Ottmar Hitzfeld wird nicht neuer Fußballbundestrainer. Völlig überraschend machte er am Donnerstag einen Rückzieher. Hitzfelds Gründe für die Absage sind bislang unklar. Nachfolgend Reaktionen auf den unerwarteten Verzicht.
Felix Magath (Trainer von Bayern München): "Das überrascht mich sehr. Es wäre wunderbar gewesen. Ottmar Hitzfeld wäre der richtige Mann gewesen. Jetzt hat man ein Problem. Ich kann das nicht lösen. Ich beschäftige mich mit anderen Problemen, die wichtiger sind. Ich bin Vereinstrainer und kein Nationaltrainer. Das möchte ich auch ein paar Jahre noch bleiben. Die Aufgabe beim FC Bayern ist so anspruchsvoll, da kann man nichts nebenbei machen."
Rudi Assauer (Manager von Schalke 04): "Es ist schade, dass es Ottmar Hitzfeld nicht macht. Ich vertraue voll und ganz den Sachkenntnissen von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder. Er wird schon den Richtigen finden."
Lothar Matthäus (deutscher Rekord-Nationalspieler und Nationaltrainer von Ungarn): "Die Situation hat sich wieder grundlegend geändert. Die Absage von Ottmar Hitzfeld hat auch mich sehr überrascht. Auf mich ist aber noch niemand zugekommen. Zudem habe ich auch eine reizvolle Aufgabe, und die ist, mich mit der ungarischen Nationalmannschaft für die WM 2006 in Deutschland zu qualifizieren. Deshalb werde ich mich nicht an Spekulationen zum Thema Bundestrainer beteiligen. Der Deutsche Fußball-Bund muss sich nun die Zeit nehmen, alle Positionen und alle Wege durchzugehen, damit am Ende gewährleistet ist, dass man bis zur WM 2006 wieder erfolgreich ist.
Fredi Bobic (Nationalspieler von Hertha BSC Berlin): "Ich bin doch etwas überrascht, dass er es nicht macht. Er war der große Favorit auf das Amt. Diese Entscheidung muss man aber jetzt respektieren, ohne Wenn und Aber."
Otto Rehhagel (Nationaltrainer Griechenland): "Wir haben so einen Erfolg hier - wenn ich jetzt sagen würde, ich verabschiede mich, das könnte ich doch gar nicht machen. Ich habe hier Vertrag bis 2006. Im Übrigen häng meine Seeligkeit nicht vom Posten des deutschen Nationaltrainers ab."
Michael Meier (Manager von Borussia Dortmund): "Ich kenne die Gründe nicht, aber ich kann mich nicht damit anfreunden, warum Ottmar Hitzfeld abgesagt hat. Ich denke, es gibt nur eine Ideallösung, und die heißt Hitzfeld. Es muss daran gearbeitet werden, dass er seinen Entschluss noch einmal überdenkt. Denn der DFB, die Bundesliga, praktisch der gesamte deutsche Fußball ist für Hitzfeld als Völler-Nachfolger. Es macht jetzt keinen Sinn, in der Öffentlichkeit andere Namen zu diskutieren. Hitzfeld hat dem Fußball viel zu verdanken, und er steht in der Pflicht, dem deutschen Fußball etwas zurückzugeben."
Gerhard Mayer-Vorfelder (DFB-Präsident):"Ich bedauere die Entscheidung von Ottmar Hitzfeld , aber ich habe sie zu respektieren. Über die neue Situation und die Namen möglicher Kandidaten für das Bundestrainer-Amt wird im DFB-Präsidium am Montag zu beraten sein."
Falko Götz (Trainer von Hertha BSC Berlin): "Die Entscheidung von Ottmar Hitzfeld überrascht mich sehr. Ich habe ihn in meiner Zeit in München als sehr kompetenten und fairen Sportsmann kennen gelernt. Er hätte sowohl in sportlicher Hinsicht als auch als Repräsentant die Rolle des Bundestrainers gut ausgefüllt. Es ist schade, dass er es nicht macht. Der DFB sollte sich bei der Suche nach einem neuen Kandidaten Zeit lassen, schließlich ist das Anforderungsprofil an den neuen Mann wegen der bevorstehenden WM im eigenen Land sehr hoch."
Harald Strutz (Präsident FSV Mainz 05 und Vize-Präsident DFL): "Man hat die Absage von Ottmar Hitzfeld zu akzeptieren. Man muss jetzt ein genaues Anforderungsprofil entwerfen und auch offen für ausländische Trainer sein und neue Wege gehen. Da dürfen wir Deutsche uns nicht so zurückhalten, auch andere Länder verfahren so. Es gibt zum Beispiel einen Morten Olsen. Für eine Verpflichtung von Christoph Daum hätte ich allerdings überhaupt kein Verständnis."
Udo Lattek (Ex-Trainer und DSF-Experte): "Ich möchte wissen, was die wirklichen Gründe waren. Entweder hat man ihm nicht die Kompetenzen gegeben, die er haben wollte, oder seine Frau hat doch noch gesagt, du hast mir versprochen, ein Jahr Pause zu machen - was ich nicht nachvollziehen könnte. So viel Ruhe braucht er auch nicht - man kann nicht immer nur Golf spielen."
Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt): "Die Entscheidung von Hitzfeld hat mich in meiner Meinung bestätigt, dass viel mehr hätte getan werden müssen, um Rudi Völler zu halten. Jeder weiß, wie deprimierend solch eine Niederlage wie gegen Tschechien für einen Fußball-Trainer ist. Nach dem Spiel hätte man Völler viel besser 'bewachen' müssen. Wenn er von Profis wie Uli Hoeneß oder Rudi Assauer, die lange Erfahrung in dem Geschäft haben, abgeschirmt worden wäre, hätte er die Nacht überstanden."
Werner Hackmann (Präsident des Ligaverbandes und Mitglied des DFB-Präsidiums): "Schade, alles weitere werden wir am Montag auf der Präsidiumsversammlung sehen. Ich werde jetzt keine weiteren Namen nennen und mich nicht an Spekulationen beteiligen."
Peter Pander (Manager VfL Wolfsburg): "Das ist sehr schade, Ottmar Hitzfeld war ein geeigneter Kandidat, jetzt ist die DFB-Spitze gefordert. Es werden Diskussionen losgehen, man muss Hitzfelds Entscheidung aber respektieren."
Klaus Allofs (Sportdirektor Werder Bremen): "Das ist schon verwunderlich. Wenn man Gespräche aufnimmt, ist ja eigentlich eine gewisse Bereitschaft zu erkennen. Ich weiß nicht, warum sich Ottmar Hitzfeld gegen das Amt entschieden hat und kann mir kaum vorstellen, dass es an Dingen wie der Entlohnung gelegen hat. Nun wird es schwierig, jemanden zu finden, der die Erwartungen erfüllen kann."
Dietmar Beiersdorfer (Sportchef Hamburger
SV): "Diese Entscheidung überrascht mich. Damit konnte man nicht rechnen. Ich war davon ausgegangen, dass Ottmar Hitzfeld unser neuer Bundestrainer wird. Nun ist die Situation natürlich nicht ganz einfach. Man darf aber nicht in Hektik verfallen. Spontan fällt mir aber auch keine Alternative ein."
Rene Müller (DDR-Torwart-Idol, Trainer von Zweitliga-Aufsteiger Rot-Weiß Erfurt): "Ottmar Hitzfeld war auch mein Wunschkandidat. Ich habe ihn als den besten Mann für diese Position angesehen. Jetzt hat DFB-Präsident Mayer-Vorfelder ein echtes Problem. Der DFB hätte Rudi Völler in letzter Zeit einfach mehr Rückendeckung geben müssen. Aber Völler ist teilweise regelrecht unterlaufen worden und konnte bei all den Personaldiskussionen nicht mehr in Ruhe seine Arbeit machen."
Wolfgang Holzhäuser (Sprecher der Geschäftsführung Bayer Leverkusen): "Die Absage von Ottmar Hitzfeld ist für den DFB bedauerlich. Ich gehe davon aus, dass das Präsidium in Kürze einen adäquaten Nachfolger präsentiert. Rudi Völler ist ohnehin der Beste."
Rainer Jarohs (Vizepräsident von Hansa Rostock): "Es ist sicherlich schade, dass Ottmar Hitzfeld nicht will. Dennoch muss man seine Entscheidung respektieren. Es es ist besser, wenn er so ehrlich ist und seine Meinung vertritt, als wenn jemand halbherzig das Amt übernimmt und dann nur 90 Prozent einbringt."