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EM-Viertelfinale: Frankreich - Griechenland: Helfen "Rehakles" auch gegen Zidane die Götter?

zuletzt aktualisiert: 24.06.2004 - 14:10

Lissabon (rpo). Für Otto Rehhagels Griechen wird im zweiten Viertelfinale der EM am Freitag (wir berichten ab 20.45 Uhr im LIVE!-Ticker) gegen Titelverteidiger Frankreich die Spreu vom Weizen getrennt. Gegen wen es geht, weiß Hellas: "Das ist die beste Mannschaft der Welt, für uns wird es ein Jahrhundertspiel", meinte Werder Bremens Angelos Charisteas.

Otto "Rehakles", unlängst durch das Erreichen des Viertelfinals schon in den griechischen Trainer-Olymp erhoben, versuchte vor der Partie im Estadio Jose Alvalade von Lissabon dem krassen Außenseiter die Spannung zu nehmen: "Meine Spieler stehen im Zentrum der Welt. Wir haben nichts zu verlieren". Die Voraussetzungen für Griechenland und Rehhagel sind ähnlich wie vor dem EM-Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Portugal (2:1) am 12. Juni. Auch da waren die Schützlinge des deutschen Fußball-Lehrers wahrlich nicht der Favorit, entzauberten aber mit Ottos berühmter "kontrollierter Offensive" Luis Figo und Co.

So ähnlich soll es gegen die "Equipe tricolore" laufen, auch wenn Rehhagel in höchsten Tönen vom französischen Starensemble schwärmt. "Wir spielen gegen Europas beste Fußballer", sagte "König Otto" vor dem Spiel der Spiele. Allerdings hat er einen Vorteil: Im Gegensatz zum 1:2 gegen Russland zum Vorrundenabschluss kennen seine Spieler ihre Widersacher aus Frankreich aus dem Eff-Eff.

Der Respekt vor dem "Über-Gegner" muss weg

Allerdings müssen sie unbedingt den Respekt vor den großen Namen ablegen. Rehhagel: "Ich habe meinen Jungs gesagt: Wenn euch nachts Thierry Henry im Traum erscheint, habt nicht zu viel Angst. Wenn sie nachts die Augen aufmachen, und ich sage Henry oder Trezeguet, dann hat jeder ein Bild vor Augen, jeder weiß genau, wie sie laufen, wie sie spielen."

Rehhagel, der auf den gesperrten Zisis Vrizas und wahrscheinlich auch Stylianos Giannakopoulos (Wadenzerrung) verzichten muss, wird seine Mannschaft gewohnt akribisch auf die Stärken und Schwächen des Gegners einstellen. Georgios Karagounis hat seine Gelbsperre abgesessen und kehrt in die Mannschaft zurück. Gegen Portugal überraschte der 65-jährige Rehhagel mit einer forschen Kontertaktik. Ähnlich könnte die griechische Spielweise gegen den Weltmeister von 1998 aussehen. "So mancher Underdog ist schon über sich hinausgewachsen. Das wollen wir auch", meinte Charisteas.

 Mittelfeldspieler Vassilis Tsartas ist jedenfalls selbstbewusst genug, sogar einen Gedanken ans Halbfinale zu verschwenden: "In dieser Phase kann das Spiel über 90 oder 120 Minuten gehen, vielleicht wird es auch erst im Elfmeterschießen entschieden. Es kann viel passieren."

"Für uns steht Erfolg im Vordergrund, nicht die Schönspielerei"

Die französischen Asse haben jedenfalls Respekt vor der Rehhagel-Truppe, sie wollen nicht den gleichen Fehler machen wie die Portugiesen. Zudem hagelte es in den französischen Medien heftige Kritik - trotz zwei Siegen und einem Remis in der Vorrunde. "Wir sind da, wo wir wollten. Für uns steht der Erfolg im Vordergrund, nicht die Schönspielerei", sagte Arsenal-Star Pires. Und auch Torjäger Henry verweist darauf, dass der Titelverteidiger immer noch gute Chancen hat, dem Turnier seinen Stempel aufzudrücken: "Welchen großen Star hat es denn hier bislang gegeben? Das war doch nur der Engländer Wayne Rooney, sonst keiner. Ich habe zwei Tore gemacht und einen Elfmeter herausgeholt. Das genügt mir im Augenblick."

Die heftige Kritik an der Spielweise der Franzose in TV und Zeitung stieß im französischen Lager auf Unverständnis. "Sie sollen nicht die Spieler kritisieren, sondern wenn, dann mich. Ich trage die Verantwortung. Aber ich habe mir nichts vorzuwerfen", meinte Trainer Jacques Santini.

Gegen Griechenland bangt er um den Einsatz von Mittelfeldspieler Patrick Vieira (Zerrung) und William Gallas (Prellung am linken Knöchel). Sollte Gallas ausfallen, müsste Lilian Thuram wieder auf die rechte Außenposition ausweichen, weil auch der Münchner Willy Sagnol (Unterarmbruch) nicht zur Verfügung steht. In diesem Fall dürfte Routinier Marcel Desailly wieder ins Team kommen. In der Vorbereitung auf das Viertelfinale machten die Franzosen vor allem Übungen im Kombinationsspiel. So wollen sie die griechische Abwehr knacken.


Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Frankreich: 16 Barthez - 15 Thuram (5 Gallas), 8 Desailly, 2 Boumsong, 3 Lizarazu - 6 Makelele, 18 Pedretti, 10 Zidane, 7 Pires - 20 Trezeguet, 12 Henry

Griechenland: 1 Nikopolidis - 2 Seitaridis, 5 Dellas, 19 Kapsis, 14 Fyssas - 23 Lakis, 20 Karagounis, 7 Zagorakis, 10 Tsiartas, 6 Basinas - 9 Charisteas

Schiedsricher: Anders Frisk (Schweden)


 
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