1. Bundesliga 16/17
| 12.15 Uhr

Hertha BSC bastelt an neuem Image
Die alte Dame will sexy werden

Hertha BSC: Die alte Dame bastelt an einem neuen Image
We try. We fail. We win. Gerade Letzteres gelang der Hertha zuletzt oft. Alle Fans gewinnen die Berliner mit ihrem Marketing-Sprech allerdings nicht. FOTO: afp
Berlin. Auf dem Fußballplatz läuft es bei Hertha BSC derzeit mehr als rund. Doch im Verein dreht es sich im Moment um mehr als nur den Sport, das Image der grauen Maus soll möglichst bald der Vergangenheit angehören.

Spricht Hertha-Manager Michael Preetz in diesen Tagen über die Zukunft seines Vereins, geht es nicht mehr nur um Tore, Punkte oder Saisonziele. Es fallen Begriffe wie "digitale Transformation, "Uniqueness" und "Markenpositionierung". Denn während der Berliner Bundesligist auf dem Fußballplatz auf dem besten Weg zu einem Spitzenklub ist, bastelt Preetz mit Hochdruck am Image des Vereins. Die alte Dame soll sexy werden.

"Wir wollten das Image vom vielleicht etwas großmäuligen Verein, den niemand interessiert, loswerden. Unser Problem ist doch, dass wir, egal was wir auch versucht haben, es nicht schaffen konnten, noch mehr Menschen für Hertha zu gewinnen", sagte Preetz unlängst der Berliner Zeitung. Selten kommen bei Heimspielen mehr als 50.000 Zuschauer ins Olympiastadion - trotz des aktuellen Höhenflugs.

Die enttäuschende Besucherzahl in der 3,5-Millionen-Einwohner-Stadt ist ein Dauerthema bei Hertha. Jetzt wird das Problem mit einer ungewöhnlichen Marketing-Kampagne angepackt. "We try. We fail. We win", heißt seit dieser Saison die in Zusammenarbeit mit der Agentur Jung von Matt entstandene Botschaft des Klubs.

Eine Anspielung auf die lange und nicht immer erfolgreiche Vereinsgeschichte. Auch vom "Berliner Start-Up seit 1892" ist die Rede. Und auf dem Mannschaftsbus prangt in Anspielung auf den Berliner Pannenflughafen BER: "Eigentlich wollten wir mit dem Flieger kommen." Selbstironisch, frech, mutig - so will die Hertha rüberkommen. Nur nicht graue Maus sein.

"Hertha, lass das Hipstern sein"

Doch das gefällt nicht allen. Viele Fans stehen der Kampagne skeptisch gegenüber, für sie sind die kessen Sprüche oder das pinke Auswärtstrikot ein Dorn im Auge. Mit Bannern wie "Vom Traditionsverein zum Marketingschwein - Hertha, lass das Hipstern sein", protestierten sie gegen die Kampagne. Dem Regierenden Bürgermeister dagegen gefällt's. "Ich glaube, das war überfällig. Der Stadt muss bewusst werden, dass wir einen wichtigen Bundesligisten haben. Wir sind ein guter Klub, der Erfolge hat. In so einer Kampagne kann man das alles ausdrücken", sagte Michael Müller der Bild.

Vielleicht verprellt man mit dem neuen Weg den ein oder anderen alteingessenen Fan, doch die Hoffnung ist, die jungen Leuten in der Berliner Metropole mit dem Hertha-Virus zu infizieren. Dafür wurde im Klub auch personell aufgerüstet.

Paul Keuter, zuletzt verantwortlich für die Sport-Strategie beim Kurznachrichtendienst Twitter, wechselte Anfang des Jahres in die Hertha-Geschäftsführung. Der frühere Berater von Ex-Kapitän Arne Friedrich ist verantwortlich für die Weiterentwicklung von digitalen Geschäftsmodellen und der damit verbundenen strategischen Ausrichtung des Klubs.

(sid)
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