1. Bundesliga 17/18
| 14.37 Uhr

Chaostage in Hamburg
HSV feuert Trainer Hollerbach nach nur sieben Wochen

Das ist Bernd Hollerbach
Das ist Bernd Hollerbach FOTO: dpa, ahe hpl
Hamburg. Der stark abstiegsgefährdete Hamburger SV hat sich nach nur sieben Wochen von Trainer Bernd Hollerbach (48) getrennt. Das bestätigte der Verein am Montag. Der Nachfolger steht schon fest.

Heribert Bruchhagen? Abgesetzt! Jens Todt? Freigestellt! Bernd Hollerbach? Gefeuert! Die Chaostage in Hamburg haben ihr nächstes Opfer gefordert. Vier Tage nach dem Vorstandsboss und dem Sportchef musste beim HSV nun auch Trainer Hollerbach seinen Posten räumen. Für ihn übernimmt Bundesliga-Neuling Christian Titz die Mission Impossible beim abgestürzten Traditionsklub.

"Ich bin natürlich sehr enttäuscht", sagte Hollerbach dem Hamburger Abendblatt. Kurios und bezeichnend: Der Franke erfuhr von seinem Rauswurf angeblich erst, als die Nachricht im Internet längst die Runde machte. Am Nachmittag bestätigte der zuletzt immer planloser wirkende Klub dann auch die weitreichende Personalentscheidung.

Die Trainerwechsel der Saison 2017/18 FOTO: rtr, apt

"Wir haben die sportliche Gesamtlage nach der 0:6-Niederlage in München intensiv analysiert und diskutiert", sagte der kommissarische Vorstandschef Frank Wettstein. Am Ende sei er zusammen mit dem neuen Präsidenten und Aufsichtsratsboss Bernd Hoffmann und Bernhard Peters, Direktor Sport, zur "Überzeugung gelangt, dass wir im Hinblick auf unsere Chancen im Kampf um den Klassenerhalt handeln mussten".

Unter der Führung von Hoffmann hat der HSV damit binnen fünf Tagen die komplette Führungsmannschaft ausgewechselt. Sieben sieglose Wochen durfte Hollerbach beim HSV herumwursteln, die Rettung wurde ihm nach dem Debakel bei Bayern München nicht mehr zugetraut.

Titz übernimmt, von Heesen wird Berater

Stattdessen soll der bisherige U21-Coach Titz den Dino an den letzten acht Spieltagen doch noch vor dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte bewahren. Er ist in dieser Saison nach Hollerbach und Markus Gisdol bereits der dritte Coach auf der HSV-Trainerbank - und Hamburgs allerletzter Trumpf im Bundesliga-Überlebenskampf. In Thomas von Heesen wurde ihm ein erfahrener Ex-Profi als Berater zur Seite gestellt. Der Vertrag von Titz gilt vorerst bis zum Saisonende.

Die Klubspitze im Schwebezustand, die Mannschaft zerstritten, die Fans zwischen Resignation und Aggression: Die Atmosphäre beim HSV ist momentan irgendwo zwischen vergiftet und hoch explosiv. Ob ausgerechnet der bundesliga-unerfahrene Titz, inklusive Interimslösungen Trainer Nummer 16 seit 2008, für neue Ordnung im HSV-Wirrwarr der letzten Wochen und Monate sorgen kann, darf bezweifelt werden.

Dennoch klammern die Hanseaten ihre letzten Hoffnungen an den 46 Jahre alten gelernten Betriebswirt, der die HSV-Reserve an die Tabellenspitze in der Regionalliga Nord führte. Titz wird am Dienstag sein erstes Training im Volkspark leiten und im Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen Hertha BSC erstmals auf der Bank sitzen. Dann besteht oberste Siegpflicht: Nach 13 Spielen ohne Dreier beträgt der Rückstand des HSV zum Relegationsplatz sieben Punkte.

Übersicht: Die HSV-Trainer seit 1997 FOTO: dpa, dan hpl

Hollerbach, verdienter Ex-Profi der Rothosen, verzweifelte letztlich an dem ständigen Tohuwabohu in der Hansestadt - und an seinem Team. Unter dem früheren Linksverteidiger schaffte der HSV keinen einzigen Sieg und holte mickrige drei Punkte. Aus einem Punkt Rückstand zu Platz 16 wurden sieben.

Hollerbachs Vertrag lief noch bis 2019, der gelernte Metzger hätte den HSV im Falle des wahrscheinlichen Abstiegs wieder zurück ins Oberhaus führen sollen. Doch der von Bruchhagen und Todt ausgeheckte Plan ist längst obsolet. Der neue starke Mann Hoffmann hatte bereits am Donnerstag den kompletten "Neuanfang" ausgerufen und damit wie Wettstein den Anfang vom Ende Hollerbachs eingeleitet.

(dpa)
 
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