1. Bundesliga 17/18
| 12.09 Uhr

Probetraining bei Hertha
Klinsmanns Torwart-Sohn erzielt Traumtor

Jonathan Klinsmann spielt bei Hertha BSC als Torwart vor. Beim ersten Probetraining fiel der Sohn von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann aber als Kunstschütze auf.

Das hätte Papa Jürgen selbst zu seiner erfolgreichsten Zeit nicht besser machen können: Mit einem perfekten Volleyschuss jagt Jonathan Klinsmann beim Trainingsspielchen den Ball in den Winkel. Die Zuschauer jubeln, Trainer Pal Dardai guckt erstaunt. Denn der 20 Jahre alte Sohn des Welt- und Europameisters Jürgen Klinsmann kämpft bei Hertha BSC eigentlich um einen Vertrag als Profitorwart.

Fußballerisch überzeugte Klinsmann junior also beim Trainingsauftakt des Berliner Bundesligisten. In den kommenden Tagen muss er noch seine Qualitäten zwischen den Pfosten beweisen. Hertha-Coach Dardai vertraut dabei auf das Urteil seines Torwarttrainers Zsolt Petry. "Wenn Zsolt ein bisschen verliebt ist, dann holen wir ihn", sagte der Ungar: "Wenn Zsolt zögert, dann werde ich mit einem Auge auch hinschauen."

Dardai kennt sich mit Söhnen berühmter Fußball-Väter aus: Sein eigener Sohn Palko (18) und Maurice Covic (19), Sprößling von Ex-Profi Ante Covic, kämpfen derzeit ebenfalls um einen Platz im Profikader.

Auch Klinsmann muss mit Leistung überzeugen, sein klangvoller Nachname alleine hilft nicht. Im Gegenteil: Der Name habe zum Teil "schwer" auf ihm gelastet, gab Jonathan unlängst im "Daily Californian" zu. Doch an der Universität in Berkeley habe er gelernt, besser damit umzugehen. Dem Coach der California Golden Bears sei es egal gewesen, "ob er der Sohn von Jürgen Klinsmann, Barack Obama oder Winston Churchill ist", sagte Jonathan.

Experten attestieren dem 1,92 m großen und reaktionsstarken Torhüter großes Talent, im März wurde er bei der Concacaf-Meisterschaft (Nord-, Zentralamerika, Karibik) der U20-Teams mit dem goldenen Handschuh als bester Torwart des Turniers ausgezeichnet.

Klinsmann will seinen Sohn nicht beurteilen

Vater Jürgen tut sich schwer, die Leistungsfähigkeit seines Sohnes einzuschätzen. "Da halte ich mich komplett raus", sagte der frühere Bundestrainer: "Er ist ja Torwart – und das können andere besser beurteilen." Sein Vater war Hertha-Fan, er selbst ist seit 2004 Mitglied beim Hauptstadtklub, und "das erste Fußballspiel, zu dem mich mein Vater mitgenommen hat, war 1972 die Partie VfB Stuttgart gegen Hertha", sagte Jürgen Klinsmann.

Ob sein Sohn einen Vertrag in Berlin erhält, soll nach den Eindrücken beim Trainingslager in Bad Saarow (7. bis 14. Juli) fallen. Der junge Schlussmann wäre im Falle einer Verpflichtung aber wohl nur Torwart Nummer drei hinter Stammkeeper Rune Jarstein und Thomas Kraft. Wahrscheinlich würde Klinsmann öfter bei Herthas U23 in der Regionalliga zum Einsatz kommen.

Klinsmann besitzt die deutsche und die amerikanische Staatsbürgerschaft, er ist zweisprachig aufgewachsen. Im März hatte er auch schon bei der Zweitvertretung des VfB Stuttgart zur Probe trainiert. "Er will in die Bundesliga oder eine andere große Liga", betonte Jürgen Klinsmann.

(sid)
 
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