1. Bundesliga 17/18
| 14.46 Uhr

Relegations-Endspiel gegen Wolfsburg
Der HSV kann nicht mal direkt absteigen

Spätes Schalke-Tor gegen HSV wird abgepfiffen
Spätes Schalke-Tor gegen HSV wird abgepfiffen FOTO: dpa, a hak
Der Hamburger SV hat die Chance auf den direkten Klassenerhalt gewahrt. Beim 1:1 auf Schalke erzielte Pierre-Michel Lasogga in der Nachspielzeit den wichtigen Hamburger Treffer und hatte dann noch Glück. Von Gianni Costa, Gelsenkirchen

Ein Anhänger des Hamburger SV schaltete an diesem Wochenende eine Anzeige. "An alle Fußball-Fans", schrieb er "die nicht so viel Glück haben, so einem Verein anzugehören, noch mal die Eckdaten: 6 x deutscher Meister, 3 x Pokalsieger, immer 1. Liga (P.S.: Relegation ist nur einmal im Jahr! Hanseatische Grüße: Der Fensterputzer) Nur der HSV." Der Bundesliga-Dino, seit Gründung der Spielklasse 1963 ununterbrochen dabei, wahrt auch in diesem Jahr die Chance auf den Verbleib in der Beletage des deutschen Fußballs.

Dabei haben zwei Dinge maßgeblichen Einfluss gehabt. Erstens: Der FC Schalke 04. Zweitens: die Schiedsrichter. Aber der Reihe nach. Es spricht für die Verfassung der Hamburger, dass ausgerechnet der personifizierte Anti-Fußballer Pierre-Michel Lasogga entscheidenden Anteil daran hat. Nach dreizehn Monaten (Lasogga: "Wenn man immer Gas gibt, kommt der Tag, an dem man belohnt wird.") traf er mal wieder. Zum 1:1 gegen den FC Schalke. Beim Abschiedsspiel von Klaas-Jan Huntelaar in der Arena traf dessen Nachfolger Guido Burgstaller zur Führung. Bei den Königsblauen hatte man schon vorher geahnt, dass man der nationalen Aufgabe wohl auch diesmal nicht gewachsen sei, den HSV mit einem Sieg eine Spielklasse tiefer zu stoßen.

Kolasinac-Treffer aberkannt

Was aber auch daran lag, dass in der Nachspielzeit ein Kopfballtreffer von Sead Kolasinac nicht gewertet wurde, weil der Ball angeblich bei der vorausgegangen Ecke im Aus gewesen sein soll. Auch die TV-Bilder können keine endgültige Aufklärung bieten. Tendenz: Ball war wohl nicht im Aus. Dem HSV war das herzlich egal. Und so haben es die Hanseaten im letzten Saisonspiel am Samstag gegen den VfL Wolfsburg tatsächlich sogar noch in der eigenen Hand, der Relegation zu entgehen.

Unter Fußball-Fans ist es zum beliebten Volkssport geworden, dem Hamburger SV den Untergang zu wünschen. Zumindest den Absturz in die Zweitklassigkeit verbunden mit allerlei Spott. Kostprobe: "Deutschland beim ESC ist wie der HSV in der Bundesliga. Absteigen nicht möglich", dichtete zum Beispiel das Satiremagazin "extra3" beim Kurznachrichtendienst Twitter. Und es kursieren allerlei Verschwörungstheorien, wie diese abenteuerliche, der DFB wolle den HSV einfach nicht aus dem Kreis der besten 18 Profimannschaften entlassen und habe seine Schiedsrichter angewiesen, nachzuhelfen, wenn nötig.

Pressestimmen: "Der Wahnsinn hat drei Buchstaben: H–S–V!" FOTO: dpa, a hak

Es ist schlicht viel simpler. Die Liga, vor allem in der unteren Region, ist so schwach wie selten. Das Schneckenrennen um den Klassenerhalt dauerte über Wochen an. Nun sind immerhin noch drei Teams (Augsburg, Wolfsburg und der HSV) involviert, die sich für den Relegationsplatz bewerben. Doch auch drumherum liegen nicht gerade Welten zwischen den Konkurrenten. Pokalfinalist Eintracht Frankfurt liegt auf Platz elf gerade einmal sechs Punkte vor den Hamburgern auf dem 16. Platz.

Beim HSV wähnt man sich im Aufwind. "Die Dramaturgie ist jetzt gut für uns. Wir haben ganz kurz vor Schluss etwas Unerwartetes geschafft. Der unmittelbare Druck, direkt absteigen zu können, ist nun weg. Das fühlt sich richtig gut an", sagt Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender in Hamburg. "Wir wissen genau, was wir jetzt für eine Woche vor uns haben. Wir haben entweder ein Spiel oder noch drei Spiele. Jetzt müssen wir alles dafür tun, um das Szenario mit einem Sieg gegen Wolfsburg direkt in der Liga zu bleiben, zu erreichen. Das streben wir an, ist doch klar."

Und es ist wohl allen Fußballfans klar, dass der HSV sich auch diesmal retten wird. Irgendwie.

(gic)
 
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