga-Dinos hat beim einstigen Retter Spuren hinterlassen. Saisonübergreifend ist sein HSV 2016 die schlechteste Bundesliga-Mannschaft. Für die bittere 0:4-Pleite gegen Aufsteiger RB Leipzig bekamen Labbadia und seine Profis ein gellendes Pfeifkonzert von den Rängen zu hören. "Wir haben 4:0 gegen Leipzig verloren – das sagt doch alles. Mir tut es für jeden von uns leid, der heute unsere Farben tragen musste", sagte Lewis Holtby.

Mehr als 30 Millionen Euro investierte der HSV im Sommer in die Mannschaft. Labbadia setzt aber zum großen Teil noch auf die alten Spieler. Die Frage, die sich viele Hamburger nach drei Spieltagen in der Fußball-Bundesliga und nur einem Punkt stellen: Ist Labbadia der Richtige, um eine Spitzenmannschaft zu formen?

Der 50-Jährige brachte nach öffentlichem Druck erstmals den brasilianischen Neuzugang Douglas Santos. Alen Halilovic kam erst in der 70. Minute aufs Feld, da führte RB Leipzig bereits mit 1:0. 120 Sekunden später stand es 2:0 für die Gäste. Für den vom FC Barcelona ausgeliehenen Profi nahm Labbadia Aaron Hunt vom Platz. Er sollte den HSV als offensiver Regisseur führen. Nach einer vergebenen Großchance in der 45. Minute spielte Hunt aber immer unsicherer. "Aaron hat das beschäftigt", gab Labbadia zu. Letztlich erlebte die gesamte Mannschaft wie schon beim 1:3 in Leverkusen einen Einbruch.

HSV-Chef Beiersdorfer vertraut Labbadia 

Dietmar Beiersdorfer setzt trotz des Fehlstarts weiter auf Trainer Labbadia. "Bruno kann es schaffen. Er hat schon oft bewiesen, dass er eine Mannschaft kurzfristig wieder aufbauen kann", sagte Beiersdorfer am Tag nach der 0:4-Heimpleite. Die nach nur einem Punkt aus drei Spielen aufgekommene Unruhe im Umfeld sei "normal. Aber wir werden es hinkriegen", sagte der Ex-Profi am Sonntag.

Sein Trainer wollte mit schnellem Flügelspiel den Gegner überlisten und dann zuzuschlagen. Die 22 Flanken der Hamburger fanden aber keine Abnehmer. Bobby Wood verlor fast alle Kopfballduelle. Pierre-Michel Lasogga hatte Labbadia aus dem Kader verbannt – eine Begründung blieb Labbadia bislang schuldig.

Angesprochen auf die Gesamtsituation und eine mögliche Diskussion um seine Person, reagierte Labbadia nach der Pleite gegen die ungeschlagenen Leipziger gereizt. Mit 2:8 Toren aus drei Spielen und dem einen Punkt durch das Auftakt-1:1 gegen den noch sieglosen FC Ingolstadt dümpelt seine Mannschaft in den untersten Regionen der Tabelle.

Gegen die Leipziger ging es letztlich schnell. Eine Halbzeit lang passierte wenig, dann gelang Emil Forsberg per Foulelfmeter die Führung (65.). Zwölf Minuten später stand es nach den beiden Treffer von Timo Werner (72.,77.) 3:0. Davie Selke (90.+1) stellte in der Nachspielzeit den Endstand her.

"Wir hatten uns viel vorgenommen, Knackpunkt war, dass wir nicht selber ein Tor gemacht haben", lautete Labbadias Analyse. Die Möglichkeit, es besser zu machen, haben er und seine Mannschaft schon am Dienstag beim SC Freiburg, am Samstag kommt der deutsche Rekordmeister FC Bayern München.

(dpa)
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