Geldstrafe nach erneutem Platzverweis: Hitzkopf Barbarez erzürnt HSV
zuletzt aktualisiert: 09.12.2002 - 14:37Hamburg (rpo). Hitzkopf Barbarez wollte zwar nicht einsehen, dass sein aufbrausendes Verhalten mitursächlich war für das späte 1:1 gegen den VfL Bochum. Doch der HSV kennt keine Gnade: Er wird eine saftige Geldstrafe gegen den Bosnier verhängen.
Sportchef Dietmar Beiersdorfer platzte fast der Kragen, Trainer Kurt Jara war frustriert, aber Sünder Sergej Barbarez spielte das Unschuldslamm. "Ich habe gar nichts Böses erzählt, mein Ton war vielleicht zu laut", sagte der Bosnier in Diensten des Hamburger SV nach seinem zweiten Platzverweis wegen Meckerns innerhalb von sechs Wochen.
Der Hitzkopf wollte nicht einsehen, dass sein aufbrausendes Verhalten am Sonntagabend nicht nur das Schiedsrichtergespann um Hermann Albrecht auf die Palme brachte, sondern auch seinem Team die Sicherheit nahm. Die Konsequenz: Das 1:1 in letzter Sekunde durch den Bochumer Peter Graulund und der verpasste Sprung auf Rang fünf.
"Das war unprofessionell", sagte der verärgerte Beiersdorfer, bestellte Barbarez zum Gespräch und verhängte eine Geldstrafe. "Das ist doch lächerlich, was du hier winkst", hatte der 1:0-Torschütze eine Viertelstunde vor Schluss den Assistenten an der Linie beschimpft. Für Jara passierte der Ausraster wie "aus heiterem Himmel" wegen einer Nichtigkeit: "Es wird eine größere Geldstrafe sein, denn wir müssen ein Zeichen setzen auch für die anderen Spieler."
Täter fühlt sich als Opfer
Barbarez selbst fühlte sich auch noch als Opfer der Schiedsrichterdiskussion: Die Unparteiischen würden derzeit "für alles Gelb zeigen", meinte der 31-Jährige und forderte mehr Fingerspitzengefühl. Albrecht wollte diese Vorwürfe gar nicht erst kommentieren. Aber auf der "roten Liste" würde der Bosnier nicht stehen. "Wir sind doch froh, wenn die Mannschaften nach 90 Minuten geschlossen vom Platz gehen", betonte der FIFA-Schiedsrichter.
Später zeigte Barbarez, der bis zu seiner Entgleisung der Motor der Hanseaten war, Reue: "Ich muss meine Fehler abstellen." Es ist jedoch zu bezweifeln, ob eine Geldstrafe den heißblütigen Torjäger zähmen wird. Sechs Mal flog er in der Bundesliga schon vom Platz. "Es ist ein Teil seiner Stärke, wenn er engagiert zur Sache geht, aber er darf nicht die Übersicht verlieren", forderte Beiersdorfer.
Barbarez gesperrt, Bernardo Romeo und Eric Meijer verletzt - da gehen Trainer Jara vor der Partie in Rostock die Stürmer aus. Für das letzte Spiel des Jahres soll deshalb Pressesprecher und Regionalliga- Torjäger Marinus Bester reaktiviert werden. Da Romeo (Bandscheiben- Operation) jedoch länger auszufallen droht, denkt der Hamburger SV über Verstärkungen zur Rückrunde nach.
Heißer Kandidat ist der japanische Torschützenkönig Naohiro Takahara, der am Montag unter großem Medienandrang erstmals in Hamburg mittrainierte. 21 Journalisten und vier Kamerateams begleiteten den 19-fachen Nationalspieler auf die Deutschland-Reise. Auch italienische Vereine sind an dem japanischen Star interessiert. Der Vertrag des 23-Jährigen mit Jubilo Iwata läuft im Januar aus, der Club möchte verlängern und ihn dann möglicherweise ausleihen. "Er zeigt gute Ansätze", war Jaras erster Eindruck.
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