2. Bundesliga 16/17 2. Bundesliga
| 19.30 Uhr

Überraschende Wende
Hannover erteilt Neururer eine Absage

Fotos: Neururers kurze Rückkehr auf die Bundesliga-Bühne
Fotos: Neururers kurze Rückkehr auf die Bundesliga-Bühne FOTO: dpa, ole jhe
Nach 16 Monaten ist für Trainer Tayfun Korkut bei Hannover 96 Schluss. Angesichts des drohenden Abstiegs aus der Bundesliga gilt die Jobgarantie nicht mehr. Als Nachfolger wurde ein alter Bekannter gehandelt.

Die noch von Tayfun Korkut angeordnete Strafeinheit fand schon ohne den Trainer statt. Wenige Stunden später verhandelte die Führung von Hannover 96 um Clubchef Martin Kind bereits mit Peter Neururer – ohne Einigung. Gegen 19 Uhr berichtete die "Sport Bild", Hannover habe Neururer eine Absage erteilt. Er galt als der Favorit auf die Korkut-Nachfolge und war bereits zweimal Coach in Hannover. Zuletzt hatte er bis Dezember 2014 den VfL Bochum in der 2. Liga betreut. Ein Telefonat mit 96-Manager Dirk Dufner beendete jedoch die Aussichten auf ein Comeback des 59-Jährigen. "Ich habe ihm dann viel Glück gewünscht. Da kann man nichts machen", sagt Neururer der "Bild-Zeitung". "Wir haben gute Gespräche geführt, sind aber nicht übereingekommen", zitiert ihn "Sport 1".

Zu Beginn eines ereignisreichen Tages mussten die Fußballprofis von Hannover 96 am sonst trainingsfreien Montag Laufrunden drehen, während Manager Dirk Dufner auf der Suche nach einem Nachfolger des beurlaubten Trainers war. Gefahndet wird nach einem Retter, der sich für die verbleibenden fünf Spiele zur Verfügung stellt.

Die Arbeitsplatzgarantie für Korkut, die Clubchef Martin Kind ausgesprochen hatte, hielt gerade einmal zehn Tage. Dufner musste dem gescheiterten Fußball-Lehrer die Nachricht von der Beurlaubung überbringen. Der selbst in der Kritik stehende Manager arbeitet nun wohl seine letzte Aufgabe in Hannover ab. Dufner ist angeschlagen, sein vorzeitiger Abschied wird in den Zeitungen der Landeshauptstadt als sicher gehandelt.

Spektakuläre Trainer-Comebacks in Deutschland FOTO: dpa, hrad nic hak nic

"Es ist unser Bestreben, schnell einen Nachfolger zu präsentieren", bekräftige 96-Pressechef Alex Jacob, der statt Dufner an die Öffentlichkeit trat. Der in der Branche als Nothelfer bekannte Neururer bestätigte, "immer mal wieder Kontakt" mit Hannovers Clubchef Kind gehabt zu haben. Der Vereinspräsident und Dufner führten die Gespräche mit dem Trainer-Kandidaten.

Als weitere Kandidaten werden in Hannover Namen wie Volker Finke oder Jos Luhukay genannt. Die zwischenzeitlich diskutierte Notlösung mit A-Jugend-Coach Daniel Stendel und Ex-Profi Steven Cherundolo hat Kind offensichtlich ebenso verworfen wie die Rückkehr von Korkut-Vorgänger Mirko Slomka.

Bisher galt Andre Breitenreiter als Kinds Favorit für die neue Saison. Das Problem: Der in der Region Hannover lebende Coach steht noch beim SC Paderborn unter Vertrag, der ebenfalls gegen den Abstieg kämpft. Das spricht dafür, dass 96 einen Trainer holt, der den Ruf eines Feuerwehrmannes hat.

Der neue Mann muss versuchen, die Negativserie zu durchbrechen, möglichst schon am Samstag im Heimspiel gegen Hoffenheim. 96 ist als einzige Mannschaft des deutschen Profi-Fußballs im neuen Jahr noch ohne Sieg. Diese beispiellose Serie wurde Korkut zum Verhängnis. Unter der Regie des in Stuttgart geborenen Deutsch-Türken, der das 96-Team als Nachfolger von Slomka zu Jahresbeginn 2014 übernommen hatte, rutschte das Team bis auf Platz 15 ab.

Porträt: Tayfun Korkut – türkischstämmiger Trainer aus Stuttgart FOTO: afp, jd-jlu

Spätestens der leblose Auftritt der Mannschaft bei der 0:4-Pleite in Leverkusen führte zu einem Umdenken beim Clubchef. Er beendete das Experiment mit dem Bundesliga-Neuling. Der mächtige Mann bei den Niedersachsen hatte wenige Tage zuvor noch gesagt: "Wir ziehen das mit Herrn Korkut bis zum Saisonende durch. Es wird bei uns in dieser Saison keinen Trainer-Wechsel geben." Diese Aussage erwies sich als taktische Maßnahme, um ein bisschen Zeit zu gewinnen.

Manager Dufner, der wegen seiner Personalpolitik in der Kritik steht, musste neben Korkut auch und das Team über die Beurlaubung informieren. Der Coach verabschiedete sich danach von den Fußball-Profis. "Es war deutlich emotional in der Kabine", berichtete Jacob.

Kurioserweise mussten Korkuts ebenfalls beurlaubte Assistenten Julen Masach und Xaver Zembrod die Laufeinheit am Montag leiten. Dabei war auch Jörg Sievers – der langjährige Torwarttrainer darf als einziger aus dem Trainerstab bleiben.

(dpa)
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