2. Bundesliga 16/17 2. Bundesliga
| 12.39 Uhr

Krise bei Hannover 96
Korkut leitet Training – und muss mit Rauswurf rechnen

Porträt: Tayfun Korkut – türkischstämmiger Trainer aus Stuttgart
Porträt: Tayfun Korkut – türkischstämmiger Trainer aus Stuttgart FOTO: afp, jd-jlu
Hannover. Das 0:4 von Leverkusen wirft noch mehr Fragen bei Hannover 96 auf. Die Indizien, dass es für Trainer Korkut keine Zukunft mehr bei den Niedersachsen gibt, werden immer deutlicher.

Das Sonntags-Training von Hannover 96 wirkte trostlos wie die gesamte Situation. Gerade einmal 20 Fans verloren sich am Morgen nach dem desaströsen 0:4 in Leverkusen in der riesigen Arena in Hannover, in der Tayfun Korkut die Übungseinheit der Reservisten leitete. Um den Coach ist es einsam geworden. Trotz der Arbeitsplatzgarantie von Klubchef Martin Kind ist seine Zukunft beim Bundesligisten ungewiss. Heimische Zeitungen spekulieren bereits über die Rückkehr von Mirko Slomka als Retter in der Not.

Für Korkut gibt es außer dem grundsätzlichen Wohlwollen von Kind keine Argumente. Hannover blieb zuletzt 13 Spiele ohne Sieg und liegt nur aufgrund der Niederlagen von Stuttgart und Paderborn weiterhin auf Rang 15. Viel schlimmer aber als die nackten Zahlen war der leblose Auftritt des Abstiegskandidaten in Leverkusen.

Nur Korkut gab sich bei Bayer kämpferisch. Die Profis von Hannover 96 taten es nicht. Stattdessen machten sie mit ihrem desolaten Auftritt eines deutlich: Eine gemeinsame Zukunft wird immer unwahrscheinlicher, selbst im Nicht-Abstiegsfall.

Klubchef Kind schweigt

Sportdirektor Dirk Dufner sagte tapfer: "Ich gehe davon aus, dass wir mit dem Trainer weitermachen." Denn "natürlich kann er noch Impulse geben – aber die müssen jetzt aus der Mannschaft kommen". Aber nicht der Manager, der selbst in der Kritik steht, sondern allein Kind entscheidet bei Hannover 96. Doch der Klubchef verließ die BayArena vorzeitig und wollte sich auch am Sonntag zunächst nicht äußern.

Das Korkut-Team taumelt der Zweitklassigkeit entgegen. "Als Gesamt-Leistungsschau war das völlig ungenügend", schimpfte Dufner. Korkut versucht derweil das drohende Ende auszublenden: "Ich werde weiterhin alles versuchen, dass wir den Klassenverbleib schaffen.
Über alles andere mache ich mir keine Gedanken."

Das taten seine Profis – aber vielleicht zu spät. Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler jedenfalls bekannte sich klar zum Coach: "Der Trainer kann sich mit Sicherheit nicht in den Sechzehner stellen und die Bälle rausköpfen."

Noch immer ist 96 als einziges Bundesligateam im Jahr 2015 sieglos. "Für uns war das eher ein ganz klarer Schritt zurück in dieser schwierigen Phase. Wenn das der Maßstab ist, wird es nicht reichen", kommentierte Korkut die seelenarme Präsentation und ergänzte: "In bestimmten Phasen sind wir auseinandergebrochen. Meine Aufgabe ist es nun, die Mannschaft wieder zusammenzufügen."

Kind braucht Plan B

Doch wer tut das, wenn sich die Wege trennen sollten? So, wie sich Coach und Team aktuell in ihrer Gemeinsamkeit zeigen, wird es nichts mit einer weiteren Zukunft. Die Branchenmechanismen lassen Kind wohl kaum eine andere Wahl, als sich Varianten zu überlegen.

Zieler indes versprach: "Keiner von uns wird aufgeben." Und Mittelfeldmann Leon Andreasen, der sich nach Spielschluss eine Rangelei mit seinem Teamkollegen Manuel Schmiedebach lieferte, ergänzte: "Wir haben noch fünf Spiele – jedes Spiel ist ein Endspiel. Wir brauchen nun dringend ein Erfolgserlebnis, das ist klar."

Ob das Korkut noch hilft? Die Dinge, die sich im Hintergrund zu entwickeln scheinen, sprechen dagegen. Kind hat augenscheinlich eine Wunschlösung, die auch dazu führte, dass Korkut eine Art Jobgarantie hat. Der in der Region Hannover lebende Andre Breitenreiter vom Ligakonkurrenten SC Paderborn soll Kinds Interesse geweckt haben, doch eine schnelle Lösung scheint derzeit viel wahrscheinlicher.

(dpa)
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