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| 19.56 Uhr

Freier Fall
Hannover 96 taumelt mit Negativrekord dem Abstieg entgegen

Freier Fall : Hannover 96 taumelt mit Negativrekord dem Abstieg entgegen
Lange Gesichter in Hannover. FOTO: dpa, pst jai
Hannover. Desatröse Leistung, frustierte Fans und ein ratloser Trainer: Hannover 96 rauscht mit der elften Heimniederlage im 13. Spiel ungebremst Richtung Zweitklassigkeit.

Endzeitstimmung in Hannover: Die wütenden Fans warfen mit Plastikbechern, die 96-Profis flüchteten sich in Durchhalteparolen und Trainer Thomas Schaaf gingen im mittlerweile fast aussichtslosen Kampf um den Klassenerhalt die Argumente aus.

"Es tut mir leid, dass wir im Moment nicht mehr liefern können. Wieder haben wir eine gute Möglichkeit verpasst", sagte der Coach nach der 0:2 (0:1)-Pleite gegen den 1. FC Köln, die den Niedersachsen einen traurigen Bundesliga-Rekord bescherte. Elf Heimniederlagen in den ersten 13 Spielen, ein solche Misserfolgsserie hatte nicht einmal die legendäre "Trümmertruppe" von Tasmania 1900 weiland 1965/1966 hingelegt.

Die Berliner stiegen vor 50 Jahren sang- und klanglos ab, dieses Schicksal scheint nun auch an der Leine nahezu unabwendbar. 96-Kapitän Christian Schulz jedenfalls mochte schon gar keine Durchhalteparolen mehr hervorkramen: "Besonders die zweite Halbzeit war unwürdig. Wenn man so spielt, hat man auch keine Punkte verdient."

Bis kurz vor dem Halbzeitpfiff durften die 40.600 Zuschauer noch vage auf den ersten Heimsieg unter der Regie von Schaaf hoffen. Doch die Kölner Führung durch den früheren 96-Profi Leonardo Bittencourt (43.) traf die Platzherren ins Mark. Der Mittelfeldspieler war in der 61. Minute erneut für die Gäste erfolgreich, danach war der Widerstand der Norddeutschen weitgehend gebrochen.

Genau diese Einstellung war es, die Schaaf sichtlich ärgerte: "Da haben wir nicht die Gegenwehr aufgezeigt, die nötig gewesen wäre", sagte der Coach, bevor er seinen eigenen Durchhaltewillen verbal untermauerte: "Ich glaube fest daran, dass wir diese Situation noch irgendwie drehen können."

Ron-Robert Zieler konnte die hilflosen Bemühungen seiner Vorderleute nur aus der Torwartperspektive beobachten. Dennoch fiel es dem Weltmeister schwer, nach dieser erneuten Enttäuschung wieder zur Tagesordnung überzugehen. "Es ist kaum noch in Worte zu fassen. Wir können den Schalter einfach nicht umlegen, ein absolutes Desaster", klagte der Schlussmann. Bei Sky beschwor er sogar "ein Wunder", um die Klasse doch noch zu halten.

Zieler wird beim Abstieg den Klub verlassen, die meisten seiner Teamkollegen aber sollen bleiben. So jedenfalls plant 96-Sportdirektor Martin Bader: "90 Prozent der Spieler haben auch Zweitliga-Verträge. Wenn wir absteigen sollten, sollen sie selbst die Suppe auslöffeln, die sie eingebrockt haben."

Mir derlei Sorgen muss sich Baders Kollege Jörg Schmadtke nach dem ersten Kölner Auswärtssieg seit Anfang November nicht mehr herumschlagen. Mit neun Punkten Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz haben es sich die Rheinländer erst einmal im Bundesliga-Mittelfeld gemütlich gemacht.

Mit Schmadtke als Manager war Hannover 96 noch vor vier Jahren in der Europa League unterwegs, einen Kommentar zur desaströsen Lage in der niedersächsischen Landeshauptstadt vermied der ehemalige Bundesliga-Profi jeglichen Kommentar. "Hannover war eine schöne Zeit, die bleibt. Ich maße mir nicht an, hier jetzt den Schlaumeier zu spielen."

Vielleicht drückt der 51-Jährige zumindest heimlich seinem alten Arbeitgeber die Daumen, Doppel-Torschütze Bittencourt jedenfalls wünschte den Hannoveranern nur das Beste: "Vielleicht schaffen sie ja doch noch wenigstens die Relegation."

(sid)
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