Kritik an Lemke und Beckenbauer: Hoeneß: "Calmunds Vernichtungs-Wille hat mich überrascht"
zuletzt aktualisiert: 24.11.2000 - 14:52München (sid). Bayern-Manager Uli Hoeneß leidet offensichtlich noch immer an den Folgen der "Affäre" um Christoph Daum. "Hier wurde die Chance gesucht, diesen Hoeneß, der für viele ein Problem ist, am Boden zu haben. Einige hatten sicher vor, mich zu vernichten. Meine Person wurde durch die Medienmaschinerie in einer Form diffamiert, wie noch nie ein Mensch in diesem Geschäft schuldlos diffamiert wurde", sagte der 48-Jährige in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.
Heftige Kritik übte der Bayern-Manager in diesem Zusammenhang noch einmal an Leverkusens Manager Reiner Calmund und an Bremens Senator Willi Lemke. "Ich benutze den Namen Calmund nicht mehr, er ist für mich nicht mehr existent. Sein Vernichtungswille hat mich überrascht", erklärte Hoeneß und fügte zu Lemke an: "Ich möchte mit ihm nie mehr etwas zu tun haben. Erstaunlich, dass ein Mann mit so einem Charakter Minister eines Bundeslandes werden kann und für die Erziehung zuständig ist."
Auch mit seinem ehemaligen Mitspieler Paul Breitner rechnete Hoeneß ab. Der sei hauptverantwortlich für die Entwicklung, behauptete Hoeneß: "Ich bin total enttäuscht von ihm." Zudem hätte er sich am Anfang der Geschichte mehr Unterstützung von Franz Beckenbauer gewünscht.
An einen Rückzug denkt Hoeneß trotzdem nicht mehr. Vielmehr will er zusammen mit Karl-Heinz Rummenigge versuchen, "den Fußball wieder in den Mittelpunkt zu stellen." Er wolle versuchen, so Hoeneß weiter, für seine Einstellung mehr Mitstreiter zu finden und die Dinge als Korrektor in Bahnen zu lenken, "wo sie wieder steuerbar sind". Vor allem das Verhältnis untereinander müsse sich ändern, meinte Hoeneß: "Wir dürfen nicht bereit sein, für eine Geschichte den anderen zu killen."
Auf die Frage, ob der Fußball, deshalb eine Art Ethik-Kommission bräuchte, antwortete der Bayern-Manager: "Wenn sie das schreiben, sagen alle, jetzt spinnt er. Aber im Prinzip ist es so. Wenn ich so etwas sage, sagen meine sogenannten Freunde, der ist doch die größte Sau in dem Geschäft - wie kommt der darauf? Aber ich bin überzeugt, es gibt kaum einen, für den die eigenen Spieler mehr durchs Feuer laufen würden wie für mich."
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