2. Bundesliga 16/17 2. Bundesliga
| 09.40 Uhr

Hannover 96
Tatütata, der Feuerwehrmann ist da

Porträt: Das ist Michael Frontzeck
Porträt: Das ist Michael Frontzeck FOTO: AFP
Hannover. Fußball-Bundesligist Hannover 96 trennt sich von Tayfun Korkut, sagt Peter Neururer ab und holt Michael Frontzeck. Der Aufruhr bei den Niedersachsen erreichte beinahe Hamburger Verhältnisse. Von Martin Beils

Nein, nein, das konnten die stolzen Hannoveraner nicht auf sich sitzen lassen. Dass die halbe Fußballbranche kuriose oder rührselige, auf jeden Fall aber unterhalsame Beiträge liefert, und sie nichts dergleichen zu bieten haben? Nein, nein. Viele Möglichkeiten hatten die Niedersachsen allerdings nicht, um nach dem Mull-Wohlfahrt/Pep/Kloppo/Tuchel-Klimbim der vergangenen Tage die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Doch sie haben tatsächlich eine gefunden und genutzt. Sie haben einen der größten Unterhaltungskünstler der Branche und seinen Porsche Panamera in ein Hotel am Maschsee gelotst und mit ihm "gute Gespräche", wie es hieß, geführt.

Peter Neururer (59) war da – und dann doch wieder weg. 70 Minuten hatte das Beschnuppere gedauert. Etwas später machte die Kunde die Runde, dass das große Kind der Bundesliga und des Ruhrgebiets nicht an die Leine gelassen wird. Am Morgen hatte es erste Spekulationen um die Nachfolge Tayfun Korkuts gegeben. Dessen Vorgänger Mirko Slomka wurde schon seit längerem gehandelt. Der aus dem niedersächsischen Nienburg/Weser stammende und noch beim Verband Kameruns beschäftigte Volker Finke war im Gespräch. Genau wie Jos Luhukay. Und eben Peter – genannt "der Große" – Neururer.

Am Abend kam noch Michael Frontzeck aus Mönchengladbach-Odenkirchen als Kandidat hinzu. Und am Ende des "Neururer-Tages" gab der Klub bekannt, dass er tatsächlich Frontzeck (51) das Vertrauen schenkt. Er wird heute Mittag als Trainer vorgestellt, um 10 Uhr steht er auf dem Trainingsplatz. So schnell geht das. Frontzeck war als Assistent von Ewald Lienen schon einmal bei Hannover 96. Als Chefcoach arbeitete er bei Alemannia Aachen, Arminia Bielefeld, Borussia Mönchengladbach und beim FC St. Pauli. Hannovers Sportdirektor Dirk Dufner verkündete feierlich: "Ich bin davon überzeugt, dass er mit der Mannschaft die Saison erfolgreich beendet." Wäre auch schlimm, wenn er nicht davon überzeugt wäre.

Klubchef Martin Kind hatte in der Vergangenheit nie lange gefackelt, wenn es darum ging, einen Trainer vor die Tür zu setzen. Bei Tayfun Korkut fiel ihm die Trennung schwer, er schätzte den gebürtigen Stuttgarter mit türkischen Wurzeln, gab ihm noch eine Jobgarantie, als die Mannschaft schon weit vom Kurs abgekommen war. Doch nach 13 Spielen ohne Sieg und einem desaströsen Auftritt in Leverkusen (0:4) war die Entlassung zwingend.

Fotos: Neururers kurze Rückkehr auf die Bundesliga-Bühne FOTO: dpa, ole jhe

Dass sich Hannover tatsächlich ernsthaft mit Neururer beschäftigte, ihn sogar als ersten Anwärter zum Interview bat, zeigt wie groß die Not dort ist. Neururer zurück in die Bundesliga – das klang, vorsichtig ausgedrückt, zunächst mal nach einem Scherz. Neururer ist der Inbegriff des Feuerwehrmanns, der in der Not löscht, aber kein Spezialist für die anschließende Aufbauarbeit ist. Er ist das Gegenteil der in den vergangenen Jahren allseits gelobten und gesuchten jungen, dynamischen Konzepttrainer. Doch seit der Hamburger SV Bruno Labbadia verpflichtet hat, scheint das zuletzt etwas aus der Mode gekommene Modell "Retter" wieder gefragt zu sein.

Frontzeck hat diesen Job beim FC St. Pauli übrigens auch schon einmal überzeugend erledigt. Auch durch die Vertragslaufzeit ist seine Aufgabe eindeutig definiert: Frontzecks Vertrag läuft bis zum Saisonende. Ein lupenreiner Feuerwehrmann-Vertrag eben.

Trotz des Finales mit Frontzeck sorgte Neururer für das größere Getöse. Neun Jahre ist es her, dass der zuletzt in der ersten Liga gearbeitet hatte. Damals auch bei Hannover 96. Seine bislang letzte Station hieß 2013 Bochum. Sechs Spieltage vor Schluss der Zweiten Liga herrschte dort Ratlosigkeit, die Entscheidung für Neururer erschien wie ein Akt der Verzweiflung. Neururer, der im Jahr zuvor beim Golfspielen einen Herzinfarkt erlitten hatte ("Ich hatte keinen Herzschlag mehr, ich war tot"), rettete den VfL vor dem Abstieg.

Gestern stand Neururer im Fokus der Kameras. Endlich wieder. Seine Miene verriet, wie sehr er das genoss. Ob er noch einmal solch eine Bühne bekommt? Die Verzweiflung bei den Klubs müsste groß sein.

Quelle: RP
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