1. Bundesliga 17/18
| 14.45 Uhr

HSV feiert Teenager Arp
"Uns Uwe" ist großer Fan von "Uns Fiete"

11. Spieltag: Elf des Tages
11. Spieltag: Elf des Tages FOTO: dpa, chc
Hamburg. Der zuvor letzte HSV-Sieg war eine gefühlte Ewigkeit her. Nach dem 3:1 gegen Stuttgart ist Entspannung im Norden eingekehrt. Und gewaltige Begeisterung für die neuen Hoffnungsträger. Sogar HSV-Idol Uwe Seeler wird zum "Fiete-Fan".

Selbst Fußball-Idol Uwe Seeler adelt Youngster Jann-Fiete Arp. "Ich bin nicht böse, wenn er 'Uns Fiete' genannt wird", sagte der Ehrenspielführer der DFB-Auswahl, dessen Spitzname "Uns Uwe" lautet, am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Am Tag vor Seelers 81. Geburtstag hatte der Hamburger SV den VfB Stuttgart mit 3:1 besiegt und eine lange Misserfolgserie beendet. Seelers Nach-Nachfolger Arp glänzte dabei mit einem Tor und forschem Spiel.

"Das hat der Bursche sehr gut gemacht. Ich hoffe, dass man weiterhin richtig mit ihm umgeht. Er ist eine Bereicherung", lobte der frühere Topstürmer Arp, der gegen Stuttgart erstmals in der Startelf stand und - wie einst Seeler - gleich mit dem Toreschießen loslegte.

Alle reden deshalb über Youngster Arp, aber er selbst darf nichts sagen. Um das 17 Jahre alte HSV-Ausnahmetalent vor einem möglichen Hype zu schützen, wurde der Stürmer mit dem besonderen Torriecher nach dem wichtigen Heimsieg sofort in die Kabine eskortiert.
Reporterfragen waren unerwünscht. "Die Erwartungshaltung darf nicht zu hoch schießen", warnte HSV-Trainer Markus Gisdol und meinte: "Es ist nicht so schlimm, ihn nicht gleich in den Mittelpunkt zu stellen. Es wird so viel Wirbel gemacht um den jungen Burschen."

Hoffnungsträger drückt noch die Schulbank

Gisdols Wunsch ist verständlich. Schließlich ist Arp hauptamtlich Abiturient am Gymnasium Heidberg und nur nebenbei Teilzeit-Profi mit drei Trainingseinheiten pro Woche. Doch mit seinem zweiten Tor im dritten Bundesliga-Einsatz hat sich der Junioren-Nationalspieler zum HSV-Hoffnungsträger katapultiert. Sein Name steht für das Ende der Serie von acht sieglosen Partien und wird in Verbindung gebracht mit dem 500. Heimsieg in der Liga-Geschichte des Vereins. "Das ist mir ehrlich gesagt schon etwas unheimlich. Ich möchte mich einfach nur auf den Fußball konzentrieren", zitierte der HSV den Gefeierten.

Gisdol brachte das forsche Edeltalent, das vor Monaten dem FC Chelsea eine Absage erteilt hatte, als Ersatz für seinen Stamm-Stürmer Bobby Wood. Der Amerikaner hat im gesamten Jahr 2017 nur zweimal ins Netz getroffen. Lange Zeit hatte der Trainer Geduld mit Wood bewiesen, sie letztlich aber verloren. "Irgendwann muss auch zurückgezahlt werden", meinte er müde und zermürbt von den Enttäuschungen im Wochenrhythmus.

Die verlorenen HSV-Talente FOTO: AP

Dann kam Arp. "Er hat das Tor gemacht wie ein Vollblutstürmer", schwärmte Sportchef Jens Todt und möchte den Knipser am liebsten sofort über das Jahr 2019 binden: "Wir haben ja erst vor wenigen Monaten um einen weiteres Jahr verlängert. Aber Fietes Berater weiß Bescheid, dass wir 24 Stunden am Tag gesprächsbereit wären."

Dass es mit dem Abiturienten und dem 20 Jahre alten japanischen Kunstdribbler und Passgeber Tatsuya Ito wesentlich erfolgreicher läuft, freut Gisdol vermutlich am meisten. Schließlich war er wegen demoralisierender Sieglosigkeit immer stärker unter Druck geraten, obwohl Vorstand und sportliche Leitung ihm die Treue schwören. Aber auch sie hatten den Coach zuletzt vernehmlich ermahnt, endlich mit dem Punktesammeln zu beginnen. Nun hat Gisdol vorerst Ruhe.

Gisdol vor Balanceakt

Für die Öffentlichkeit will der Coach keine Jugend-Manie zulassen. "Die Jungs können sich nur entwickeln, wenn sie eine Mannschaft um sich haben, die ihnen hilft", sagte er. Gisdol muss das Kunststück fertigbringen, die jungen Hoffnungsträger vor Höhenflügen zu bewahren und sie zugleich erst gar nicht die Bürde der Verantwortung spüren zu lassen. Unter deren Last sind gestandene und zuvor erfolgreiche Profis gleich reihenweise beim HSV zusammengebrochen. Nicht umsonst heißt es häufig: Wer zum HSV geht, wird garantiert schlechter.

Über den verdienten HSV-Sieg maulten die Stuttgarter. Sie zweifelten die Rechtmäßigkeit an, da Guido Winkmann eine Fehlentscheidung getroffen hatte. Der Referee schickte Abräumer Dzenis Burnic schon in der 13. Minute wegen wiederholten Foulspiels per Ampelkarte vom Platz. "Ich habe heute einen Fehler gemacht, da muss ich zu stehen", räumte Winkmann nach Studium der TV-Bilder ein. Pech für den VfB: Bei Gelb-Rot darf der Video-Assistent laut Reglement nicht eingreifen.

(dpa)
 
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