Blühender Schwarzmarkt im Internet: "Höchstrisiko-Stufe" vor dem Klassiker
zuletzt aktualisiert: 27.08.2001 - 14:53München/London (rpo). Vor dem Fußball-Klassiker zwischen Deutschland und England im Münchner Olympiastadion herrscht bei der Polizei in beiden Ländern Alarmstufe eins.
Mit außergewöhnlichen Sicherheitsvorkehrungen wollen die Behörden auf beiden Seiten verhindern, dass es ähnlich wie vor gut einem Jahr beim EM-Gruppenspiel in belgischen Charleroi zu Auseinandersetzungen und Straßenschlachten kommt. Rund 600 Beamte sollen am Samstag in und um dem mit 63.000 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion für Ordnung sorgen.
Erstmals bei einem Heimspiel sollen über den behördlichen Weg der so genannten "Gefährdungsansprache" bekannte deutsche Randalierer am Aufbruch nach München gehindert werden. In England hat das "National Criminal Intelligence Service" (NCIS) der britischen Polizei die Partie mit der "Höchstrisiko-Stufe" bedacht und rund 560 Hooligans ein Ausreiseverbot erteilt. "Es sind die größten Sicherheitsmaßnahmen, die je in Großbritannien für ein Auswärtsspiel Englands getroffen wurden", sagte ein Sprecher des NCIS, das mit 16 Beamten in München zur Unterstützung der deutschen Polizei vertreten ist.
"Wir sind gut vorbereitet. Es ist an alles gedacht worden, woran man zu denken hat", glaubt der Generalsekretär des Deutschen Fußball- Bundes (DFB), Horst R. Schmidt. Die große Frage aber ist, ob die Fans am Samstag wirklich wie vorgesehen in Blöcken, die zudem durch Pufferzonen gesichert sein sollen, getrennt werden. Zwar wurden die rund 6000 Tickets, die dem englischen Verband zustehen, über den offiziellen England-Fanclub nur an eigene Mitglieder (in dem vorbestrafte Personen nicht aufgenommen werden) verkauft. Doch dank des Internets läuft der Schwarzmarkt auf vollen Touren und ist praktisch nicht mehr zu kontrollieren. Alleine in den Online- Auktionshäusern werden derzeit Hunderte von Eintrittskarten zu Preisen bis zu 500 Mark grenzübergreifend versteigert.
Zudem befürchtet die Münchner Polizei, dass etwa 1000 bis 2000 englische Fans ohne Eintrittskarten in die bayrische Metropole anreisen werden. Sie unter Kontrolle zu halten, ist eine vordringliche Aufgabe der Beamten in Uniform und Zivil. Nach Aussage von Schmidt werden in München besonders viele erfahrene, geschulte und szenekundige Kräfte eingesetzt. Die Fanbetreuer werden sich in deutsch-englischen Tandems in der Stadt bewegen.
Zudem sollen die Zuschauer mit einem ausgedehnten Unterhaltungsangebot, unter anderem einem Fan-Turnier, bei Laune gehalten werden. Damit diese allerdings nicht überschwappt, wird bereits drei Stunden vor dem Anpfiff (19.30 Uhr) und bis zwei Stunden nach Spielende auf dem gesamten Olympiagelände kein Alkohol ausgeschenkt. Auch gibt es keinen zentralen Platz mit Videoleinwand für jene Anhänger, die keine Karte haben.
"Man hat Profis als Partner, die mit den anstehenden Problemen so umgehen, wie man das erwarten kann", lobte Schmidt die Zusammenarbeit mit den englischen Stellen. Der NCIS hat angekündigt, dass die von der britischen Regierung als Folge der EM-Ausschreitungen verabschiedeten Präventiv-Maßnahmen rigoros wie nie zuvor umgesetzt werden sollen. So will die Polizei an den Fähr- und Flughäfen sowie am Eurostar-Terminal des Londoner Bahnhofs Waterloo bekannte Hooligans abfangen, die trotz Passentzug aus dem Land wollen.
Dennoch scheint man bei den englischen Behörden besorgt, ob es auch in München so geordnet zugehen wird wie im Hinspiel am 7. Oktober im Londoner Wembleystadion. Die angesehene Zeitung "The Observer" zitierte einen namentlich nicht genannten Beamten, der über die deutschen Polizeibehörden urteilte: "Sie sind der Ansicht, dass es keinerlei Probleme geben wird, weil sie es gewohnt seien, Spiele von Bayern München zu überwachen. Betrachtet man die unrühmliche Geschichte und den Ruf der englischen Hooligans, ist das schon beachtlich."
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