2. Bundesliga 16/17 2. Bundesliga
| 22.26 Uhr

Abstieg vor Augen
Hannovers Aufbäumen kommt zu spät

Hannover 96: Das Aufbäumen kommt zu spät
FOTO: dpa, lmb nic
Ingolstadt. Auch das 2:2 beim FC Ingolstadt zeigt: Hannover 96 hat das Potenzial, ein Bundesligist zu sein. Die guten Leistungen unter Trainer Daniel Stendel kommen allerdings zu spät.

Das Wort "Abstieg" nahm Ron-Robert Zieler nicht in den Mund. Viel lieber sprach er darüber, was sich bei Hannover 96 in den vergangenen zwei Wochen so alles verändert hat. In den drei Spielen unter Trainer Daniel Stendel gelangen ein Sieg sowie zwei Unentschieden, "das Gesamtbild ist ein ganz anderes", betonte Nationaltorhüter Zieler, "wir sind eine Einheit, wir spielen mutig, mit mehr Selbstvertrauen." Nur: "Leider zu spät. Aber besser spät, als nie."

Offensichtlich ist dieser Daniel Stendel aus Frankfurt/Oder die Lösung, nach der Hannover 96 lange gesucht hat, nur eingefallen ist sie den Verantwortlichen zu spät. Und die Frage, ob Stendel nach dem fünften Abstieg aus der Fußball-Bundesliga auch einen umgehenden Wiederaufstieg in Angriff nehmen darf, sie bleibt vorerst unbeantwortet. Zieler sagt über die Zusammenarbeit mit dem 42 Jahre alten Trainer jedenfalls: "Es funktioniert sehr ordentlich", auch wenn es für ein "finales Bild" zu früh sei.

Stendel ist es in Hannover allem Anschein nach gelungen, das auch unter seinem Vorgänger Thomas Schaaf verschüttet geglaubte Potenzial der Mannschaft freizulegen. "Es funktionieren Dinge, die vorher nicht funktioniert haben", sagte Zieler. Und Stendel stellt, wohl auch adressiert an die Entscheidungsträger Martin Kind und Martin Bader, daher fest: "Es ist schön zu sehen, dass die Mannschaft über weite Strecken umsetzt, was wir erarbeitet haben." Und das unter diesen Umständen, wohlgemerkt.

Bemerkenswert war auch in Ingolstadt, dass es Stendel gelang, die Mannschaft so einzustellen, dass sie nicht spielte, als sei sie schon abgestiegen. Auch die Rückschläge während des Spiels steckte sie weg. 0:1 durch Alfredo Morales (10.), Platzverweis für den Ingolstädter Roman Brégerie (20.), trotz Überzahl das 0:2 durch Moritz Hartmann (25.) - da könnte man schon mal den Kopf hängen lassen. Hannover aber raffte sich auf, stürmte in der zweiten Halbzeit, was das Zeug hält.

Am Ende waren Stendel und seine Spieler enttäuscht, dass es nicht zu mehr als den zwei Treffern von Hiroki Sakai (58.) und Hiroshi Kiyotake (82.) gereicht hatte. Ingolstadt ist durch das 2:2 endgültig gesichert - Hannover hätte durch einen Sieg noch einmal ein wenig Aufschub im Abstiegskampf bekommen. Davon mal abgesehen: "Es war wichtig zu sehen, dass die Mannschaft erneut Moral gezeigt hat", sagte Zieler, und betonte noch einmal: "Wir sind eine Einheit. Das ist eine wichtige Erkenntnis."

Der als Übergangstrainer eingeplanten Stendel will sich von der Diskussion um seine Stelle erst mal nicht ablenken lassen. "Ich mache erst mal so weiter", sagte er, und das heißt für Torhüter Zieler: "Wir wollen den Verein Hannover 96 bis zum Ende hin gut repräsentieren." Sie machen es spät, aber besser jetzt als nie. Die Anhänger jedenfalls überzeugte diese Mannschaft am Samstag: "Immer wieder, immer wieder, immer wieder HSV, scheißegal, in welcher Liga, immer wieder HSV", sangen sie. Voller Stolz.

(sid)
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