1. Bundesliga 17/18
| 07.43 Uhr

Hertha-Krach zum Jubiläum
Stadiondebatte trübt sportliche Entwicklung

Hertha BSC: Stadiondebatte trübt sportliche Entwicklung
Michael Preetz (l) und Hertha-Präsident Werner Gegenbauer. FOTO: dpa, car sab
Berlin. Mit Platz sechs in der Liga und dem Einzug in den internationalen Wettbewerb steht Hertha BSC sportlich gut da. Nur die ausufernde Stadiondebatte überschattet derzeit die gute Entwicklung - zum Leidwesen der Klubführung.

Als Michael Preetz nach 90 Minuten Stadionstreit ans Rednerpult trat, um die sportliche Bilanz zu loben, hatten mehrere Dutzend Herthaner schon die Flucht ergriffen. Wütend waren sie aus dem Saal der Mitgliederversammlung gestampft, weil ihr Antrag auf einen Umzugsverzicht nach Brandenburg abgelehnt worden war. Auch auf die Rekordzahlen von Geschäftsführer Ingo Schiller hatten die erbosten Anhänger keine Lust mehr.

"Hertha gehört nur nach Berlin. Heimspielstätte in Brandenburg ausschließen" - so lautete der Antrag der Fan-Gruppe, die sich lautstark und zum Teil aggressiv gegen die Politik der Klubführung wandte. Die hätte intern schon längst den Kurs in Sachen Stadion festgelegt. "Aber wir wollen entscheiden, was passiert. Und nicht erst, wenn es zu spät ist", rief ein Fan durch den Saal.

Aufseiten der Anhängerschaft herrscht große Angst, dass der Klub die Stadt verlässt und mit dem angedrohten Umzug nach Ludwigsfelde südlich von Berlin ernst macht. Auch ein Neubau auf dem Olympiagelände in Berlin und eine Umwandlung des Olympiastadions in eine reine Fußball-Arena sind im Gespräch. Auf jeden Fall will der Klub unter den jetzigen Bedingungen nicht weiterspielen - zu schlecht ist die Stimmung im meist nur halbvollen Olympiastadion.

"Es wird auf jeden Fall nichts gegen den Willen der Mitglieder entschieden. Berlin ist die erste Wahl von Hertha", versprach Klub-Chef Werner Gegenbauer. Doch auch sein Angebot, im Fall eines Stadionneubaus die Mitglieder zu befragen, konnte die Masse nicht besänftigen. Am Ende wurde der Antrag zumindest in eine Empfehlung an Präsidium und Aufsichtsrat umgewandelt - ein schwacher Trost für die Basis.

Preetz bemühte sich, gegen die negative Stimmung anzureden. Mit Platz sechs habe der Klub in der abgelaufenen Saison den größten Erfolg der jüngsten Vergangenheit hingelegt. "Und das im Jahre unseres 125. Geburtstages", bemerkte der Manager. Große Ankündigungen sind bekanntlich nicht seine Sache, stattdessen wünschte sich der 49-Jährige für die kommende Saison "Realitätssinn". Die Mehrfach-Belastung durch den Europacup sei eine große Herausforderung für den Klub.

Spektakuläre Neuverpflichtungen kündigte der Manager nicht an. Das Gerüst der Mannschaft sei vorhanden. "Wir werden weiter an der Stabilität arbeiten", versprach der Ex-Profi. Wie der Weggang von Abwehrchef John Anthony Brooks verkraftet werden soll, ließ Preetz offen. Der Manager bestätigte, dass der US-Nationalspieler den Klub verlässt. Dass Brooks laut Medien für eine Summe von 17 bis 20 Millionen Euro zum Liga-Rivalen VfL Wolfsburg geht, darauf ging der Manager nicht ein.

Geschäftsführer-Kollege Ingo Schiller war noch besserer Laune, als er die neuen Zahlen für die Saison 2017/18 verlas. Der Klub steigerte seinen Etat um rund 20 Millionen Euro auf 122,6 Millionen Euro. Der Spieler-Etat kletterte auf etwas mehr als 47 Millionen Euro. Grund dafür sind das gestiegene TV-Geld und die Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League. Kein Wunder, dass Präsident Gegenbauer zum Ende noch Schillers Vertragsverlängerung um zwei Jahre bekannt gab.

(sid)
 
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