1. Bundesliga 16/17
| 17.24 Uhr

"Haben eine gute Mischung im Team"
Dardai-Code öffnet Hertha neue Bereiche

Porträt: Hertha-Trainer, Ungarn-Trainer, Rekordspieler
Porträt: Hertha-Trainer, Ungarn-Trainer, Rekordspieler FOTO: dpa, meh jai
Pal Dardai hat Hertha auf eine neues Level gebracht. Und das mit guten alten Tugenden: Teamgeist, Bescheidenheit, Kampf - aber auch mit schönem Fußball. Den nächsten Auftritt bei den Super-Bayern sieht der Ungar als willkommenen Leistungstest für seine Profis.

14 Stunden nach dem Schnee- und Arbeitssieg gegen Schlusslicht Hoffenheim kreisten alle Gedanken bei Pal Dardai bereits um Pep Guardiola und dessen Super-Bayern. Am Montagfrüh um halb acht besprach der Chefcoach von Hertha BSC erstmals mit seinem Assistenten Rainer Widmayer die Strategie für die Vorbereitung. "Wir werden das taktische Training so ausrichten, dass wir auch dort gut aussehen", verriet Dardai seine München-Planspiele: "Es ist die beste Mannschaft der Welt. Es ist ein guter Leistungsvergleich für die Spieler."

Nach 13 Spieltagen steht der Berliner Bundesligist überraschend auf Rang vier. "Ich habe großen Respekt. Trotzdem gehe ich mit guter Laune nach München. Mit 23 Punkten müssen wir uns nicht verstecken", sagte Dardai. Der Ungar hat nach seiner erfolgreichen Mission als Interims-Retter in der Vorsaison in Windeseile ein Team geformt, das sich in der Ligaspitze festgebissen hat. "Wir haben einfach eine gute Mischung im Team, die ermöglicht, dass wir uns weiterentwickeln", bemerkte Abwehrchef Sebastian Langkamp.

Neuer, ansehnlicher Kombinationsfußball plus Erhaltung der Defensiv-Stabilität sind die Kernpunkte des Dardai-Codes, der plötzlich neue Bereiche eröffnet. Der Trainer verwies zudem auf die veränderte Mentalität, wie sie im Schneegestöber gegen die Hoffenheimer einmal mehr sichtbar wurde: "Letztes Jahr haben wir so ein Spiel verloren. Das ist auch eine Qualität, diese Punkte zu holen." Was Dardai fehlt, ist ein Erfolg gegen einen Großen der Liga.

Neuer Anlauf also gegen Müller, Lewandowski und Co.? "Das ist Bayern München, Männer, sorry", wies Dardai die Anfrage zurück. "Da planen wir nicht großkotzig drei Punkte ein", ergänzte Langkamp im "Sportplatz" des rbb. Aber "wenn es möglich ist", wolle man einen Punkt mitnehmen.

Realismus, Einstellung und Kollektiv sind weitere Puzzleteile im neuen Hertha-Konzept. So könnte am Samstag in München nach Ablauf seiner vierwöchigen Rot-Sperre Vedad Ibisevic wieder mitwirken. Dardai lässt das aber noch offen: "Das werden wir die ganze Woche beobachten. Wir waren erfolgreich. Das hat auch etwas mit Pädagogik zu tun, mit Mannschaft und Teamgeist." Vor seinem Platzverweis auf Schalke hatte der Neuzugang in fünf Spielen für Hertha vier Tore erzielt.

Beim noch verletzten Ex-Bayern Mitchell Weiser wird der Trainer "kein unnötiges Risiko" eingehen, obwohl der U21-Nationalspieler gerne gegen seinen alten Arbeitgeber auflaufen würden. Nach dem Sieg gegen Hoffenheim geht Hertha laut Dardai "ganz anders" in die schwierigen Partien bei den Bayern und eine Woche danach gegen Bayer Leverkusen:
"Da kannst du auch bisschen mehr Risiko nehmen." Jetzt dürften sich alle als "stolze Herthaner" fühlen. "Am Ende des Spiels in München wollen wir auch stolz sein auf unsere Arbeit", sagte Dardai.

Immer noch "halb als Spieler und halb als Trainer" fühlt sich Herthas Rekordprofi, der für die Berliner 286 Erstliga-Spiele bestritten hatte. Und so geht er auch mit seinem Personal um. Dardai erkundigt sich nach privaten Dingen, kann aber auch knallhart sein. "Du darfst nicht zu großen Spaß haben", betonte Dardai am Montag: "Du musst immer weiterarbeiten."

(dpa)
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