1. Bundesliga 16/17
| 17.35 Uhr

Hamburger SV
Geht Zinnbauer zurück zur U23?

26. Spieltag: Reaktionen
26. Spieltag: Reaktionen FOTO: dpa, geb hak
Hamburg. Nach dem 0:1 gegen Hertha und dem Absturz auf den Relegationsplatz plagt sich die HSV-Spitze mal wieder mit der Trainerfrage. Die Ablösung von Coach Zinnbauer zeichnet sich ab. Mit einer Nachfolge-Lösung scheinen sich die Verantwortlichen schwerzutun.

Retter wieder gesucht! Nach dem erneuten Absturz auf den Relegationsplatz hat der Hamburger SV erneut die Trainerfrage gestellt. Die Ablösung des glücklosen Cheftrainers Josef Zinnbauer zeichnete sich beim Krisengipfel der Führungstroika zwar ab, mit einer Wunschlösung taten sich die Verantwortlichen zwei Tage nach dem 0:1 gegen Hertha BSC und dem sechsten Spiel ohne Sieg aber offenbar schwer. Zinnbauer, der erst am 16. September für Mirko Slomka gekommen war, soll nach ARD-Informationen wieder zurück ins zweite Glied und wie zuvor die U23 übernehmen.

Als potenzielle Zinnbauer-Nachfolger sind Europapokal-Held Thomas von Heesen, der 1983 mit dem HSV den Landesmeister-Pokal gewonnen hat, und selbst Sportchef Peter Knäbel im Gespräch, der die Fußballlehrer-Lizenz besitzt. Laut ARD sollen aber nicht alle Entscheider von von Heesen als Retter überzeugt sein. Der frühere HSV-Profi und -Trainer Bruno Labbadia dürfte für die Rolle als "Feuerwehrmann" nicht zur Verfügung stehen.

"In den Gesprächen müssen wir glaubhaft von dem Plan überzeugt sein, den wir diskutieren", hatte Knäbel der "Bild am Sonntag" vor der Sitzung gesagt. Zusammen mit mit Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer und dem Direktor Sport Bernhard Peters war das Gremium am Sonntag an einem geheimen Ort zusammengekommen - und hatte wie so oft in den letzten Jahren über den Trainer diskutiert. Obwohl beim HSV die Spieler das eigentliche Problem sind, weil sie kein Team bilden.

Keine Tabus

Einem Bericht des NDR zu Folge soll der vertraglich bis 2016 gebundene Zinnbauer das Angebot erhalten haben, wieder die in der Regionalliga Nord spielende U23 des HSV zu übernehmen. "Es gibt keine Tabus", sagte Knäbel am Wochenende mit Blick auf das zwar geplante, aber zum Krisentreffen gewordene Gespräch erklärt. Bei einem Ende der Ära Zinnbauer hätte der HSV in 18 Jahren schon den 18. Trainer verschlissen. Zinnbauer war im Herbst auf Slomka gefolgt, mit dem der HSV in der Relegation knapp den Klassenverbleib geschafft hatte.

Knäbel hatte schon nach dem Hertha-Spiel ein klares Bekenntnis zum Coach vermissen lassen. "Wir werden in den nächsten Tagen alles analysieren und uns auf die acht Spiele ausrichten." Er fügte aber hinzu: "Es ist nicht so, dass wir jetzt nur über den Trainer richten.
Wir werden mit ihm darüber sprechen, was zu tun ist", betonte er.
"Ich mag keine Leute, die irgendwelche Treueschwüre machen, und an Tag eins zaubern sie plötzlich jemanden aus dem Hut. Es kann nicht sein, dass man nicht weiß, was man tun würde, wenn man in eine andere Richtung geht."

Eigentlich gefällt dem Vorstand die Vorstellung von Fußball, die Zinnbauer vertritt: Offensive Spielweise plus Einbindung eigener Talente. Im Abstiegskampf ist jedoch alles anders. Das HSV-Team ist verunsichert. Da reicht eine Standardsituation wie gegen Hertha, als Sebastian Langkamp in der 84. Minute einköpfte und der HSV wieder mit leeren Händen dastand. "Ich glaube nicht, dass die Qualität fehlt", sagte Zinnbauer, der sich vor die Mannschaft stellte. Ihm selbst geht es nur um den Nichtabstieg des Liga-Dinos: "Es geht nicht um mich, es geht um den HSV. Ich verspüre nach wie vor Rückendeckung."

Gegen den 44-Jährigen spricht neben der jüngsten Sieglosserie auch die Tatsache, dass keine sportliche Weiterentwicklung erkennbar ist. Zwar gelang es dem früheren U23-Coach, abgesehen von der 0:8-Schlappe bei Bayern München, die Defensive zu stabilisieren. Dagegen ist die HSV-Offensive mit der katastrophalen Ausbeute von 16 Treffern und dem traurigen Vereins-Negativrekord von 15 Partien ohne eigenen Torerfolg das große Problem, wie selbst Ersatzkapitän Johan Djourou einräumt.

"Wir reden über den Trainer, aber wir Spieler müssen mehr machen", so der Schweizer Nationalspieler. Auch Verteidiger Dennis Diekmeier beteuerte: "Jeder weiß, dass wir hinter Joe Zinnbauer stehen. Er ist ein sehr ehrgeiziger Trainer und gibt immer Gas." Für die HSV-Oberen reicht dies aber wohl nicht für eine Fortsetzung bei den Profis.

(dpa)
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